Die Berliner Philharmoniker beim Aix-en-Provence-Festival


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Am Ruder: Die Firma Texen, ein Yamaha PM5000 und ein Yamaha M7CL

Texen ist ein vergleichsweise kleines Unternehmen, das im Süden von Frankreich Licht- und Soundequipment verleiht beziehungsweise installiert. Die Firma hat mehr als 20 feste Mitarbeiter und zwei Filialen - eine in Aix-en-Provence (für die Regionen Provence/Alpes/Cote d’Azur) und eine in Montpellier (für die Regionen Languedoc/ Roussillion/Französische Pyrenäen).
Texen arbeitet viel mit Bühnenbauern und Setdesignern zusammen, wobei die geografische Nähe immer eine große Rolle gespielt hat: Und dass zu diesem Einzugsbereich des Unternehmens eines der drei größten Theaterfestivals des französischen Südens (Avignon, Aix und Marseille) gehört, hatte gewichtige Folgen.

So sicherte sich die Firma in diesem Sommer einen Auftrag, den nur wenige in Frankreich hätten leisten können: die Beschallung eines Open-Air-Konzerts der Berliner Philharmoniker vor 12.000 Leuten am Fuße des Sainte-Victoires, jenem Berg, den schon der berühmte Bildende Künstler Paul Cézanne so liebte. Nicht viele Dienstleistungsunternehmen in Frankreich, egal, welcher Größe, wären in der Lage gewesen, eine derart anspruchsvolle Aufgabe ebenfalls zu meistern.
Im Zentrum dieser Operation: ein Yamaha PM5000 und ein Yamaha M7CL...

Ein Schauplatz wie bei den Pharaonen

Texen ist seit langem Partner des Aix-en-Provence-Festivals. 2006 wurde Philharmoniker-Dirigent Sir Simon Rattle für eine erste Produktion von den Machern der Veranstaltung eingeladen. Seitdem entwickelte sich das Projekt das Schritt für Schritt weiter und zollte so dem scheidenden künstlerischen Direktor des Aix-Festivals, Stephane Lissner, Tribut, der seitdem Intendant der berühmten Mailänder Scala ist. Sir Rattle und seine Berliner Philharmoniker beenden die Zusammenarbeit mit dem Festival im Rahmen eines großen Werkes von epischen Ausmaßen: Mahlers 5. Sinfonie, umsonst und draußen im Hinterland von Aix, gespielt am 5. Juli bei Einbruch der Dunkelheit. France 3 hat das Konzert damals aufgenommen und ein paar Tage später gesendet. Wer weiß, vielleicht gibt es die die Aufnahme bald auf DVD!

Der Schauplatz war großartig. Es wurde eine Bühne von 28x20 Metern für die 120 Musiker des Orchesters gelegt und 9000 Quadratmeter Rasenbahnen für die Zuschauer ausgerollt. Die Firma Texen kümmerte sich für mehr als 12.000 Leute um die Beleuchtung, die Soundanlage und den Strom. Einen Auftrag von so großem Umfang hatte das Dienstleistungsunternehmen zuvor noch nie gehabt: "Wir haben unseren gesamtem Lagerbestand gebraucht - sowie weiteres Material", erklärt François Mondié von Texen. Wir mussten drei Mal mit dem LKW (50 Kubikmeter Ladekapazität) hin und her fahren und brauchten elf Tage für die Vorbereitung. Zum Glück gab es mildes Wetter, sodass es zu keinen Verzögerungen kam. Der Schauplatz war imposant. Von weitem sah er aus, als würde er mitten im alten Ägypten stehen. Wir kamen mit fünf Generatoren, 1250 A pro Stromkabel. Es gab 120 KW für das Licht, 100 KW für das Soundsystem, 500m symmetrische Line-Kabel sowie 1000m unsymmetrische Audio-Line-Kabel. Wir dachten darüber nach, Ethersound zu benutzen, aber das wäre zu viel Neuland auf einmal gewesen. Am Ende haben wir uns für neue symmetrische Line-Kabel entschieden. Wir verwendeten 4x32 Paare, um die Signale zum Mischpult zu schicken sowie 3x8 Paare, um die Signale zu den Endstufen weiterzuschicken. Die Regie befand sich genau gegenüber der Bühnenvorderseite in 70 Metern Entfernung. Der Schauplatz verfügte auf einer Länge von 115 Metern über natürliche Stufen mit einer 120-Meter-Öffnung an der Unterseite. Er sah aus wie ein gigantisches Stück Camembert!"

