Umbria Jazz ist eines der ältesten und renommiertesten Jazz-Festivals Europas. Jeden Sommer fallen Tausende Fans aus aller Welt friedlich in das italienische Perugia ein, um sich an den verschiedensten Orten – Theatern, Restaurants, Bars, Parks und Plätzen - von der Jazzmusik und verwandten Genres verzaubern zu lassen. Unter all diesen Locations ist die von monumentalen Gebäuden umgebene zentrale Piazza IV Novembre zweifellos die faszinierendste. Abend für Abend verwandelt sie sich von einer geschäftigen Kreuzung in ein malerisches Open-Air-Theater.
Neben dem talentierten Sänger und Pianisten Chiara Civello aus Rom - der als einziger italienischer Künstler beim berühmten Jazzlabel Verve unter Vertrag ist - traten viele weitere illustre Stars aus aller Welt auf der Piazza-Bühne auf: Bobby Jones & Nashville Super Choir, das Milwaukee Youth Symphony Orchestra Jazz Lab, die Hayward Jazz Band der California State University, Donna McElroy, Larry Monroe & Berklee Ensemble (die als Musiker ebenso brillant sind wie als Lehrer), das Berkeley High School Jazz Ensemble und Funk Off, eine talentierte Straßen-Kombo aus der Toskana, die viele mit einer mitreißenden Verschmelzung aus Reggae, R&B und Jazz-Funk überraschten und begeisterten.
Dafür, dass auch wirklich alle Fans, die den Platz bevölkerten, in den ungetrübten Genuss dieser Musik-Mischung kamen, war in diesem Jahr war die Firma Pro Sound Service (PSS) aus dem norditalienischen Silea verantwortlich. Sie stellte das Sound-System zur Verfügung, in deren Zentrum zwei Yamaha-PM5D-Konsolen wirkten, die das Unternehmen kürzlich in seinen Bestand aufgenommen hatte.
Firmengründer Cristian Bobbo ist wie sein Partner Massimilano Salin Toningenieur und war darum sofort in der Lage, die Vorzüge des PM5Ds zu erkennen. "Mein Interesse an diesem Pult wurde geweckt, als ich es im letzten Jahr auf einer Tour des Popstars Tiziano Ferro sah und hörte", erklärt Bobbo. "Als wir uns dann selbst eine Digitalkonsole anschaffen wollten, entschieden wir uns für das PM5D, weil sich sehr schnell damit arbeiten lässt, und es exzellente Qualität zu einem erschwinglichen Preis bietet. Was uns besonders überzeugt hat, ist seine Fähigkeit, verschiedene Mischszenen zu speichern. Das ist gerade für Festivals unentbehrlich: Wenn eine der vielen Gruppen auf die Bühne getreten war, musste man nur noch die vorher eingerichteten Mischszenen aufrufen und per Gain-Regler die Signale korrekt einpegeln."
Vor ihrem Einsatz bei Umbria Jazz hatte PSS die PM5D-Pulte bereits für ein Rock-Festival, ein Blues-Festival und für einige Events des Filmfests von Venedig verwendet. Bobbo erzählt, dass die Konsolen am Tag ihrer Lieferung sofort ausgepackt und in die Arbeit eingespannt wurden. "Der einzige Support, den wir benötigten, war ein Telefonanruf bei Yamaha, um uns die Aux-PFL-Funktion erklären zu lassen - eine der wenigen Sachen, die wir nicht auf Anhieb verstanden hatten."

Obwohl Monitor-Tonmann Matteo Coppe zum ersten Mal mit einem digitalen Mix-System zu tun hatte, genügten ein paar Hinweise des FOH-Ingenieurs, um ihm den Umgang mit dem Pult vertraut zu machen. "Ich hätte natürlich lieber mehr Zeit dafür gehabt, die Funktionen der Konsole zu studieren", gibt Coppe zu. "Aber die Basics hatte ich sofort drauf und konnte den Job in Perugia ohne Sorgen antreten."
