Man übertreibt keineswegs, wenn man behauptet, dass ein Audiogerät, welches das weltberühmte Fringe-Kulturfestival in der wunderschönen schottischen Hauptstadt Edinburg überlebt, so ziemlich alles überleben kann.
20 Stunden am Tag Betrieb - und das einen ganzen Monat lang - das sind wohl für alle Geräte harte Bedingungen. Bei Mischpulten kommt erschwerend hinzu, dass zwischen den Vorstellungen, die sich oftmals stark voneinander unterschieden haben, für technische Änderungen nur extrem wenig Zeit zur Verfügung stand.
Kein Wunder also, dass allein in fünf Etablissements Yamahas Digital-Konsolen eine zentrale Rolle spielten. Betrieben wurden diese von der Firma Assembly, die zu den wichtigsten Veranstaltern des Fringe gehört.
"Man weiß ehrlich gesagt nie, was an einem Veranstaltungsort wirklich passiert", weiß Chris Ekers, Audiochef von Assembly, zu berichten. "Einige Ensembles haben ihren eigenen Toningenieur, andere greifen auf unsere Leute zurück, und alle Vorstellungen haben andere technische Anforderungen. Folglich muss eine hier verwendete Konsole sehr zuverlässig und flexibel sein. Digitaltechnik hat unsere Arbeit schon um einiges einfacher gemacht. Die Einrichtung von Digitalpulten während der Vorproduktion dauert ein bisschen, aber wenn Sie erst einmal geschehen ist, weißt Du, dass sie dir später den Rücken stärkt."
Die Assembly Hall ist sozusagen das Flaggschiff unter den Veranstaltungsorten von Assembly, ein Saal mit 750 Sitzplätzen, der auch schon das schottische Parlament beherbergte, während das eigentlich dafür vorgesehene Holyrood-Gebäude noch fertig gestellt wurde. In diesem Jahr fanden hier Assemblys hochkarätigste Produktionen statt, zu denen eine Pressekonferenz, der Grammy-Gewinner Soweto Gospel Choir, das kraftvolle Stück "Truth In Translation" und die Tanz-Spektakel "Havana Rumba" und "Maximum Crew" gehören.
In der Assembly Hall steht ein PM5D, das von den Assembly-Toningenieuren Martyn Ward und Danny Higgott abwechselnd betreut wird, damit immer jemand anwesend ist, um entweder einem Gast-FOH-Toningenieur zu helfen oder um die Vorstellung selbst zu mischen.
Bei allen Veranstaltungsorten von Assembly werden FOH und Bühnenmonitoring von einer Konsole aus gemischt. "Wir versuchen, den Aufwand soweit wie möglich zu reduzieren, indem wir unter anderem die Anzahl der Monitor-Mixe limitieren. Und wir müssen dabei ganz schön hartnäckig sein, weil es so viele Vorstellungen gibt. Wenn auch nur ein Ensemble anfängt, Extras für sich in Anspruch zu nehmen oder zusätzliche technische Einrichtungen verlangt, steigen ganz schnell die Kosten", so Chris.
"Also arbeiten wir nach der Methode, dass jeder Veranstaltungsort über eine sehr ordentliche Standard-Einrichtung verfügt. Wenn ein Ensemble darüber hinaus Leistungen benötigt, muss dies dafür zahlen. Das ist für viele Grund genug, sich mit dem, was da ist, zu begnügen!"
Wegen der knappen Zeit zwischen den Vorstellungen, die grundverschieden sein können, wird die Arbeit der Techniker durch die Total-Recall-Fähigkeit der Digitalkonsolen extrem erleichtert. Oder besser gesagt: Ohne Digitaltechnik würde es an einigen Orten gar nicht mehr funktionieren.
"Jedes Ensemble kann vier Stunden proben, bevor das Festival beginnt", fährt Chris fort. "Während dieser Zeit richten wir die Konsole ein und speichern die Einstellungen. Wenn die Vorstellungen dann laufen, ist es während der Pausen ein Klacks, alle Einstellungen für das nächste Stück aufzurufen. Bei nur einer halben Stunde Zeit, um von einer Vorstellung mit 25 Inputs zur nächsten zu wechseln, wäre man mit einer Analog-Konsole, bei der alles manuell verpatcht werden muss, ziemlich aufgeschmissen."
Ein weiterer großer Vorteil seien bei den vielen Vorstellungen mit zahlreichen Mikrofonen die internen Effekte der Yamaha-Konsolen (vor allem in der Assembly Hall).
Chris: "In diesem Jahr zum Beispiel hatte der Soweto Gospel Choir 28 Mikros. Letztes Jahr spielten Jim Henson’s Puppet Improv, wo ebenfalls massenweise Mikrofone verwendet wurden. Interne Kompressoren und Gates zu haben, ist äußerst wichtig und spart zudem eine Menge Platz. Die Ausmaße des FOH-Bereiches sind immer eine kritische Komponente, und Racks mit externen Geräten würden zu viel Platz einnehmen. Ausschlaggebend ist eben, dass die Yamaha-Digitalkonsole alles gleich mit an Bord hat."
Eine weitere Location Assemblys mit einem PM5D ist The Sanctuary in St George’s West. Es handelt sich um eine Kirche, wo sonst normale Gottesdienste stattfinden. Hier sind die Vorstellungen sogar noch unterschiedlicher als in der Assembly Hall. Sie reichen von der japanischen Trommelgruppe Aska mit ihrem Stück "Lion Spirit" über Yellow Hands (eine ungewöhnliche Mixtur aus Video-Playback und Liveauftritt mit bizarren Instrumenten) und Bigger Than Jesus (ein auf religiöser Thematik basierender Hitech-Monolog) bis hin zu Welcome Back To The Hotel California, einer holländische Coverband, die Songs der Eagles spielt.
