Die Marion Oliver McCaw Hall ist das Herzstück der darstellenden Kunst im Seattle Center. Der Campus mit Theatern, Arenen, Museen sowie anderen öffentlichen Gebäuden einschließlich des „Experience Music Project“ und der „Key Arena“ ist 352.089 m² groß.
Obwohl technisch gesehen eine Sanierung, blieben nach der Umgestaltung der McCaw Halle ungefähr 30% des Originalgebäudes erhalten, so auch Teile der Auditoriumswände, die vom Original von 1927 sowie deren Renovierung von 1962 stammen. Die Erneuerung des 2.900 Sitze umfassenden „Susan Brotman Auditoriums“ verbesserte sowohl die Sichtlinie als auch die Akustik. Darüber hinaus schuf die neue Gestaltung der Bestuhlung eine behaglichere Atmosphäre.
Ebenfalls erneuert wurde die Beschallungsanlage. Ein Opernhaus ist typischerweise akustisch so gestaltet, dass nur wenig bis keine Tonverstärkung benötigt wird um die Stimmen und Orchestermusik in alle Teile des Saals zu tragen. Die McCaw Hall ist ein Mehrzweck-Veranstaltungsort mit Pop und Rock Konzerten, Lesungen, Stand-up Comedy und vier weiteren regionalen Festivals pro Saison, wobei die meisten Veranstaltungen Produktionen der Seattle Oper und des Pacific Northwest Ballet sind.
Das Beschallungssystem wird in kreativster Weise bei der Unterstützung der Opernproduktionen in der Halle verwendet - nicht zur Beschallung von Stimmen oder Instrumenten, sondern fast ausschließlich für Soundeffekte zur Untermalung des Bühnenstückes.
Das System baut auf ein Yamaha PM1D Digital Mixing System mit zwei 96-Input CS1D Bedienoberflächen für FOH und Monitor auf. Beide CS1D teilen sich ein Yamaha DSP1D 48-Input/32-Output Mixing Engine sowie Lautsprecher Arrays und Monitore des JBL Custom Shop. Ein Yamaha 01V96 Digital-Mischpult stellt Cue- und Programmabmischungen für den Backstage- und Lobbybereich bereit.
„Der Schwerpunkt des Designs lag auf der Gebäudeinfrastruktur sowie der Möglichkeit Ton, Video und Daten überall dort zu erhalten wo sie benötigt werden,“ erklärt Richard Erwin, der die Stelle des Vize Präsident bei Audio Analysts einnahm, um das Projekt zu überwachen. „Eine Oper stellt Ansprüche an ein Beschallungssystem wie keine andere Kunstform. Daher ist es wichtig das nötige Einfühlungsvermögen für den Sound zu haben, um ihn richtig platzieren zu können. Zum Beispiel muss ein Glockenturm sich anhören, als ob er weit weg steht. Ein Kanonenschuss „auf See“ soll sich anhören, als ob er hinter einem abgeschossen wird. Ein galoppierendes Pferd kann sich von einem Ende der Bühne zum anderen bewegen. Bei einem Sturm kann es an vielen Orten blitzen.“
Richard Erwin und seine 29 Mitarbeiter stellen Audio/Video Dienstleistungen für den gesamten Seattle Center Campus zur Verfügung. Die anspruchsvollsten Aufträge sind jedoch Sounddesign für die Oper- und Ballettproduktionen. Während der technischen Proben treffen sich die Toningenieure und ihre Assistenten mit dem Direktor sowie den technischen Leitern an einem „Tech Table“. Sie arbeiten mit einem WLAN Laptop, der über einen Remote Desktop, welcher als graphische Schnittstelle fungiert, zu dem Main Audio Systems Computer läuft. Die Sounddesigner konfigurieren die Haus- und Effektsysteme und programmieren individuelle Szenen, die für jeden Einsatz aufgerufen werden können.
Das Yamaha DSP1D verarbeitet die A/D Wandlungen, automatisiert die Eingangssignalverarbeitung und stellt ein Effekt- und Matrix Signalrouting zur Verfügung – alle entscheidenden Funktionen, die für die Erstellung einer adäquaten Beschallung einzelner Schauplätze und/oder Bewegungsabläufe notwendig sind.
