Sieben PM1D im römischen Circus Maximus für Live 8
„Live 8: The Long Walk to Justice“, das weltweit größte Konzert und ein enormes Medienspektakel, fand in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, USA, Kanada, Japan, Südafrika und Russland unter enormer Aufmerksamkeit der Medien statt. Das Konzert war der Höhepunkt einer weltweiten Initiative, um die Machthaber der reichsten Länder aufzufordern, den ärmsten Ländern der Erde ihre Schulden vollständig zu erlassen und für eine bessere Unterstützung dieser Länder und einen gerechteren Handel zu sorgen.
Yamaha spielte eine tragende Rolle dabei, einigen der bedeutendsten Künstler Italiens bei der Unterstützung dieses guten Zwecks Gehör zu verschaffen, indem das Unternehmen Technologie in einem Ausmaß bereitstellte, das es für eine Einzelveranstaltung in Italien noch nicht gegeben hat: Zum Mischen von FOH-, Monitor- und Sendeton standen den Musikern sage und schreibe sieben PM1D zur Verfügung und wurden auch von fast allen genutzt.
Der Konzertveranstalter Einstein Multimedia vertraute die technische Abwicklung dieses Mega-Events, das in Rom vor der eindrucksvollen Kulisse des Circus Maximus stattfand, der Firma Limelite aus Pomezia unter der Leitung des Produktionsmanagers Giancarlo Campora an.
Stefano Cisaria und Fabrizio Fini, die Audiokoordinatoren von Limelite, schlossen sich mit zwei der führenden Firmen Italiens kurz, die die Audiogeräte zur Verfügung stellen sollten: Agorà und Backstage PA.
Letztere hatte die Aufgabe, die Yamaha-Mischpulte für das Konzert in Rom bereitzustellen: Zwei Mischpulte wurden für den FOH-Einsatz, vier für das Monitoring und das siebte im Übertragungswagen von Backstage PA eingesetzt, um den Sendeton für die TV-Übertragung zu mischen.
Daniel Mascheroni, die zentrale Figur des Unternehmens aus Como, erläuterte im Detail den Aufbau der Anlage für das beeindruckende Staraufgebot, das auf einer großen Drehplattform abwechselnd auf Bühne A und Bühne B auftrat: „Die beiden FOH-Mischpulte unter der Leitung von Arturo Pellegrini und Marcello Mannini waren komplett unabhängig voneinander und für jeweils einen der beiden Bühnenbereiche zuständig. Zum Mischen der Monitore entschieden wir uns jedoch für zwei Mischpulte pro Bühnenbereich, um auch den „Gast“-Toningenieuren mit weniger Erfahrung am Mischpult die Möglichkeit zu geben, es zu nutzen. Dank dieser Konfiguration namens „Dual Console-Modus“ konnten die Techniker der jeweiligen Künstler mit Unterstützung von einem unserer Techniker (Federico Farina) an dem einen Mischpult arbeiten, während das andere Mischpult von dem erfahreneren „Haus“-Techniker bedient wurde, also je nach Bühne Marco Della Torre oder Domenico Lettini.“
Backstage PA hatte dieses Verfahren bereits mit Erfolg eingesetzt, und zwar bei einer Veranstaltung mit einem großen Orchester. Der Einsatz von zwei Technikern an Mischpulten im Dual Console-Modus erwies sich insbesondere bei den Proben als nützlich.
„Sobald die Techniker der Musiker eintrafen, konnte Federico ihnen eine Vorschau der Mischpultkonfiguration zeigen. Und selbst wenn Marco und Domenico noch mit dem Sound des vorherigen Künstlers beschäftigt waren, konnten alle nötigen Änderungen an den Einstellungen des nächsten Künstlers vorgenommen und im relativen Speicher erfasst werden“, so Mascheroni weiter.
Durch einigen Planungsaufwand konnte Mascheroni (der von Yamaha-Produktexperten als einer der fachmännischsten Benutzer der digitalen Systeme anerkannt ist) sicherstellen, dass das System in der Praxis extrem bedienerfreundlich war.
