Installation PM5D im Deutschen Theater in Berlin


Zurück

Erbaut wurde das Deutsche Theater im Jahre 1850 als Schauspieler-"Sozietät" gegründet 1883 von Adolph L'Arronge. Seinen Ruf, unter allen deutschen Bühnen der "Olymp" zu sein, erwarb sich das Deutsche Theater spätestens unter dem weltberühmten Regisseur Max Reinhardt. Bereits in der ehemaligen DDR war das Deutsche Theater ein Spiegel seiner Zeit, der sich das Glänzen nicht verbieten ließ. Unvergessen sind beim Berliner wie beim internationalen Publikum zahlreiche Inszenierungen, die das Deutsche Theater über alle Grenzen hinweg als Ort der Schauspielkunst und der Streitlust erstrahlen ließen. Das Deutsche Theater wurde in den letzten Jahren bereits zweimal als deutschsprachiges "Theater des Jahres" ausgezeichnet. Der Gesamtkomplex besteht aus drei festen Spielstätten: der große Saal, die Kammerspiele und die Kammerbar. Darüber hinaus wird temporär an allen erdenklichen Orten im Haus Theater gemacht. Im Jahre 2003 stieg die Besucherzahl auf stattliche 200.000 an. Der große Saal bietet über 600 Sitzgelegenheiten, und der Saal der Kammerspiele hält für 300 Zuschauer Plätze bereit.
Die Tonregie im Saal der Kammerspiele fand bislang in einem akustisch abgetrennten Raum mit einer Glasscheibe als Sichtverbindung statt. Im Rahmen einer Neuinszenierung mit Livemusik als zentralem Element erwies sich eine effektive und hochwertige Saalbeschallung aus einer akustisch abgetrennten Regie als äußerst problematisch. So entschieden sich die Verantwortlichen vom Deutschen Theater für die Einrichtung eines Live-Mischplatzes in den Kammerspielen.
Fest installiert wurde die neue Yamaha PM5D Konsole.
Die technische Planung und Durchführung lag in den Händen von Dipl.-Ing. Hinnerk Gehrckens in Zusammenarbeit mit seinem sechsköpfigen Team sowie dem Unternehmen Sound & Drumland aus Berlin.

Hinnerk Gehrckens:
„Wir arbeiten bereits im großen Haus mit einem installierten Live-Platz und wollten anfangs auf die gleiche Lösung im Saal der Kammerspiele zurückgreifen. Nach einem umfangreichen Angebotsvergleich und aufgrund der komplexen Aufgabenstellung entschieden wir uns dann für die Installation des neuen Yamaha Digital Pultes PM5D. Es gab eine Reihe von Kriterien, die letztendlich zu dieser eindeutigen Entscheidung führten.

Wir arbeiten in dem Saal mit einem digitalen Audio-Distributionssystem. Das Mischpult muss sich also problemlos an diese Systemstruktur anbinden lassen. Es handelt sich dabei um ein flexibel konfigurierbares digitales Audio-Kreuzschienen- und Routingsystem. Abgesetzte Einheiten können an unterschiedlichen Stellen im Gebäudekomplex stehen und werden mit Glasfaserkabel untereinander verbunden. Innerhalb des Gesamtverbundes kann jeder Ausgang per Mausklick mit jedem Eingang verbunden werden - wahlweise auch mit Signalbearbeitung (Dynamics, EQ, Delay). Gesteuert wird das System zentral über PC mit entsprechender Software.