Zunächst sieht das Beschallungssystem aus wie ein konventionelles L-C-R Design erweitert durch verteilte Sidefills im Orchestergraben sowie unter und über den Balkonen. Ein aufwendig zusammengestelltes Netzwerk aus hochentwickelter Digitaltechnik erlaubt dem System die Umgestaltung in unterschiedliche Modi. Den auf dem Proszenium angeordneten Lautsprecher-Arrays werden 11 separate Audioquellen zugeführt. Folgende Systeme sind individuell durch das PM1D anwählbar: links, center und rechts 3-Weg Long-Throw; links, center, rechts 3-Weg Downfill; mittleres Proszenium 3-Wege; Subwoofer (doppelte 15“ und doppelte 18“ Woofer); unteres Proszenium 3-Wege sowie alle Fill-Systeme (inklusive einem 8 Mix Orchester Monitorsystem). Sie sind alle einzeln ansteuerbar durch das PM1D, die Patchbay sowie den 11 dbx DriveRack Speakermanagement Geräten und Signalprozessoren.
Insgesamt 178 adressierbare Steckfelder für tragbare Effektlautsprecher überall im Haus, auf der Bühne und im Zuschauerraum vervollständigen die aufwendige „Surround“ Sound Matrix in der McCaw Hall. Sechzehn Effektlautsprecher sind permanent in der Rückwand montiert. Allerdings werden die meisten Effektlautsprecher entsprechend dem Sounddesign jeder Performance platziert, um die individuellen Soundansprüche jeder Aufführung erfüllen zu können. Der Orchestergraben kann darüber hinaus auf Bühnenhöhe angehoben werden.
Die dbx-Prozessoren werden für das Speakermanagement verwendet, während das Crown IQ Netzwerk die Verstärker überwacht und Subsysteme stumm schalten kann, wenn sie nicht benötigt werden. Während der Aufführung arbeitet ein Mitarbeiter auf der linken Seite der Bühne an der Yamaha CS1D Bedienoberfläche . Hierbei folgt er dem Dirigenten und ruft bei Bedarf entsprechende Szenen auf. „Die für den Ton verantwortlichen Mitarbeiter sind in den Designprozess eingebunden, so dass sie das System extrem gut bedienen können,“ fügt Richard Erwin hinzu. „Wir arbeiten an diesen Dingen seit 20 Jahren. Als wir noch manuell arbeiten mussten, war es viel komplizierter. Die Leistungsfähigkeit des PM1D Matrix Outputs, die Onboardeffekte sowie die Automatisierung erlaubt uns viel kompliziertere Cues zu programmieren. Man braucht keine 36 Finger oder 3 Mitarbeiter mehr dafür.“
Die linken und rechten PA-Systeme sind auf den Raum zugeschnitten worden und funktionieren wie ein Line-Array System. „Wir haben Voreinstellungen im PM1D gespeichert und System Prozessoren, die es uns ermöglichen, die Basis Operneinstellung auf Ballett, Pop, Rock und Sprach umzustellen,“ erläutert Richard Erwin. „Wir werden diese Grundeinstellungen übernehmen, um sie bei anderen Veranstaltungen nach Bedarf einzusetzen. Außer bei Touring Shows – die ihre eigenen Produktionen dabei haben – hat fast jede Musikproduktion das PM1D benutzt. Es ist so gut wie zum Standard geworden. Die Leute haben keine Angst mehr es zu benutzen und sind generell sehr glücklich, wenn sie damit arbeiten können. Es gibt nur noch ein paar Konservative, die ihre analogen Konsolen vorziehen, aber das ist kein Problem.“
