In Frankreich sind Live-Konzerthallen für aktuelle Musik stark im Kommen. Viele große und mittelgroße Städte verfügen mittlerweile über Sääle mit Kapazitäten für viele hundert Leute, die von heimischen und internationalen Künstlern gleichermaßen genutzt werden, wenn diese auf Frankreich-Tournee gehen. In Nancy ist man sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Die Stadt verfügt mit dem Autre Canal über einen großen Komplex mit modernsten Bild- und Tonanlagen. Im Herzen der Installation arbeiten drei PM5D-Konsolen, sechs AD8HR-Vorverstärkermodule sowie ein EtherSound-System von Auvitran. Sogar ein Aufnahmestudio mit einem Yamaha DM2000 ist vorhanden.
Autre Canal ist ein Komplex für zeitgemäße Musik-Konzerte im ostfranzösischen Nancy. Das eigens für diesen Zweck angefertigte Gebäude verfügt über insgesamt 2500 Quadratmeter mit diversen Einrichtungen. So gibt es einen großen Konzertsaal mit 1200 Plätzen, einen kleineren mit 300 Plätzen und eine Musik-Bar (oftmals mit DJ) mit einer Freifläche, die bis zu 400 Besuchern Platz bietet. Außerdem gehören eine Multimedia-Dokumentations-Einrichtung, vier Proberäume, ein Tonstudio, ein Studio zum Erstellen von DVDs, diverse Büros und sogar eine Test-Einrichtung für das Gehör dazu. Die Räumlichkeiten können zu moderaten Stunden-Preisen gemietet werden. Auf den Punkt gebracht handelt es sich hier also um eine Stätte, die sich mit voller Kraft der Muse widmet.

Diese so genannte "Öffentliche Einrichtung für kulturelle Zusammenarbeit" wird vom Staat, dem örtlichen Landesamt und von der Stadt selbst finanziert und geführt. Nach der Eröffnung am 16. März 2007 arbeiten inzwischen über 20 Personen für das Haus. Ziel der Stätte soll es sein, Schritt zu halten mit der kulturellen Entwicklung, sowie ein besseres Allgemeinverständnis für zeitgemäße Musik herzustellen. Und mit Auftritten von u.a. IAM, Public Enemy, Tété, Keren Ann, Matmatah, Israel Vibration, Olivia Ruiz, Marcus Miller, Amon Tobin oder Joey Starr gaben sich hier seit der Eröffnung schon zahlreiche Stars die Klinke in die Hand. Im Schnitt finden etwa zwei bis drei Konzerte pro Woche statt.
Die Firma Système Son aus der ostfranzösischen Vogesen-Metropole Épinal nahe der deutschen Grenze war im Autre Canal für die Installation von Beschallungs- und Lichttechnik verantwortlich. "Unsere Kunden hier in Lothringen stammen für gewöhnlich aus großen Firmen oder von Institutionen wie zum Beispiel EDF (französischer Stromriese) oder Saint-Gobain (Industriekonzern, Bau- und Dämmstoffe, Glas etc.), bzw. deren Abteilungen, die Veranstaltungen ausrichten", erklärt Patrick Aubert, Direktor von Système Son, der fortfährt: "Unsere Unternehmung hat zwei verschiedene Geschäftsausrichtungen und ist daher in zwei Abteilungen aufgeteilt: Die eine kümmert sich um Veranstaltungen, also z.B. um Theater, Konzerte oder Festivals wie das Nancy-Jazz-Pulsation, die andere um Equipment. Letztere arbeitet mit Bühnenbildnern, Architekten und Mittelsleuten von Institutionen zusammen. Système Son ist seit 22 Jahren landesweit im Licht- und Ton-Geschäft tätig. Außerdem darf die Firma in Frankreich exklusiv d&b-Audiotechnik und ADB-Lichttechnik vertreiben. Überdies umfassen die Aktivitäten den Verkauf und die Vermietung von Equipment. Im Autre Canal ging es vor allem um die Installation der Licht- und Tontechnik.
