Ein Yamaha PM1D für die Aufnahme- und Tonsteuerung in Venedigs legendärem Opernhaus
Venedig (Italien) – Seit seiner Eröffnung im Jahre 1792 ist La Fenice eines der bedeutendsten Theater in Italien und Europa. Mit der Uraufführung zahlreicher Meisterwerke wurde dort Operngeschichte geschrieben. Die Renovierung und Restaurierung des Theaters wurde im letzten Jahr abgeschlossen. Nach der offiziellen Eröffnungszeremonie im Dezember mit einer Woche voller Konzerte mit Europas führenden Orchestern, unter der Leitung von hervorragenden Dirigenten wie Muti und Maazel, sowie einem Konzert mit Elton John, hat nun der Countdown für November begonnen, wenn die erste Opernsaison seit dem verheerenden Feuer von 1996 im Theater beginnt.

Teatro La Fenice www.teatrolafenice.it c: M. Crosera
Nach einem Entwurf des Architekten Aldo Rossi (gestorben 1997) erfolgte der Wiederaufbau unter dem Motto „Com'era, Dov'era!“ („Wie es war, wo es war“). Der Schauplatz wurde in der ganzen ursprünglichen Pracht wiederhergestellt, einschließlich der Marmorfassade, Holzfußböden mit Intarsien, Deckengemälde und vergoldeten Stuckarbeiten, die die fünf Logenreihen verzieren. Das Design erstreckt sich auch auf den Bereich hinter der Bühne und den Zuschauerraum (mit den neuen Sitzen wurde der Große Saal um 176 Sitze auf 990 vergrößert). Der Rossi-Saal mit 300 Sitzen dient nun als Probenraum und als Kammermusiksaal.
Die Einrichtungen hinter der Bühne wurden komplett neu gestaltet, die Notausgänge verbessert und eine neue Bühnenausstattung installiert. Die Schlüsselrolle spielt jedoch die installierte Technologie, zu der eine GBE-Beleuchtungsanlage und eine Soundanlage, die auf dem digitalen Mischpult PM1D von Yamaha basiert, gehört.
Gemmo Impianto, eine italienische Firma mit weltweiter Erfahrung im Bereich Bauingenieurwesen, erhielt den Zuschlag in Höhe von 7,5 Millionen Euro für die technischen Anlagen des Theaters (einschließlich Elektrik, Feuerschutz und Sicherheitssysteme). In einigen Bereichen ist eine Zusammenarbeit mit Spezialfirmen notwendig, wie zum Beispiel Gmep-Molpass aus Bologna, die die Audio- und Intercom-Systeme für die Show bereitstellte.
Neben der Funktion als digitales Herzstück des hochmodernen Audiosystems im Theater wird das PM1D-System auch für die Aufzeichnung von Aufführungen im Rahmen der nächsten Konzert- und Opernsaison verwendet. Ein Teil der 32 gegenwärtig verwendeten Ausgänge dient für die mehrspurige HD-Aufzeichnung, der Rest für die d&b Audiotechnik-Beschallungssysteme in den verschiedenen Sälen.
Roberto Carletti, Projektleiter bei Gmep-Molpass, erklärte: „PM1D war das einzige System, von dem ich wusste, dass es die Anforderungen des Kunden rundum erfüllen würde. Es unterstützt die Tonregelung des Theaters hervorragend. Die vollständig zuweisbaren Ausgabegruppen und Matrix-Bussteuerung machen die Signalverteilung außerordentlich einfach und flexibel. Die Toningenieure können ein Signal nehmen und dorthin leiten, wo es gebraucht wird, und gleichzeitig andere Signale aufzeichnen oder ebenfalls weiterleiten.“
So kann ein Streichquartett im Rossi-Saal spielen und wird von den Zuschauern im Apollinischen Saal und dem Großen Saal gehört. Die häufigste Nutzung wird sich jedoch wahrscheinlich ergeben, wenn der Große Saal nicht alle Zuschauer fassen kann und in den kleineren Sälen Videoleinwände aufgebaut werden, die über das PM1D an die Beschallungssysteme angeschlossen werden.
Gemäß der Audioinstallationsrichtlinien des Ingenieurs Paolo Molina aus Mailand und der architektonischen Besonderheiten des Theaters befindet sich die CS1D-Bedienoberfläche des PM1D-Systems im Abhörraum auf der obersten Etage des Theaters. Dort befindet sich außerdem ein Gestell mit dem DSP1D-EX des Systems, einem AO8-DA8 mit 32 Ausgängen, zwei PW1D und einem DIO8 mit 12 Eingängen und 4 Ausgängen sowie zwei weitere Gestelle mit Outboard-Geräten und Aufnahme-/Wiedergabegeräten. Die anderen DIO8-Einheiten sind zusammen mit verschiedenen Wiedergabe- und Steuergeräten in Gestellen im Apollinischen Saal und im Rossi-Saal installiert. Eine weitere DIO8-Einheit mit 16 Ausgängen befindet sich zusammen mit zwei AI8-ML8-Eingabegeräten mit 32 Kanälen und einem Funkmikrofonsystem mit 12 Kanälen auf der Bühne.
Carletti weiter: „Alle Einheiten mit Konvertern (Ein- und Ausgänge) sind über SCSI-Kabel mit dem DSP1D-EX verbunden, deshalb sind nur wenige feste Kabel erforderlich – ein weiterer Pluspunkt für das PM1D.“
Arturo Pellegrini, selbstständiger Tontechniker mit reichlich PM1D-Erfahrung, programmierte das System mit 4 oder 5 Grundeinstellungen als Ausgangspunkt für die Programmierung und 10/12 Matrixeinstellungen für eine offene, flexible Konfiguration mit Eingangs-/Ausgangsgeräten in allen drei Sälen und zwei Mikrofoneingangs-Modulen auf der Bühne, die je nach Bedarf verstellt werden können.
Das PM1D erwies sich vom Eröffnungstag an als goldrichtig, erklärt Pellegrini. „Das Yamaha-System erleichterte die Arbeit des Übertragungsteam während der Eröffnungswoche erheblich, da mit Hilfe des Systems Interviews aus verschiedenen Bereichen des Theaters an einen zentralen Punkt übertragen wurden, von dem aus das Ü-Team die Hauptleitung in den Übertragungswagen einspeiste, ohne dass das gesamte Theater verkabelt werden musste.“
Obwohl das Projekt erheblichen Arbeitsaufwand und logistische Koordination erforderte, war Carletti äußerst zufrieden. „Obwohl der größte Teil des Theaters im Feuer zerstört wurde, unterliegen die verbliebenen und neu aufgebauten Bereiche sehr strengen architektonischen Bedingungen. Deshalb wäre die Installation eines herkömmlichen analogen Systems außerordentlich kompliziert gewesen – das Yamaha-System hat auch in diesem Fall deutliche Vorteile geboten.“
Das PM1D spielt nun eine Schlüsselrolle im nächsten historischen Ereignis des Veranstaltungskalenders von La Fenice – die erste in dem neu entstandenen Theater inszenierte Oper. Passenderweise wird dies Verdis „La Traviata“ unter Lorin Maazel sein, die 1853 in diesem Theater uraufgeführt wurde.