Yamaha setzt auf den "X Factor" - und der "X Factor" setzt auf Yamaha


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Talentwettbewerbe, egal welcher Ausprägung, sind derzeit auf der ganzen Welt von allen Fernsehformaten das erfolgreichste. Und eine der hochkarätigsten Sendungen, die britische Castingshow "X Factor" ("Das gewisse Etwas") - begab sich auf eine Live-Tournee durch Großbritannien. Zum ersten Mal mit dabei waren zwei Yamaha-Digitalkonsolen, eine für den FOH- und eine für den Monitor-Mix

Die Aufmachung der Show kann relativ einfach erklärt werden. Zehn Bands oder Solisten aus der Fernsehserie (die von Oktober bis Dezember vergangenen Jahres (2007) ausgestrahlt wurde) traten in schneller Folge nacheinander auf und ermöglichten Zuschauern vor Ort, sie einmal live auf der Bühne sehen und hören zu können. Begleitet wurden die Vortragenden von einer vierköpfigen Band.

Ob Wohlklänge der Girlband Hope und der Boyband Futureproof, eingängiger Pop von Alisha Bennett und Same Difference, opernhaftes von Rhydian Roberts, divenhafte Laute von Niki Evans und Beverley Trotman oder gar Schnulzen von Andy Williams und dem Serien-Gewinner Leon Jackson - die Bandbreite der sich hier versammelnden verschiedenen musikalischen Stilrichtungen war enorm!

Daher musste auch die FOH-Konsole extrem flexibel sein. Immerhin bestand die Liveband, die für jede Vorstellung das Musikbett liefert, aus Gitarre, Bass, Keyboards und Schlagzeug. Zudem sollte das Pult alle Video-Speisungen und vorbereiteten Einspielungen von Festplatte, also Intros, Orchester-Parts, Bläser und Hintergrund-Chöre, unter einen Hut bekommen.

Aus genau diesem Grund befand sich auf der Tournee am FOH-Platz auch ein großes Yamaha PM5DRH inklusive der neuen DSP5D-Rack-Erweiterung. Und selbst der Monitorplatz war mit genau dieser Gerätekombination ausgestattet worden. Bereitgestellt wurde die Technik von der Verleihfirma Wigwam Hire.

Beide Tonleute, FOH-Mann Nigel Fogg und Monitor-Ingenieur James Baker, sind erfahrende PM5D-User. Nigel war bereits zum dritten Mal auf "X Factor"-Tour, mixte aber die vorherigen Tourneen auf einer Analog-Konsole. James hingegen war zum ersten Mal dabei.

"Wegen der vielen Künstler und der schnellen Wechsel war unsere Arbeit dort sehr komplex. Also dachten wir, der beste Weg konnte nur sein, das Ganze nicht komplizierter als nötig zu machen", erklärt Nigel.

James fügt hinzu: "Die Übergänge zwischen den Acts waren sehr kurz. Es gab bei jedem einen Video-Einspielung, die nur zwischen 40 Sekunden und einer Minute lang dauerte. Es blieb also zum Ändern der Einstellungen nicht viel Zeit. Außerdem sangen die ersten vier Künstler lediglich zwei Songs. Sobald man sich auf sie eingespielt hatte, waren sie schon wieder runter von der Bühne. Also war es wirklich sehr wichtig, alles so einfach wie möglich zu halten."

Nigel und James mussten voll bei der Sache sein. Die technische Probezeit war sehr kurz, und mit den Künstlern hatte man gar nur einen Tag Zeit, um sich aufeinander einzuspielen. Aber dank der übersichtlichen Programmierung des PM5Ds hatte dieser Umstand wider Erwarten keinerlei negativen Einfluss auf die ersten Tage der Tournee.

Nigel: "Dass wir sowohl Szenen als auch Songs speichern und wieder aufrufen konnten, war wirklich fein, denn es beschleunigte die Arbeitsabläufe enorm. Die zehn Kanäle für die Radio-Mikros befanden sich alle auf Recalls, und wir hatten die verschiedenen EQ- und Fader-Einstellungen in jeder Szene gespeichert. Bei mir war jeder Song, bei James jeder Künstler als Szene gespeichert. Am Ende eines jeden Songs ging ich eine Szene aufwärts - und James tat vor jedem neuen Act dasselbe. Das war alles andere als umständlich und würde so mit einer Analogkonsole natürlich gar nicht funktionieren."

