Yamaha beim Internationalen Zirkusfestival


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Eine durch und durch digitale Soundanlage

Vom 25. bis 28. November 2005 ging zum vierten Mal das Internationale Zirkusfestival im Palais des Sports im französischen Grenoble über die Bühne. Nach drei Tagen Proben durften sich die besten Künstler einer Jury stellen. Das spannende Finale wurde auch im französischen Fernsehen übertragen, präsentiert vom berühmten TV-Moderator Jean-Pierre Foucault.

Die Einrichtung der Audioanlage im Palais war eine enorme Herausforderung für die beteiligten Firmen, doch Auvitran, Izo (Dienstleister), Nexo, Palais des Sports (Produktion/Veranstaltungsort) und Yamaha zogen an einem Strang, um das Festival auch in technischer Hinsicht zu einem großem Erfolg werden zu lassen. Maßgeblich am Gelingen beteiligt war eine der ersten, rein digitalen Anlagen auf Basis von Ethersound-Technologie im gesamten Signalpfad in Frankreich.

Das Palais des Sports in Grenoble hat eine Fläche von 2000 Quadratmetern und bietet maximal 6000 Zuschauern Platz. Für das Internationale Zirkusfestival gab es zwei Ringe mit 12 Metern Durchmesser, in denen pausenlos Künstler auftraten. Die Zuschauer wurden auf fünf Tribünen rund um die Ringe platziert. Für die musikalische Begleitung sorgte eine Band, die eigens für diese Veranstaltung komponierte Musik spielte und aus einem Dutzend Musikern (mit In-Ear-Monitoring) bestand. Einige der Künstler verwendeten Playbacks, die von der FOH-Konsole aus abgespielt wurden.

Verteilt wurde der Sound über geflogene und sorgsam zum Array geformte Nexo-GeoS-Lautsprecher an den Seiten, einen PS-15-Cluster in der Mitte, einen CD12-Sub und zwei CD18-Subs, die für zusätzlichen Druck von unten sorgten. Alle diese Lautsprecher sind von außerordentlicher Güte und großem Leistungsvermögen, aber dennoch von äußerst kompakter Bauweise. Daher war die Anlage zwar hochklassig, hielt sich aber diskret im Hintergrund. Das System-Processing übernahmen fünf Nexo-NX242TD-Controller, ausgestattet mit der NXtension-ES4. Weil nicht genug MXe mit Ethersound vorhanden waren, wurden die mittigen Cluster mit Nexo-PS-15TD-Analog-Controllern angesteuert, die über NetCira-MS-88-Ethersond-Interfaces eingebunden wurden. Von einem Ethernet-3Com-4400-Switch aus wurden Lichtwellenleiter-Kabel verteilt, eines kam von der Stagebox herein und sechs gingen heraus (zum Monitor, FOH, etc.).

Im Falle einer traditionellen Verkabelung wären Hunderte von analogen Multicore-Kabelmetern vonnöten gewesen, um alle Bereiche zu verbinden. Dies kann zu vielen praktischen Schwierigkeiten führen, z. B. weil Tiere auf den Kabeln herumtrampeln, oder weil so das Benutzen von Maschinen beim Aufbau sehr viel gefährlicher wird. Und nicht zuletzt wären womöglich Kompromisse bei der Audioverarbeitung die Folge. In diesem Licht betrachtet wird die Verwendung von Lichtwellenleitern sehr attraktiv. So werden nicht nur die oben beschriebenen Probleme elegant umgangen; auch weiteren Schwierigkeiten, die analoge Verbindungen mit ihren massenhaften, anfälligen Verbindungen und den großen zu überbrückenden Distanzen unweigerlich nach sich ziehen, werden vermieden.

Guy Chanal, Generaldirektor des Palais des Sports in Grenoble, ließ sich von Izo, einem französischen Spezialisten für Produktionen, beraten. Man fasste zusammen den Plan, sehr viel weiter zu gehen, als schlichtweg ein paar Glasfaserkabel zu benutzen. Vielmehr sollte eine 100prozentige digitale Anlage um Yamahas Industriestandard-Konsolen PM5D herum installiert werden. Izo entschied sich zu einer Kooperation mit Auvitran, Nexo und Yamaha, was am Ende dazu führte, dass vom Mikrofonvorverstärker an das Signal digitalisiert und erst am Lautsprecher-Prozessor wieder zurückgewandelt wurde - nur eine einzige ADDA-Wandlung also. "Wir hätten das noch ein bisschen weitertreiben und eine digitale Verstärkung verwenden können, aber das muss nun bis zum nächsten Mal warten", erklärte Philippe Mourdon, Front-Of-House-Engineer von Izo. "Weil die beiden PM5Ds am FOH- und Monitor-Platz digital sind, verhindern wir zusätzliche Wandlungen, die pro Richtung jeweils ein 700-µs-Delay erzeugen; das sind fast 1,5 ms bei der kompletten AD/DA-Wandlung. In dieser Konstellation vermeiden wir also zusätzliche Latenz und müssen uns keine Sorgen über Rauschen, Hissing oder Brummen machen. Und natürlich spielen auch Größe und Gewicht eine Rolle. Durch die üppige Ausstattung der PM5Ds mit Onboard-Prozessoren benötigen wir in diesem Jahr keine externen Effektracks mehr, weshalb auch unsere Regie-Räume erheblich verkleinert werden konnten!"

