Als Sony Ericsson vor kurzem seine aktuellste "Walkman"-Reihe auf den Markt brachte, wollte die Firma absolut sicher gehen, dass die Einführung der Handys höchste Beachtung findet. Dabei ist das Wort "höchste" hier durchaus auch wörtlich zu nehmen - ging es doch um einen rekordverdächtigen Live-Gig der britischen Jazzfunker Jamiroquai in einem gecharterten Verkehrsflugzeug und mehr als 10.000 Meter Höhe!
Der 30-minütige Auftritt fand vor geladenen Gästen sowie Gewinnern eines Preisausschreibens statt, die alle in einer Boing 757 auf dem Weg von München nach Athen Platz fanden. Zurück auf festem Boden sollten Jamiroquai dann einen Gig in voller Länge spielen. Alles war bereit für ein wahrlich rekordverdächtiges, aber auch nervenaufreibendes Erlebnis - zumindest für die Audiofirma Britannia Row, die als Zulieferer des Audioequipments einen beherzten Satz ins Ungewisse unternahm.
Das Platz-Angebot war minimal, da sich beim Auftritt schon eine sechsköpfige Band in das enge Flugzeug quetschen musste. Die Auswahl des richtigen Mischpultes war also sehr delikat. Es sollte nicht nur über gute technische Hilfen verfügen, sondern auch in der Lage sein, gleichzeitig Schlagzeug, Perkussion, Bass, Keyboards, Gitarre, drei Mal Background-Vocals und natürlich Jay Kays Lead-Vocals aufzunehmen. Dabei durfte es sowenig Platz wie möglich einnehmen.
Ein Fall für das Yamaha LS9.
"Wir brauchten also ein Pult, das auf einen Flugzeug-Sitz passt, aber dennoch in der Lage ist, den gesamten Live-Mix zu bewerkstelligen - plus Jay Kays Wedge-Monitore sowie die In-Ear-Monitor-Mixe für den Rest der Band und die Backgound-Vokalisten. Außerdem sollte das Spektakel digital aufgenommen werden", so Mike Lowe von Brit Row. "Wegen des geringen Platzangebotes war die Verwendung von zusätzlicher externer Peripherie ausgeschlossen, also musste die Konsole über gute interne Effekte und Dynamik-Prozessoren verfügen."
Mike Lowe fährt fort; "Mit voll belegten Steckplätzen an der Konsole ist das LS9 das ideale Werkzeug für diese Aufgabe. Es gibt womöglich andere Pulte die wir hätten benutzen können, aber ich kenne diese nicht, und selbst wenn dies der Fall wäre - ich hätte Schwierigkeiten, die Zuverlässigkeit von Yamaha-Geräten zu ignorieren. Für Backup-Geräte hatten wir keinen Platz - also ging es vor allem um Betriebssicherheit."
Der Strom für das gesamte Equipment der Vorstellung stammte aus Trockenbatterien auf einer speziell angefertigten Palette, die mit so genannten "Aeroquip"-Streifen verankert wurde. Diese Leisten dienen sonst dem Fixieren der Bestuhlung. Mike, sein Kollege bei Brit Row, Dave Poynter, und Jamiroquais regelmäßiger FOH-Toningenieur Rick Pop offenbarten, sehr zufrieden mit der Ausstattung gewesen zu sein. Das LS9 und seine internen Effekte hätten dafür gesorgt, dass unter solch schwierigen Umständen alles herausgeholt werden konnte.
"Das war alles schon sehr eng, aber mit dem LS9 hatten wir niemals das Gefühl, in technischer Hinsicht irgendwie eingeschränkt gewesen zu sein - weder beim FOH- noch beim Monitor- oder Recording-Mix", so Mike.
Allein schon die Kosten sorgten dafür, dass es nur eine einzige Chance gab, das Konzert zu geben. Alles musste also perfekt stehen, bevor die 757 startete. Das LS9 erlaubte Rick Pope, die Mixe im Vorfeld zu programmieren und die Einstellungen während der technischen Probe nachzujustieren, die bereits im Flugzeug stattfand, jedoch, während sich dieses in einem Hangar am Flughafen Stansted Airport unweit von London befand.
Erst einmal in der Luft, lieferte das Pult eine perfekte Vorstellung ab. "Ich war sehr beeindruckt, wie tot das Flugzeug in akustischer Hinsicht war, so Mike Lowe. Wir kamen zu dem Entschluss, noch mehr Lautsprecher installieren zu müssen. Das LS9 funktionierte perfekt - und mit den zusätzlichen Boxen klang der Mix wirklich gut."
Nach der Landung des Flugzeuges hatte man wohl eine Reihe von Weltrekorden eingetütet. Es folgten ein vollständiges Konzert und eine anschließende Party in einem eigens hergerichteten Terminal des Flughafens. Aber trotz des Erfolgs des LS9 in dieser eher ungewöhnlichen Umgebung zog es Rick Pope und Jamiroquais Monitor-Mann Jon Lewis beim zweiten Gig zu einem Pult, das die beiden von ihrer herkömmlichen Livearbeit gewohnt sind - einem Yamaha PM5D.