„Das Schwierigste war jedoch der Sendeton“, meinte Mascheroni. „Während die Mischpulte der beiden Bühnenbereiche einander nicht „sehen“ konnten, musste Giancarlo Pierozzi – der Techniker im Ü-Wagen – beide Mischpulte auf seinem System haben, falls nötig sogar gleichzeitig. Außerdem waren wir für alle Leitungen vom und zum Ü-Wagen zuständig, die für eine Übertragung dieser Größenordnung nötig waren, und mussten auch die gesamte Veranstaltung auf Hard Disk aufzeichnen!“
Marco Della Torre, ein weiterer Techniker, der im Umgang mit den digitalen Systemen von Yamaha viel Erfahrung hat, war nach dem Konzert ganz begeistert. Er schilderte das Konzert als ein wahrhaft denkwürdiges Ereignis und fügte hinzu: „Obwohl es mit dieser Konfiguration möglich war, die unerfahreneren Techniker der Künster „an die Hand zu nehmen“, arbeitete ich lieber direkt am Hauptmischpult mit ihnen, denn ich kenne viele von ihnen persönlich. Daher nahm ich aus Gründen der Schnelligkeit alle physischen Einstellungen nach ihren Anweisungen selbst vor.“
Della Torre betonte außerdem, dass trotz der großen Menge an Yamaha-Hardware, die eingesetzt wurde, nur ein Bruchteil der enormen Möglichkeiten des PM1D genutzt wurde. Doch wie so oft erwiesen sich scheinbar nebensächliche Aspekte als äußerst wichtig und konnten dank der beeindruckenden Flexibilität des Systems geregelt werden: „Da wären beispielsweise die Monitorleitungen zu erwähnen. Wegen der Drehbühne hatte jede Hälfte ihre eigenen Monitore. Doch außerdem gab es noch Sidefill-Lautsprecher, die stationär waren, sowie vier Monitore ganz vorne, die nicht auf der Drehplattform angebracht waren und von allen Bands genutzt wurden. Aufgrund dieser „gemeinsam genutzten“ Systeme erhielt ich vom Techniker der Bühne B Submatrix-Signale, die ich an die angeschlossenen Systeme verteilte. So konnten sie von beiden Mischpulten gesteuert werden.“
Jede Band hatte ihre eigene Backline. Das heißt, bei jedem Wechsel mussten innerhalb kürzester Zeit eine Menge Geräte transportiert und Verkabelungen erledigt werden. Unter der sachkundigen Leitung des Stage Managers – dem unbeschreiblichen Tony Soddu – leisteten die Bühnentechniker hervorragende Arbeit. Della Torre meinte abschließend: „Das Feedback von den Künstlern war äußerst positiv, was die erzielten Resultate angeht. Dieser Erfolg liegt auch darin, dass man, wenn man die Bands kennt, immer versucht, eine Art „Vorabmix“ im Vorhinein zu erstellen. Dieser ist in der Regel zu 80 % vollständig und steht dann zur Verfügung, wenn die Musiker zum Soundcheck kommen. Dadurch wird den Tontechnikern der Bands die Arbeit erleichtert. Sie müssen dem Mix nur noch den letzten Schliff geben. Bei dieser Art von Show ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.“
Als einer der beiden Techniker, die den Sound aus der riesigen, von Daniele Tramontani entworfenen FOH-Anlage von Agorà mischten, war Arturo Pellegrini außerdem für die identische Programmierung der beiden Mischpulte verantwortlich. Die Flexibilität des PM1D sorgte für eine größtmögliche Arbeitserleichterung. „Wir erwarteten diverse Techniker, die noch nie zuvor ein PM1D gesehen hatten. Daher programmierte ich die Mischpulte so, dass alle nötigen Kanäle sofort auf einer Ebene sichtbar waren – pro Mischpult 48 Kanäle. Dabei waren wir für die Funktion „Global Paste“ äußerst dankbar. Denn statt einen ganzen Speicher abrufen zu müssen, konnten wir eine Gruppe von Kanälen – beispielsweise die Kanäle der Schlagzeug-Mikros – mit allen Einstellungen in einen anderen Speicher kopieren. Um also vor jedem Soundcheck möglichst viel Zeit zu gewinnen, nutzte ich einige zuvor verwendete „Soundelemente“, die sich mehr oder weniger ähnelten, als Grundlage für einen neuen Speicher. Das Mischpult kam bei allen gut an, und trotz der Hektik bei den schnellen Wechseln konnten sich die Resultate sehen lassen, und alle Befürchtungen hinsichtlich des Einsatzes digitaler Konsolen wurden entkräftet, selbst in einer so schwierigen Situation.“
Die Künstler beim Live 8 in Rom
Biagio Antonacci - Claudio Baglioni - Alex Britti - Cesare Cremonini - Duran Duran - Francesco De Gregori - Elisa - Gemelli Diversi - Irene Grandi - Faith Hill - Jovanotti - Ligabue - Fiorella Mannoia - Tim McGraw - Negramaro - Negrita - Nek - Noa - Mauro Pagani - Laura Pausini - Piero Pelù - Max Pezzali - Planet Funk - Povia - Ron - Velvet - Antonello Venditti - Renato Zero - Zucchero.