Die Möglichkeit das gesamte System auf Knopfdruck zu rekonfigurieren ist ein weiterer Grund, warum das Design Team des Seatlle Center sich für das PM1D entschied. „Eines der ersten PM1Ds wurde an das Mercer Arts Center geliefert, wo die Oper vorrübergehend untergebracht war“, sagt Richard Erwin. „Wir hatten bereits viel Erfahrung mit Yamaha Digitalkonsolen und das 01V und das 01V96 sind Standard für alle kleinere Systeme auf dem Campus. Beide Hauptkomponenten des PM1D sind wichtig für diese Anwendung. Wir brauchten zur Gestaltung der Effektszenen und Bewegungen, die in Oper und Ballett benötigt werden, ein umfassendes Automatisierungssystem. Das DSP1D, welches sich im Hauptelektronik-Raum befindet, wird diesen Ansprüchen mit beispielsweise 24 Graphik EQs (zuweisbar auf die verschiedenen Ausgänge) sowie Hall- und Delays oder Dynamics (Limiter, Gates, Kompressoren) gerecht. Wird all dies in einer komplexen Opern- oder Ballettproduktion verwendet, ist die Bedienoberfläche ein kritischer Punkt. Wird die Produktion manuell durchgeführt, muss man zu jeder Zeit den Überblick über alles haben. Das CS1D ermöglicht die Bedienung von fast allem direkt über die Bedienoberfläche ohne durch viele Ebenen gehen zu müssen.“
Durch separate Bedienoberflächen und ein zentrales DSP-Engine war es dem Design Team möglich, die McCaw Hall im Voraus für multiple Mixerpositionen zu verkabeln. „Eine der Mixerpositionen ist in der Mitte der Orchesterstühle. Diese Position wird typischerweise für Pop und Rock Shows benutzt,“ sagt Robert Erwin. „Eine andere Position ist in der Dress Circle Area (erster Balkon). Sie wird für Sprachbeschallungen und kleinere Musikveranstaltungen benutzt, welche mit dem 01V96 gemischt werden können. Es gibt noch eine kleine Kabine aus Studioglas im hinteren Teil des Saals, welche oft für Sprachbeschallungen genutzt wird. Darüber hinaus gibt es noch eine Position auf der linken Seite der Bühne, die für Musikkonzerte benutzt wird. Der Monitorbereich wird auf einem der zwei CS1Ds gemixt während der Saalsound auf dem Anderen gemixt wird. Beide Tonmischungen werden Backstage vom DSP1D verarbeitet.

„Bei Oper und Ballett arbeitet man jeweils von der linken Bühnenseite aus“, erklärt Robert Erwin. „Der Tontechniker folgt hierbei dem Dirigenten per Video. Er beobachtet das Geschehen auf der Bühne und hört über eine Gegensprechanlage die Durchsagen des Stage Managers und aktiviert die Szenen, die er während der technischen Proben programmiert hat.“
Da das PM1D über Onboardeffekte verfügt, hat die Mixerposition keine Outboard Racks mehr, um keinen Platz im Sitz- oder Backstagebereich zu verschwenden. „Wir können das CS1D mit zwei Personen tragen,“ unterstreicht Robert Erwin. „Bei so beschäftigen Mitarbeitern wie im Seattle Center ist das sehr wichtig.“
Während die Tontechniker das Szenen-Setup für ein Ballett oder Opern-Sound machen, erarbeitet Robert Erwin ebenfalls das Setup für die Soundwebbearbeitung aller Paging- und Programmanforderungen. „Das 01V96 war die Lösung für Programm-Mischungen, da es acht separate Mixe zur Verfügung stellen und bis zu 99 Szenen speichern kann,“ sagt Robert Erwin. Die Quellen umfassen u.a. die Ambience-Mikrofone in der Halle, die das Orchester aufnehmen, die Shotgun-Mikrofone der Solisten, zusätzliche Mixe vom PM1D, das WLAN Intercom und die Radiosysteme. Dies ermöglicht den Produktionsmitarbeitern verschiedene Mixe des Programms für verschiedene Einsätze zu hören.
Ebenso wie der Sound ist Flexibilität das Schlüsselwort. Das „Rigging-Personal zum Beispiel muss verschiedene Einsätze der Musik und vom Stage Manager hören können,“ erklärt Robert Erwin. „Die Produktions- und Stage Manager wollen einen anderen Mix hören als zum Beispiel den, der für die Lobby verwendet wird. Ebenfalls haben wir Abmischungen für das Sennheiser Infrared Listening System und für das Audio Description gemacht. Manchmal wird es halt sehr kompliziert.“
Kompliziert, aber spektakulär, wie Seattle Weekly und Seattle Times berichten. Sie sind sich einig, dass „der Sound in diesem Saal mehr als überwältigend ist.“