Redundanz ist Pflicht


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Zum 53. Mal fand in diesem Frühjahr der "Eurovision Song Contest" statt - mit 43 beteiligten Ländern, von denen es 25 bis in die Endausscheidung am 24. Mai im serbischen Belgrad geschafft hatten. Für das große Finale dieser seit 1956 jährlich von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) veranstalteten Eurovisions-Show wird ein gigantischer technischer und logistischer Aufwand betrieben, der das Ereignis zum größten live produzierten TV-Event ganz Europas macht. Allein die Proben für die gesamte Produktion dauerten rund zwei Wochen...


PROCON Event Engineering

Procon Event Engineering aus Hamburg betreute den Eurovision Song Contest in diesem Jahr zum zweiten Mal als Generaldienstleister und lieferte die komplette technische Ausstattung von der Bühne über das Rigging bis zu Beschallung, Video, Ü-Wagen, Kameratechnik und Licht. Projektplaner und Head of Sound war Kai Reiss, der diese Aufgabe bereits für zahlreiche bekannte Events wie Wacken Open Air, den Papstbesuch in Bayern, das Melt Fesitval, die Bravo Super Show oder The Dome übernommen hat. Reiss setzte im Beschallungsbereich an praktisch allen wichtigen Positionen digitale Yamaha-Technik ein: Für FOH- und Monitorplatz kamen insgesamt sechs Digitalmischpulte der Baureihen PM1D, PM5D und DM2000 von Yamaha zum Einsatz, außerdem zwei DME64 sowie diverse A/D- und D/A-Wandlersysteme der Typen AD8HR und DA824 mit insgesamt rund 128 Kanälen. Im Green Room, der Künstler-Lounge im Backstage-Bereich, waren noch ein DM1000 sowie eine DME32 installiert.

Die besondere Herausforderung bestand angesichts der Bedeutung des Events in der vollredundanten Ausführung der FOH- und Monitor-Arbeitsplätze - die drei dort benötigten Pulte waren einschließlich etwaiger DSP-Einheiten jeweils doppelt vorhanden, so dass im Havariefall eine Komponente sofort durch eine zweite ersetzt werden konnte.

Auf der Bühne wurden die Signalquellen über analoge Splitter auf die FOH- und Monitormixer sowie die für die Live-Übertragung zuständigen Ü-Wagen verteilt. Dieses Konzept, bei dem alle drei Wege über eigene A/D-Wandler verfügen, wurde für diese Produktion wegen seiner besonders hohen Ausfallsicherheit gewählt und bot außerdem den Vorteil, dass die drei Gewerke die analogen Gains ihrer Vorverstärker jeweils unabhängig steuern konnten.

Für die Übertragung zum FOH-Platz kamen Glasfaser-Systeme zum Einsatz, deren Signalwege über entsprechende Interface-Karten unmittelbar in die insgesamt vier Digitalpulte geführt wurden - ein PM5D RH für die Auftritte der Künstler und ein DM2000 für Wortbeiträge wie Moderationen, Zuspielungen oder Schaltkonferenzen. Beide Pulte wurden über das DSP-System DME64 summiert, welches zusätzlich noch einen Shifter für die Headsets der Moderatoren generierte; das gesamte Setup aus zwei Pulten und der DME war aus Redundanzgründen doppelt installiert.

Horst Hartmann, Monitormann bekannter Acts und Shows wie Die Toten Hosen, Scorpions, Peter Maffay, Juli, Bravo Super Show oder The Dome, war auch beim diesjährigen Eurovision Song Contest für die Monitormischungen verantwortlich. Sein Arbeitsplatz in Belgrad bestand aus zwei PM1D-Konsolen samt zugehörigen DSP-Einheiten, bei denen die Redundanz-Umschaltung im Havariefall besonders elegant gelöst ist: Fällt eine DSP-Einheit aus, so wird über den A/B-Umschalter auf der Oberfläche die zweite, parallel verkabelte Einheit angesprochen, die nach nur 4 Sekunden die Aufgabe der alten Einheit bei unverändertem Setup übernimmt. Auf gleiche Weise kann beim Defekt einer Bedienoberfläche auch das andere Pult aktiviert werden, und als letzter Rettungsanker stand in Belgrad außerdem noch ein Laptop bereit, der über die "Studio Manager"-Software ebenfalls die Steuerung der DSP-Einheit hätte übernehmen können.

Horst Hartmann zum PM1D: "Das Pult ist für große Live-Produktionen aus meiner Sicht nach wie vor erste Wahl - allein schon wegen der 48 Regler, die auf der Oberfläche parallel zur Verfügung stehen. Es gibt hier einfach mehr Bedienelemente für den direkten Zugriff als anderswo und man muss während der Show kaum die Layer wechseln. Das sorgt für deutlich besseren Überblick gerade bei komplexen Aufgabenstellungen, als ihn eine Konsole mit nur 24 Fadern bieten kann. Zudem ist die Zuverlässigkeit des PM1D bisher branchenweit unerreicht - vermutlich auch deshalb, weil hier hochspezialisierte Hardware und nicht ein modifizierter PC zum Einsatz kommt."

Als Monitorwege standen in Belgrad sowohl konventionelle Wedges und Sidefills als auch In-Ear-Drahtlosstrecken zur Verfügung - die Künstler konnten vorher ihr bevorzugtes Monitoring ordern. Da die Wedges auf der Bühne unter Gittern eingebaut und die Sidefills geflogen waren, gaben die meisten Künstler dem In-Ear-Monitoring natürlich den Vorzug, besonders wenn ihre Choreografie viel Bewegung vorsah. Die Wedges liefen zur Unterstützung trotzdem immer mit, da viele Akteure keine eigenen, angegossenen IEM-Hörer mitgebracht hatten und ein Universal-Hörer besonders bei schnellen Bewegungen recht leicht herausfallen kann.

Da maximal sechs Künstler gleichzeitig auf der Bühne standen, arbeitete Hartmann mit sechs IEM-Kanälen, für die jeweils drei Empfänger zur Verfügung standen. Auf diese Weise konnten während eines laufenden Auftritts jeweils die IEM-Systeme für die beiden nächsten Acts vorbereitet werden. Alle IEM-Sender wurden dabei im Pre Fader-Modus angesteuert, so dass sich die Künstler sofort nach dem Ende des vorhergehenden Acts hören konnten. Die Wedges und Sidefills wurden dagegen wie gewohnt über die Fader der Monitorkonsole gesteuert und erst zu Beginn des Songs aufgezogen, um störende Nebengeräusche zu vermeiden. Dieses Verfahren hat sich nach Aussage von Hartmann sehr bewährt - auf diese Weise können die Künstler schon sehr früh die Funktion ihres Monitorings überprüfen, ohne den Show-Ablauf zu stören.


PROCON Event Engineering