James fügt hinzu: "Die Szenen halfen bei dieser Art von Set mit extrem unterschiedlichen Stücken enorm. Auf eine laute Rocknummer konnte eine sehr leise Ballade folgen. Dass Nigel also in der Lage war, alle EQ- und Effekt-Einstellungen zu ändern, indem er einfach eine Szene hoch klickte, machte die Sache wesentlich einfacher."

Auf der Bühne bestand der Monitor-Aufbau aus Stereo-In-Ears und einem Subwoofer für jeden Musiker, während die Sänger über Downstage-Wedges, geflogene Sidefills und ein paar Upstage-Fills versorgt wurden (wann jemand die Bühne betreten sollte, wurde mit zwei LED-Bildschirm-"Türen" angezeigt).

James: "Ich verwendete in allen 24 Monitor-Mixen einige Ambient-Mikros. Wie Nigel schon sagt, die Möglichkeit zu speichern war fantastisch. Jeweils am nächsten Tag musste ich nur die die Einstellungen neu laden, und - sofern wir den Veranstaltungsort gewechselt hatten, die Wedges mit dem EQ an den neuen Saal anpassen. Das machte unsere beiden Jobs noch reibungsloser. Ich speicherte außerdem alles auf PCMCIA-Karte."

Weil mit dem PM5D Szenen für verschiedene Künstler sofort aufgerufen werden konnten, war es möglich, eine Vorstellung mit 21 Sängern und Sängerinnen über nur 10 Funkstrecken-Kanäle umzusetzen. So ließ sich sowohl der logistische Aufwand, der für viele Radio-Kanäle nötig gewesen wäre, reduzieren, als auch der Tournee-Etat schonen.

Und da wir gerade beim Budget sind: Die Yamaha-Konsolen halfen auch auf anderen Wegen, den Erlös zu maximieren!

Nigel: "Wie benutzten bei den Konsolen nur die eingebauten Effekte - und die waren absolut fein. Auf der letzten Tour hatte ich noch eine Analog-Konosle mit Erweiterung und diversen Racks voller Kompressoren und EQs verwendet, die eine Menge Platz benötigten. Mit dem PM5D brauchten wir viel weniger Raum, sodass die Betreiber des Etablissements mehr bestuhlen und somit zusätzliche Karten verkaufen konnten, was natürlich immer gut ankommt."

"Und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nicht so viel Ladefläche auf den Tour-LKWs benötigt wurde. Obwohl es hier um eine Tour durch größere Arenen ging, befand sich das gesamte Sound-Equipment auf einem Wagen", fügt James hinzu.

Der vielleicht härteste Test für das Equipment, für das Soundteam und auch für die Toleranzschwelle der Zuschauer kam immer, sobald die Vorstellung etwa halb vorbei war. Dann nämlich sangen die am wenigsten begabten Vorsänger und Vorsängerinnen (also jene, die den Zuschauern der TV-Sendung besonders gut im Gedächtnis geblieben waren, weil sie keinen einzigen Ton getroffen hatten) zusammen einen Song.

James grinsend: "Man bedenke ohnehin, dass zwar die Band aus Vollzeit-Profis bestand, aber die Sänger und Sängerinnen doch Amateure waren. Wäre hier etwas zu kompliziert gewesen, hätten wir gleich einpacken können."

"Es gab ein paar Sänger und Sängerinnen mit etwas Erfahrung, deren Mikrofon-Technik daher ganz gut war. Aber viele waren unerfahren, obgleich sie weiterkamen. Sie lernen halt noch. Also sollte alles möglichst unkompliziert sein. Man musste sie immer wieder daran erinnern, nah beim Mikrofon zu bleiben, weil sonst zu viele Zentimeter frische Luft dazwischen waren. Und in solchen Fällen drehe ich natürlich nicht einfach die Wedges auf!"

Nigel: "Wie wir schon sagten, das Ding war, dass die Show so schnell voranschritt. Die Zeit war gar nicht da, um zu pingelig zu werden. Es sollte einfach alles gut klingen, und man musste die Sachen schnell von einem Ort zum nächsten bringen können."