Für die Bühne, die mit neun Monitor-Lines und einer Stereo-Sidefill-Line bestückt war, machte Coppe vor allem von der User-Key-Funktion intensiven Gebrauch. "Ich konnte so zum Beispiel das Wiederaufrufen des EQs von Aux 1 auf die erste dieser Tasten legen – das war, als hätte ich einen externen Grafik-Equalizer zur Verfügung. Ich habe mich für die EQs entschieden, aber man kann den Tasten auch jede Menge andere Parameter zuweisen."
Wetterbedingungen, insbesondere Feuchtigkeit, haben großen Einfluss auf den Sound unter freiem Himmel. Aus diesem Grund hatte Coppe beim Soundcheck für jede Band eine Mischszene eingerichtet und gespeichert, so dass er auf Veränderungen während des Auftritts schnell reagieren und die aktualisierten Szenen sofort speichern konnte. "Die 'Cut & Paste'-Funktion ist extrem nützlich", so Coppe. "Bei Bigbands konnte ich beispielsweise eine typische Einstellung speichern, in eine neue Mischszene einkopieren und dann entsprechend zu jeder kleinen Formationsänderung angleichen."

Beppe Bottega, der auf der Piazza IV Novembre für die Front-Of-House-Mischung zuständig war, ist ein überzeugter Digital-Überläufer und hat bereits eine beachtliche Erfahrung mit Yamaha-Konsolen. "Im Teatro alla Fenice in Venedig habe ich neben einem 02R ein PM1D verwendet", erzählt er. "Ich war daher mit der 'Philosophie' vertraut und hatte mit der Software des PM5Ds keine Schwierigkeiten. Neben seinen vielen Effekten und der guten Klangqualität, die es dank der Preamps und Wandler hat, gefiel mir vor allem, dass man damit für jede Band Mischszenen abspeichern und wieder aufrufen kann. Das ist sehr von Vorteil für Veranstaltungen wie der in Perugia, wo im Lauf des Tages mehrer Gruppen auftreten. Außerdem ist die Konsole sehr benutzerfreundlich, da man die am häufigsten genutzten Parameter der EQs, Gates oder Kompressoren immer sofort parat hat."
Da er in Perugia nur wenig Zeit für Soundchecks hatte, gefiel Bottega auch die Tatsache, dass er Kompressoren und Gates ganz einfach in jeden Kanal insertieren konnte. "Wenn zum Beispiel eine Band nach einem ruhigeren Part auf einmal lauter wurde, konnte ich währenddessen die Inserts über die PM5D-Software in Echtzeit bestücken – diese Eigenschaft ist wirklich unbezahlbar! Bei der Bühne auf dem Piazza IV Novembre mit seinen Gratis-Konzerten und seiner Genre-Vielfalt steht eindeutig der Spaß im Vordergrund und weniger ein exzellenter Klang. Trotzdem hat sich Chiara Civello persönlich bei mir für den tollen Sound bedankt, und auch der FOH-Tonmann von Relax, der seinen Job wirklich beherrscht und viel in Studios arbeitet, gefiel die Arbeit mit dem PM5D sehr."
Auch beim Auftritt des Gospel-Chors zahlten sich die Eigenschaften des Pults aus. "Wir haben für die 30 Sänger 15 Mikrofone verwendet, die ich auf eine Gruppe geroutet und mit einem VCA-Kompressor komprimiert habe. Auf dem Master aber habe ich den Sound unbearbeitet gelassen – also ohne Kompression. Das heißt, wenn der Chor leise sang, hatte ich beide Signale, wohingegen bei lauterem Gesang die Kompressoren angetriggert wurden und nur noch das Master-Signal herausging. Hier handelt es sich eigentlich um einen typischen "Analog"-Trick, aber mit dem zusätzlichen Vorteil, dass die gesamte Verarbeitung onboard, das heißt ohne Kabel oder ähnliches, stattfindet. Viele Leute sagen, dass es diverse Dinge gibt, die mit einem Digitalpult gar nicht möglich sind, aber das ist falsch: Wenn man sich nur richtig in die Software reinarbeitet, kann man alles, was analog möglich ist, auch digital realisieren – und vieles mehr!"