Der Signalfluss

Die drei Yamaha AD8HR-Preamps/AD-Wandler auf der Bühne und ein vierter für UHF-Receiver, der direkt mit dem Monitor-Pult verbunden ist, wurden über die Steuerwege verkettet. Die Audiosignale im AES/EBU-Format wurden von einer AVB32-ES-Ethernet-Bridge zu Ethersound konvertiert. Diese Signale kommen via Mini-YGDAI-Karte in die PM5D-Monitor-Konsole. Die Output-Ethersound-Signale wurden wiederum von einem AVRED-ES für die Übertragung via Lichtwellenleiter konvertiert. Die beiden Yamaha PM5Ds wurden in beiden Richtungen über Ethersound verbunden, übertragen in einem redundant gestützten Lichtwellenleiterkabel wie zum Beispiel von Fibercast (dabei wird stets die beste Leitung benutzt, die Umschaltgeschwindigkeit beträgt 80 Mikrosekunden). Mit seinem Durchmesser von 5mm ersetzt es ein 64x64-Multicore, bei einer Länge von 150 Metern und einem Gewicht von unter fünf Kilogramm. Das Lichtwellenleiterkabel verlässt die FOH-Regie durch ein Gitter in Richtung Monitor-Regie. Es führt nicht an einem der Ring-Böden vorbei, um Unfällen vorzubeugen. Schließlich gab es im Inneren der Ringe genug fallende Clowns!

Das PM5D am FOH-Platz kümmerte sich um den Mix und die Zuweisungen. Zudem hielt es vier Signalwege für Not-Mikrofone, die in letzter Sekunde dazukommen können, sowie digitale Anschlüsse für CD-Player und Minidisc-Player bereit. Die gemischten Stereo- und Mono-Outputs, vorgesehen für die verschiedenen Lautsprecher-Cluster, wurden über das gleiche Lichtwellenleiterkabel in die andere Richtung zurückgeschickt. Über das PM5D am Monitormix erreichten sie letztendlich die Bühne, wo sie die Nexo-Prozessoren und Verstärker speisten. Die Monitor-Konsole schickte ihre Mixe zu einem In-Ear-Monitoring-System, es waren also keine Wedges auf der Bühne zu sehen.

An beiden Enden der 64-kanaligen bidirektionalen Verbindung stand jeweils ein AVRED-ES. Diese Bidirektionalität war von essentieller Bedeutung: Das FOH-PM5D empfing die Bühnenmikrofon-Signale sowie die UHF-Mikrofon-Signale vom Monitor-PM5D und schickte die verschiedenen Premix-Monitor- und CD-Player-Signale dorthin zurück. Die FOH-Konsole steuerte außerdem die Verstärker und die AD8HR-Preamps via Ethersound-Netzwerk - und das alles über die gleichen dualen Lichtwellenleiter. Die Return-Kanäle bestehen also nicht einfach nur aus links, rechts und mono, sondern auch aus Premixen für das Monitoring, Playback-Signalquellen und den Steuerdaten für die Prozessoren, Verstärker und Preamps.

Der Support für die Benutzung des Ethersound-Protokolls kam von der in Grenoble ansässigen Firma Auvitran. Sie lieferte die AVB32-ES-Bridges für die Wandlung der 16 digitalen AES/EBU-Stereo-Inputs nach Ethersound und die AVRED-ES-Geräte, die für die Wandlung auf Lichtwellenleiter sowie für das System-Monitoring und die Systemverwaltung zuständig waren. Außerdem wurden Yamahas Mini-YGDAI-AVY16ES-Karten verwendet, um die Ethersound-Signale zu den AVB32-ES-Bridges und den PM5D-Konsolen sowie zurück zu befördern. Um die Anlage zu verwalten, wurde ein mit einem WiFi-Router ausgestatteter Computer bei der FOH-Konsole installiert, sodass die schnurlosen MXe vom FOH-Platz und von überall anders aus gesteuert werden konnten.

Stéphane Brocard, Commercial Manager für Südost-Frankreich: "Wir wollen in Zukunft verstärkt auf solche Partnerschaften wie diese zwischen Auvitran, Nexo und Yamaha bauen. Dienstleister müssen vor allem den Aufwand für eine Veranstaltung und die Anzahl der beteiligten Personen optimieren. Solch ein in sich geschlossenes Digitalsystem reduziert nicht nur das zu transportierende Gewicht, sondern auch den dafür benötigten Platz. Das macht es zu einem Trumpf im Ärmel eines jeden Dienstleiters, der weiß, wie man eine solche Anlage einrichtet und verwendet."

Über IZO

Die Dienstleistungsfirma wird von Pascal Lacroix geleitet und hat zwei Standorte, einen in Grenoble und einen in Besançon. Izo beschäftigt neun feste Mitarbeiter und verfügt über einen Equipment-Park auf 2x1000 Quadratmetern, der vor allem für Liveshows, Veranstaltungen und Vermietungen verwendet wird.

www.izo.fr

Über AUVITRAN

AuviTran (Audio/Video Transcoding) wurde im März 2003 in Grenoble von vier ehemaligen Mitarbeitern der Firma Digigram gegründet. In der neuen Firma wurde die Entwicklung von Systemlösungen vorangetrieben, die auf dem bidirektionalen Ethersound-Audioprotokoll basieren. Inzwischen bieten AuviTran eine Reihe solcher Produkte an, von denen die meisten beim Zirkusfestival eingesetzt wurden.

www.auvitran.com