Mit einer großen TV-Showproduktion feierte die Deutsche Phono-Akademie Mitte Februar die Preisverleihung der diesjährigen Echo Awards im Berliner Kongreßzentrum ICC. Der seit 1992 vergebene Echo gilt nach dem Grammy als zweitgrößter Musikpreis der Welt und wird jährlich an die erfolgreichsten nationalen und internationalen Pop-Künstler vergeben. Die Audiotechnik des "Live On Tape"-Events ist für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung, da die mit vielen internationalen Top-Acts besetzte TV-Show um nur 70 Minuten zeitversetzt ausgestrahlt wird und die Produktion den Anspruch hat, jedem einzelnen Künstler für seinen Auftritt ein Umfeld zu bieten, das sich nicht von dem seiner Einzelkonzerte unterscheidet.

Dabei müssen Bühnen- und Beschallungs-Crew innerhalb der äußerst knapp bemessenen Umbauzeiten von nur wenigen Minuten sicherstellen, dass der Künstler die exakt gleiche Situation wie beim Soundcheck vorfindet. In diesem Jahr kamen für die Produktion gleich vier große Yamaha-Digitalkonsolen zum Einsatz - ein PM1D sowie drei PM5D-RH.
Oliver Voges, auf dessen Referenzliste als FoH-Mann Bands und Produktionen wie Fettes Brot, Mousse T., Scooter, 4LYN, Deftones, Bravo Super Show oder The Dome zu finden sind, betreut den Echo Award bereits seit 1999 und erinnert sich an die Zeiten, als digitale Mischpulttechnik für den Live-Bereich noch nicht in der heute üblichen Skalierung zur Verfügung stand: "Der technische Aufwand war extrem hoch, da je nach Anzahl der Bands oft fünf oder auch sieben große analoge FoH-Plätze eingerichtet werden mussten, manchmal mit 180 oder mehr Multicore-Kanälen von der Bühne." Beim Echo Award hat jeder Künstler die Wahl, live oder mit Halb- oder Vollplayback aufzutreten; erfahrungsgemäß spielen mindestens die Hälfte der Acts live. Zudem muss bei großen TV-Shows wie dieser die vollständige Redundanz der gesamten Audiotechnik sichergestellt sein.
Am Monitorplatz wird das PM1D bereits seit vielen Jahren eingesetzt; inzwischen ist auch die FoH-Position mit digitaler Mischpulttechnik von Yamaha (2x PM5D-RH) bestückt. Diese großen Digitalpulte haben natürlich besonders die Arbeit mit Live-Bands extrem vereinfacht - für jeden Live-Act wird bei der Probe eine eigene Szene erarbeitet, die dann für den Auftritt wieder geladen wird. Um neben den live spielenden Acts aber auch die vielen übrigen Quellen solcher großen TV-Shows professionell handhaben zu können, arbeiten auf der Bühne und am FoH-Platz zwei unabhängige Ton-Crews: Eine ist für die Live-Bands zuständig; die andere kümmert sich um alle übrigen Signale wie etwa Moderationen, Halb- und Vollplaybacks und andere Programmpunkte. In jeder Crew gibt es eigene Mikrofonierer, Stage Manager, Patcher, FoH- und Monitormischer sowie Wireless-Spezialisten.

Am FoH-Platz für Sprache und Playbacks, der dem Systemingenieur unabhängige Ausspielwege für Moderationen, Konferenzschaltungen und die übrigen Quellen liefert, bestehen die Herausforderungen unter anderem in präzisen Anschlüssen zum nächsten Programmpunkt und im Handling vieler unterschiedlicher Mikrofontypen. Voges arbeitet dazu mit Subgruppen, die jeweils eine Vorentzerrung für einen bestimmten Mikrofontyp enthalten. So bleibt der EQ der Einzelkanäle weitestgehend frei für individuelle Anpassungen an die Stimme des Akteurs. Beschließt ein Künstler während der Probe spontan, statt eines Handmikros doch lieber ein Headset zu verwenden, so steht nach dem Routing auf die passende Subgruppe innerhalb von Sekunden wieder die passende Vorentzerrung für diesen Mikrofontyp zur Verfügung und die Probe kann ohne Verzögerung fortgesetzt werden. Voges zu diesem Konzept und den Yamaha-Pulten: "Ich arbeite bei großen TV-Shows nun seit drei Jahren auf diese Weise mit dem PM5D, was ausgesprochen reibungslos funktioniert - auch deshalb, weil ich das Pult sehr einfach aufteilen kann. Auf einer Seite sind alle Sprachmikros angeordnet, auf der anderen die Vocals, Backing Vocals, Effekte und Zuspieler. Alle Eingänge werden DCA-Gruppenfadern zugeordnet, über die ich die eigentlichen Pegel fahre - die Eingangsfader selbst stehen in der Regel auf 0 dB. Damit habe ich immer unmittelbaren Zugriff auf alle wichtigen Pegel - auch dann, wenn die Oberfläche gerade auf einen anderen Layer geschaltet ist."
Besonders trickreich: Während die Pultseite mit den Vocals, Playbacks und FX von der Szenen-Automation des Pults erfasst wird und dort die Snapshots für jeden Auftritt die passenden Einstellungen verfügbar machen, bleiben die Sprachmikrofone immer im direkten manuellen Zugriff. Voges: "Durch diese Trennung bin ich jederzeit in der Lage, manuell auf die aktuelle Bühnensituation im Bereich der Sprachmikrofone einzugehen. Parallel dazu kann ich die nächste Szene für die übrigen Signale auf der anderen Pult-Seite laden und bei geschlossenen DCAs das korrekte Setup dort überprüfen. Diese Arbeitsweise hat sich für uns durch den Einsatz der Yamaha-Digitalpulte extrem vereinfacht."