Eine Vorstellung wie keine zweite…

Zur Sound-Anlage gehörte ein großes Linearray-System der Marke Atelier 33 (ein französischer Hersteller hochwertiger Lautsprecher) mit 15 Boxen pro Seite - geliefert von Texen und gespeist von "Lab Gruppen"-Endstufen mit hoher Ausgangsleistung. Texen hatte sich für diese Geräte entschieden, was anfangs gar nicht so klar war. "Die Berliner waren wie Texen zum ersten Mal hier und hatten eine sehr feste Vorstellung von dem, was sie wollten - und wo sie es wollten. Sie kamen zu viert mit unter anderem einem Toningenieur und einem Inspizienten. Sie machten den Mix - wir nur den Empfang. Die Spannungen waren spürbar, als sie ankamen. Atelier 33 war ihnen nicht bekannt. Doch die Lab-Gruppen-Amps und die Yamaha-Geräte könnten Sie zumindest etwas beschwichtigen."

Um die 95 Mikrofone auf der Bühne zu verwalten, verwendete Texen zwei Mischpulte in einer "Hybrid"-Konfiguration. Ein M7CL-48 für den Streicher-Submix (das auch die Outputs verwaltete) und ein PM5000 mit 52 Kanälen. "Yamaha Audio France half uns, die Mischpulte bis hin zur vollen Ausbaustufe aufzurüsten. Wir merkten, dass wir durch die Kanalzahl eingeschränkt waren. Und wir wussten nicht mehr wohin mit dem HF-Mikrofon für die Vorabend-Moderation. Um den Hall eines Konzertsaales zu imitieren, schlossen wir ein t.c. M5000 an das Tonmischpult an. Es ging hier nicht darum, fantastische Lautstärkepegel zu erreichen, sondern das Orchester sollte auf natürliche Weise verstärkt werden, ohne um jeden Preis auf Lautstärke zu setzen. Bei -30 dB Summenpegel waren die Stufen perfekt beschallt…"

"Während des Ablaufs war ich durchgehend der leitende Inspizient. Ich behielt jeden Tag die Ereignisse im Blick, und auch solche Dinge, die sich nicht jedem sofort offenbaren würden. Andere Festivals liefen derweil parallel weiter. Wir hatten natürlich auch deren Anforderungen zu erfüllen und mussten beaufsichtigen, was gegen Ende der jeweiligen Veranstaltung geschieht. Texen legt großen Wert darauf, regional zu agieren und so nah wie möglich am Kunden zu bleiben. Wirtschaftliche Aspekte mal beiseite gelassen, ist es sehr wichtig für den Kunden, dass dieser bei seinen Tätigkeiten auf flexible Teams und gutes Equipment zurückgreifen kann, und nicht wegen eines zu kleinen Budgets im Stich gelassen wird. Dies ist es, was das Aix-Festival an uns schätzt - ebenso wie die Philharmoniker, für die man auch ein größeres internationales Dienstleistungsunternehmen hätte beauftragen können. Wir waren vor Ort. Und wir hatten alle Mittel am Start, um das hier umzusetzen."

Lächeln

Und wie lief die Ankunft des Technik-Teams der Berliner Philharmoniker, das bekannt für seine hohen Ansprüche ist, nun ab?

"Wir begrüßten die Berliner freundlich als Partner, die ihren Job gemacht haben. Ich sah den Berliner Toningenieur, Holger Schwank, wie er die Nacht vor dem Konzert ankam. Er hörte sich ein bisschen gestresst am Mischpult die Referenz-CD an, machte eine Tour über den Platz und wertschätzte dann alle unsere Vorbereitungen mit einem Lächeln. Wir hatten durchaus damit gerechnet, alle möglichen Einstellungen am Abend und in der Nacht nochmals durchführen zu müssen, doch das war gar nicht nötig - wir konnten abends alle nach Hause. In der Konzertnacht lief alles prima. Am Ende gab es sogar Anrufe bei Atelier 33 von den Service-Technikern der Berliner. Diese Leute wollten unbedingt erfahren, um was für ein Lautsprechersystem es sich handelt, von dem ihre Toningenieure neuerdings so schwärmen...