Das System kann 64 digitale Audio Ein- und Ausgangskanäle (24Bit) über zwei Glasfaser- oder Koaxialleitungen übertragen. Dadurch ergibt sich eine einfache, übersichtliche und zuverlässige Verkabelung. Eine entsprechende Erweiterungskarte für das Yamaha PM5D lieferte uns eine Hamburger Firma. Obwohl diese Karte von einem Drittanbieter und für ein nagelneues Produkt war, funktionierte sie auf Anhieb perfekt im Zusammenspiel mit unserer vorhandenen Systeminfrastruktur.
Ein weiteres wichtiges Kritierium war die vollständige Fernsteuerbarkeit des Mischpultes via PC. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, das Pult mittels Laptop und Wireless-LAN von einem beliebigen Platz im Saal aus zu steuern und damit Korrekturen und Optimierungen für die unterschiedlichen Hörplätze vorzunehmen. Ein fantastisches Feature, von dem wir rege Gebrauch machen.
Die Mischpultautomation ist beim PM5D sehr durchdacht. Als Anwender bemängele ich seit vielen Jahren die für Live-Anwendungen (insbesondere im Bereich Theater und Musical) zu wenig durchdachten Mischpultautomationen. Die meisten Automationen bieten eine Total Recall Snapshot-Automation, aus der man bestenfalls einzelne Kanäle komplett herausnehmen kann.
Dieses „alles oder nichts“–Prinzip nützt im Live-Betrieb sehr wenig. Hier müssen sich sehr gezielt einzelne Kanalfunktionen abrufen lassen können (z.B. Mute-Status, Fader und einige Aux-Wege), während andere Einstellungen dringend erhalten bleiben sollen (z.B. Kanal-EQ vom Soundcheck).
Die Firma Yamaha hat diese Problemstellung beim PM5D mit Hilfe der sehr umfangreichen Funktionen „Selective Recall“ und „Recall Save“ hervorragend gelöst.
Aus meiner Sicht lässt diese Automation kaum noch Wünsche offen.
Was mir besonders gut gefällt, ist die Kopierfunktion des PM5D. Diese Funktion ist besonders für den Bereich Software/Automation immens wichtig. Bei den Proben mit automatisierten Pulten entstehen häufig große Anzahlen von gespeicherten Mischpult-Szenen. Ändert sich dann allerdings eine grundsätzliche Einstellung (beispielsweise ein Delay oder EQ für einen Lautsprecher) sitzt man bei anderen Mischpulten häufig stundenlang (völlig entnervt) und speichert die immergleiche Änderung Szene für Szene ein.
Außer dass der Techniker bei dem PM5D den entsprechenden Parameter auch einfach in den „Recall Safe“ setzen könnte, gibt es dafür eine ausgefeilte Kopierfunktion. Hiermit lässt sich eine Auswahl von Kanälen und Parametern auf eine beliebige Auswahl von Szenen kopieren.
Ich glaube, die Firma Yamaha hat das Flehen unzähliger Tonleute erhört, die es einfach satt haben, nach einer 10stündigen Probe noch weitere Stunden in die Einprogrammierung von Änderungen zu investieren, weil in der Automationssoftware die rudimentärsten Kopierfunktionen fehlen.

Die Planung und das Konzept des neuen Live-Platzes wurden von mir in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern meiner Abteilung und Herrn Holger de Buhr von Sound & Drumland erstellt.
Als die Auftragsvergabe erfolgte, war (fast schon theaterüblich) der geplante Probenbeginn von „D-Mission“ schon gefährlich nahe gerückt.
Überraschenderweise konnte Herr de Buhr das Mischpult bereits zwei Wochen früher als versprochen liefern. Somit haben wir uns spontan entschlossen, schon eine Produktion früher als geplant mit dem PM5D zu arbeiten.
Die Proben begannen nur zwei Tage nach Lieferung des PM5D.
Trotz der geringen Einarbeitungszeit gab es von Anfang an keine Probleme. Alles funktionierte einwandfrei, so wie wir es uns vorgestellt hatten.
Das PM5D stellt dem Anwender keine Fallen. Mit dem ergonomischen, auf optimalen Komfort ausgelegten Bedienkonzept lässt sich absolut intuitiv arbeiten. Häufig gibt es zwei oder sogar mehrere Möglichkeiten, um zu dem gewünschten Ziel zu gelangen.
Das PM5D kombiniert die modernen Features und die in sich geschlossene Bauart des DM2000 mit dem analogen Bedienungskonzept des PM1D.
Weiterhin gilt das Preis-Leistungsverhältnis der Yamaha Digitalpulte in der Branche zu Recht als ausgezeichnet.“

Dipl.-Ing. Hinnerk Gehrckens ist seit Mai 2004 als Leiter der Ton- und Videoabteilung des Deutschen Theaters tätig. Neben einem Studium der Elektrotechnik mit der Fachrichtung Technische Akustik und Kommunikationstechnik kann er inzwischen auf fast 20 Jahre Berufserfahrung in nahezu allen Bereichen der Tontechnik zurückgreifen.