"Wir fanden das Autre-Canal-Projekt toll und waren noch begeisterter, als explizit die Benutzung von Yamaha PM5Ds verlangt wurde", so Aubert. Insgesamt installierten wir drei Stück - zwei in der großen Halle für FOH und Monitor - sowie eines in der kleinen Halle, das beide Aufgaben übernimmt. Wir halten diese Entscheidung für ausgesprochen richtig. Die Location wurde für tourende Künstler geschaffen. Von daher stand exotisches Equipment hier gar nicht zur Debatte. Derzeit ist das PM5D das Pult auf dem Markt, welches am meisten das Attribut "analog bedienbar" erfüllt. Wir verwenden es oft - und schicken auch unsere eigenen Toningenieure, um zum Beispiel einem Gast-Tonmann zu helfen, das Pult zu verstehen, wenn der es das erste Mal benutzt. Damit klappt eigentlich alles immer bestens!"

Autre Canal ließ es sich nicht nehmen, unter Zuhilfenahme von Auvitran-Produkten ein Ethersound-Glasfaser-Audionetzwerk zu installieren. Die FOH-Konsole in der großen Halle verfügt zu diesem Zweck über vier AVY16-ES-Karten, die Monitor-Konsole über drei. Die sechs AD8HRs (mit jeweils acht Mic-Preamps/AD-Wandlern) fungieren als Stagebox und befinden sich direkt unter der Bühne. Das Ethersound-Kit besteht aus einer AVB32ES und einer AVB16IN/16OUT. Alle Signale können quer durch alle Räumlichkeiten geschickt werden, seien es die Konzertsäle, die Proberäume, die DJ-Bar oder das Aufnahmestudio im oberen Stockwerk, das mit einer DM2000-Konsole ausgestattet wurde.
"Die AD8HRs sind von besserer Qualität als die normalen Preamps des PM5Ds", erklärt Didier Billon, Technischer Manager von Autre Canal. "Dass Parameter und Gains abgespeichert werden können, ist sehr wichtig für uns. Beim Speichern der Konsole muss nichts notiert, und die Einstellungen der AD8HRs können präzise wiederhergestellt werden. Wir profitieren auch von einen Ethersound-Netzwerk auf Glasfaser-Basis mit Auvitran-Interfaces. Das System zieht sich durchs ganze Gebäude. Wir sparen dadurch viele Multicore-Kabel ein, obgleich wir uns ein analoges Backup gewünscht haben. Die ersten 24 Strecken in jedem Saal werden gesplittet und auf Multicores geschickt, die oben einen Knotenpunkt erreichen, von dem aus alles, was wir wollen, wiederhergestellt werden kann. Für die Ethersound-Verwaltung musste zudem ein Netzwerk aus Patchkabeln installiert werden."
Ausgangsseitig verlassen die Signale die Konsole über normale Analog-Verpatchungen und gelangen zu den Verstärkern für FOH und Monitor. Die FOH-Anlage besteht aus 6 d&b-Qi1-Lautsprechern, 12 d&b-QiSUB-Bässen, 2 d&b-Qi10-Front-Of-House-Fills und 9 DSP-gestützten d&b-D12-Verstärkern. Auf der Monitor-Seite befinden sich 8 d&b MAX15, d&b-Q7-Sides, eine d&b D12-DSP-Endstufe und 4 Crown CTS2000-Amps. Ziel war es, eine möglichst ausgewogene Beschallung im gesamten Veranstaltungsbereich zu erreichen. Und da das Ausgangssignal der Anlage tatsächlich neutral und ausgewogen ist, kann auf Nachjustierungen je nach Musikstil verzichtet werden.
Die kleine Halle kommt mit einem PM5D für FOH und Bühnenmonitoring aus. Auch werden keine externen Mikrofon-Vorverstärker verwendet. Dieser Kompromiss musste wegen der geringeren Größe eingegangen werden. Die d&b-PA besteht aus 2 Qi10 und 4 QiSUB-Bässen, die von 2 DSP-gestützten D12-Endstufen aus mit Leistung versorgt werden.
Beim Autre Canal hat der Betrieb zwar erst begonnen, aber bislang gab es noch keine großen technischen Probleme. Endgütig perfektionieren könnte man das System, wenn man die Verstärker noch digital verbindet, um eine zusätzliche A/D/A-Wandlung zu vermeiden. Mal schauen, was die Zukunft noch mit sich führt.