Hier, wo in nur 24 Stunden zahlreiche verschiedene Vorstellungen mit immer anderen Input-Kombinationen laufen, kommen die Vorteile, die man durch das PM5D genießt, voll zur Geltung. "Wir haben alle Vorstellungen eingerichtet und können diese auch aufrufen, aber es wurden nicht etwa für jede Show bestimmte Szenen angelegt", so Pam Hay, FOH-Engineer für Assembly, die sich die Schichten mit Matt Coplan teilt und hinzufügt: "Hier herrscht noch richtiger Rock'n'Roll. Wir mischen alles in Echtzeit!"
Ein kleinerer Assembly-Saal ist der Ballroom, in dem ein Yamaha M7CL steht. Hier stellen sich die FOH-Leute Holly Newcombe und Liam McGrath ganz unterschiedlichen Herausforderungen, zu denen eine gewölbte Decke und eine Band mit ständig wechselnder Besetzung gehören. Es gab nicht viel, was die Decke vielleicht hätte besänftigen könnte, aber für eine Lösung des zweiten Problems trat das M7CL an.
“The band line up for the cabaret Belly of a Drunken Piano has kept changing,” muses Holly. “Every time a band member changes we’ve had to alter the settings to take account of their playing style. But with the M7CL, we’ve been able to save all the previous mixes, so if a band member returned it would be a quick job to revert to their mix.”
"Die Band-Besetzung für das Kabarett 'Belly Of A Drunken Piano' hat sich permanent geändert", sinniert Holly. "Jedes Mal, wenn ein Bandmitglied gewechselt hat, mussten wir die Einstellungen an den neuen Stil des Musikers anpassen. Aber mit dem M7CL waren wir in der Lage, alle vorangegangenen Mixe zu speichern. Wenn also ein Bandmitglied wieder auftauchte, ging es ganz schnell, seine Einstellungen wieder herzustellen."
Das Stück "Exit And Entrances" profitierte von den Szenenspeichern des M7CLs und nutzte eine Menge Soundeffekte, von denen jeder andere Einstellungen hatte. Die sechsköpfige A-cappella-Gruppe The Magnets verwendete Show Control über Midi, um Szenenwechsel und dazugehörige Effekte aus einem D2 von TC Electronic zu triggern.
"Ein großer Vorteil der kleineren Yamaha-Konsolen ist, dass man ihre Bedienung Leuten schnell beibringen kann", so Chris Ekers. "Das Fringe-Festival ist ein feiner Übungsplatz für Künstler, die noch keine große Bühnenerfahrung mitbringen, aber es bedeutet für uns auch einen Monat harte Arbeit. Wenn eine Konsole so gebaut wurde, dass sie ein unerfahrener Tonmann schnell erlernen kann, ist das ein großes Plus für uns."
Ein Beispiel hierfür findet sich in der Assembly Rainy Hall. Obwohl es sich hier eigentlich um eine Bar handelt, zweckentfremdete man diese, um kulturelle Empfänge für verschiedenste Länder abzuhalten. Ein Yamaha LS9 und eine kleine PA wurden für Hintergrundmusik, diverse Reden und eine Comedy-Vorstellung mit Jason Byrne im Radiostil installiert.
Bedient wurde die Konsole von Hugh McKenna, der eigentlich noch keine Erfahrung am LS9 hatte, aber bestätigten konnte, das Pult innerhalb eines Tages locker erlernt zu haben. Zugegeben ein kleiner Start für Hugh, aber mit großer Wahrscheinlichkeit wird er im nächsten Jahr aufsteigen, an einem größeren Veranstaltungsort mischen und seine FOH-Fähigkeiten weiter ausarbeiten können. Hugh ist ein typisches Beispiel dafür, dass das Fringe-Festival eine höchst wertvolle Ausbildungsstätte ist, deren Lehrlinge sich Jahr für Jahr unübersehbar weiterentwickeln.
Ein zweites LS9 stand in Assemblys Supper Room, wo Craig Gaskin und Robin Tearle die Konsole bedienten. Hier bestand die Herausforderung darin, dass die Vorstellungen ein wenig zu groß für den Raum waren. Und als jemand, der bislang eher mit Analog-Konsolen gearbeitet hat, musste Craig selber noch ein bisschen dazulernen.
"Die meisten der Vorstellungen hier verwenden viele Playbacks von CD- und MP3-Playern", so Craig. Daher erweisen sich Recalls für jedes Stück als sehr praktisch. Ich mag außerdem die frei programmierbaren Tasten beim LS9 sehr gern."
Als am Ende des traditionsreichen Monats, in dem so mancher noch so abwegige Raum in einen Ort des Geschehens verwandelt wurde, das berühmte Fringe-Festival vorbei war, hatten auch die Yamaha-Digitalkonsolen eine entscheidende Rolle gespielt. So lieferten diese nicht nur einen hervorragenden Sound, sondern sie waren auch extrem einfach zu bedienen und eigneten sich gleichermaßen für alle möglichen verschiedenen Vorstellungen. Insgesamt hatten sie einen großen Anteil am reibungslosen Ablauf in den Assembly-Etablissements. Und weil sich die Yamaha-Pulte nahtlos in das Fringe-Grundprinzip "Vielfalt" einfügen ließen, wird digitale Audiotechnik in Zukunft noch wichtiger für die Veranstaltungsorte werden, ist doch Abwechslung auch im echten Leben das Salz in der Suppe.