PM1D- und DM2000-Pulte unter dem Zelt des "Zelig Zirkus"
Acht Jahre sind seit dem Beginn der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Rundfunk-Netzwerk Mediaset und dem "Zelig-Universum" vergangen. Und viel hat sich seit 1997, dem Jahr, in dem die Comedy-Show ihr Debüt auf Italia 1 feierte, verändert. Zunächst wurde das Sparten-Programm, ein Baby von Gino & Michele sowie Giancarlo Bozzo, nur am späten Abend ausgestrahlt. Doch es entwickelte sich schnell zu einem echten Medien-Phänomen und hatte bald einen Sendeplatz zur Primetime bei Canale 5. Mit den Jahren vergrößerte sich auch die Anzahl der beteiligten Comedians; bei der letzten Auflage waren es rund 50. Die Popularität wuchs derart schnell, dass die Produzenten (Canale 5 und Area Zelig) vom legendären Veranstaltungsort in Mailand, welcher der Show ihren Namen gab, in ein Zirkuszelt in die Peripherie der Stadt umziehen mussten. Aufgrund der ungewöhnlichen Location fortan "Zelig Zirkus" genannt, wurde die Show nun an elf Abenden zur Hauptsendezeit ausgestrahlt. Präsentiert wurde sie nun schon im fünften Jahr von dem quirligen Komiker Claudio Bisio (für viele andere Künstler ein unbezahlbarer Wortführer) an der Seite der bezaubernden Vanessa Incondrada.
Um sicher zu gehen, dass das Publikum im Zelt und die Millionen Zuschauer zu Hause nicht einen Witz der Kompanie verpasst, beauftragten die Produzenten "Backstage PA" aus Mariano Comense. Die Firma von Pino di Constanzo und Daniele Mascheroni ist in Italien ein führender Equipment-Verleih für große Fernsehshows und Live-Events. Für "Zelig Zirkus" lieferte sie eine Beschallungsanlage, die in der Lage ist, auch mit den schwierigen akustischen Bedingungen unter einer PVC-Plane fertig zu werden. Gesteuert wird diese mit Hilfe von drei Yamaha-Konsolen: Zwei PM1D und ein DM2000.
An den Schlüsselpositionen - FOH, Monitor und Premix für die Ausspielwege - arbeiten drei Toningenieure mit einer beachtlichen Erfahrung in der Digital-Domain: Marcello Mannini, Alessandro Roseo und Piero Bravin.
Piero, ein Pro-Audio-Veteran, ist bei "Backstage PA" das letzte Glied in der Kette. An seinem Platz hinter der Bühne mischt er die Musik der Show - und zwar sowohl die Resident-Band von Sergio Sgrilli als auch die Show-Gäste. Zudem schickt er die Signale auch noch nach draußen zum Mediaset-Übertragungswagen, der neben dem Zelt steht. Mit gewohnter Bescheidenheit sagt er: "Meine Aufgabe war am leichtesten. Ich musste lediglich zwei Monokanäle vom Mixdown zum Toningenieur im Übertragungswagen schicken. Zu diesem Zweck verwendete ich ein DM2000 mit der aktuellsten Software, das ideale Pult für so einen Job." Alessandro Rosso, der sich im Außenflügel-Bereich befindet und seit zehn Jahren für "Backstage PA" arbeitet, fügt hinzu: "Sowohl das Monitor- als auch das FOH-Pult waren mit einem PM1D verbunden. Die zuerst genannten Konsolen fungierten als Slave des PM1D-Pultes. Sie empfingen die gleichen Inputs auf zwei separaten DSPs. Die FOH-Konsole schickte Piero nur den Teil, der für die Ausspielwege bestimmt war - in anderen Worten: die musikalischen Pausenfüller."
Roseo verwendete die Matrizen, um den Bühnensound einzurichten. Alle Ansteck-Lavalier-Mics mit den selben Sendern und Empfängern hatten ihren Auxweg, in den ein 31-Band-Grafik-Equalizer insertiert wurde. Dann wurden diese zwecks Verteilung an die Bühnenmonitore auf die Matrix gelegt.
Zusätzlich zu den Bühnen-Wedges arbeitet die Resident-Band mit In-Ear-Monitoring. Außerdem muss Roseos PM1D Audiokanäle für den Backstage-Bereich, die Umkleideräume und die Warteräume für die Künstler mit versorgen.
Roseos Kommunikation mit der Band läuft über eine andere der zahlreichen Funktionen: "Sie befinden sich auf der anderen Seite der Bühne, doch dank des GPI-Systems kann der Sänger mit Hilfe eines Pedals einen sonst geschlossenen Kanal öffnen und wieder schließen. Dieser Kanal ist mit dem Monitor der Konsole verbunden. So kann er nur wenige Sekunden vor dem Auftritt noch mit mir sprechen", so der Tonmann.
Dank seiner langjährigen Erfahrung mit Digitaltechnik hat Roseo gelernt, dass es sich lohnt, alle Möglichkeiten einer solchen Anlage zu erforschen und auszuschöpfen. "Bei Zelig werden oftmals die gleichen Mics für Gesang und Sprache benutzt", erklärt er. "Also haben wir sie gedoppelt und mit zwei verschiedenen Equalizer-Einstellungen versehen. Eine Hälfte bekommt die üblichen 'Lavalier-Einstellungen', die andere wird mit Hall, Kompressor und so weiter für den Gesang versehen. Das alles ist kein Problem mit dem PM1D."
Roseo benutzt zudem ein Dutzend Szenenspeicher für Dinge wie den Abschluss-Song der Show oder das Duett von Bisio und Vanessa. "Auch wenn die Songs immer ein wenig anders sind, starte ich mit einer Basis-Szene, an der ich jedes Mal die nötigen Anpassungen vornehme. Ich bin sicher, dass diese Arbeitsweise nur mit einer solchen Konsole so schnell funktioniert. Mit der Entscheidung für ein PM1D haben wir einen echten Coup gelandet, denn als wir anfingen, ahnten wir noch gar nicht, was auf uns zukam. Am Ende hatte ich 30 Outputs zu meistern - und aus den 40 Kanälen zu Beginn waren im Laufe der Zeit 60 geworden!"
FOH-Tonmann Marcello Mannini arbeitet seit sieben Jahren bei "Backstage PA" und war bei allen möglichen Fernsehshows, Musicals und großen Konzerten dabei. Er erklärt uns: "Ich hatte bereits die Ehre, mit der ersten Version des PM1Ds zu arbeiten, also kenne ich es gut. Bei Zelig habe ich den Hauptteil der Arbeit mit den Matrizen erledigt. Die Musiksignale kommen auf die Stereo-Matrix und die Sprache auf die Auxwege. So kann ich beides unterschiedlich mit dem Equalizer bearbeiten und anschließend auf die PA schicken, welche aus einer Hauptanlage und sieben Delay-Lines besteht. Es war das erste Mal, dass ich bei der Matrix derart in die Tiefe gegangen bin - und ich muss sagen, dass die Ergebnisse exzellent waren."
Mannini leitete außerdem persönlich die Positionierung der Boxen an, weil das Zelt sehr lang und auch sehr breit ist. "Die Delays des Pultes haben diese Verhältnisse bestens in den Griff bekommen, und ihretwegen erreichten wir dort, wo Sprachverständlichkeit gefragt war, sehr gute Ergebnisse", so Mannini.
"Ich habe in jedem Sprachmikrofon-Kanal ein Gate, das, obgleich digital, sehr schnell ist und einen sehr deutlichen Sound ermöglicht", fährt er fort. "Es schließt sich sofort, wenn der Komödiant mit dem Sprechen aufhört und öffnet sich verzögerungsfrei, wenn er wieder loslegt. Die Gates arbeiten unauffällig, liefern einen ganz klaren Sound, und ich wäre ohne sie vollkommen aufgeschmissen. Die wenigen Effekte, die ich brauche, sind alle schon integriert. Sie reichen also völlig aus und sind von hoher Qualität. Auch die Dynamics arbeiten prima und funktionieren auch dann, wenn der Künstler schreit."
Als überzeugter Digital-Befürworter schließt Mannini mit den Worten ab: "Ich frage mich, warum manche Leute noch immer analoge Mischpulte vorziehen. Meine Meinung ist: Um einen detaillierten Sound wie bei Zelig zu erreichen, bei dem man jede leiseste Berührung der Becken und jede 'Ghost Note' auf der Snare wahrnehmen kann, ist die Genauigkeit eines solchen Pultes vonnöten."