Zwei Digital-Konsolen von Yamaha an Mailands berühmtem Teatro alla Scala
Nach fast zwei Jahren Sanierungs- und Umbauarbeiten wurde das berühmte Teatro alla Scala, im Volksmund auch "La Scala" genannt, Ende 2004 wiedereröffnet. Die Scala gilt als integraler Bestandteil der italienischen Kunst- und Musik-Historie und Opernfreunden in aller Welt als Heiligtum.
Der Saal, ein Bau des italienischen Architekten Giuseppe Piermarini, wurde sorgfältigsten Restaurationen unterzogen. So wurden die originalen Terrakotta-Kacheln in den Logen wieder hervorgeholt, die ins Parkett eingelegten Muster in den Foyers repariert und an zahlreichen anderen schönen Stellen die Pracht des Ursprünglichen wiederbelebt.
Zur selben Zeit wurde jedoch auch in ganz anderen Bereichen des Gebäudes radikal umgebaut. Erneuert wurden zum Beispiel die gesamte Bühnen-Technik, die Fahrstühle, und auf dem Dach entstand ein neues ovales Bauwerk, das heute die Garderoben, mehrere Büros, die Maske, die Kantine und die Toiletten beherbergt.
Mit dem Einbau eines neuen "schwimmenden Estrichs" im Saal wurde auch die Akustik verbessert. Dieser Spezialboden besteht nun aus sieben verschiedenen Material-Schichten, nach oben hin abgeschlossen von einem edlen Eichenparkett allerbester Qualität. Hinter den Kulissen der eindrucksvollen neuen Bühne wurde das Theater mit Spitzentechnologie ausgestattet, und zwar nicht nur, um Aufnahmen der Aufführungen digital festzuhalten, sondern auch, um die Arbeit der Techniker und der Künstler entscheidend zu erleichtern. Neben der Lichtabteilung mit ihrer neuen Generation digitaler Steuerpulte, den Moving-Head-Scheinwerfern und einem Netzwerk, das diese mit einem großen Dimmerraum verbindet, verfügt nun auch die neue Ton-Regie über topmoderne Einrichtungen, bedient von Nicola Urru, einem der legendärsten Theater-Tonmeister.
Urru begann seine Karriere 1980 hier an der Scala damals selbst noch als Assistent. Inzwischen hat der Tonmeister, der schon von klein auf ein großer Audiofan ist, die Verantwortung für die gesamte neue AV-Abteilung. Was er für sein neues Baby plante, konnte er ohne Umschweife dem Leiter und Musikdirektor des Theaters präsentieren, und er hatte Erfolg dabei: Seine Vorschläge wurden akzeptiert und der erfahrende Audiochef konnte sich ein Team von Spezialisten zusammenstellen.
Kurze Zeit später hatte Urru sechs sehr begabte junge Männer gefunden. "Einige sind hoch spezialisiert", erzählt Urru. "Einer der neuen Mitarbeiter ist zum Beispiel studierter Informatiker, der sich um all das kümmert, was mit IT zu tun hat. Dieser Bereich spielt in der Digitaltechnik eine wachsende Rolle und ist zum unentbehrlichen Bestandteil unserer Arbeit geworden. Zwei Leute kümmern sich um Videoaufnahmen sowie deren Bearbeitung, und ein weiterer ist unser Ingenieur für die Tonaufnahmen. Die übrigen beiden Neulinge sind zum Beispiel für das Platzieren der Mikrofone und Monitore auf der Bühne und diverse vergleichbare Aufgaben verantwortlich."
Der ganze Stolz der großzügigen AV-Regien sind eine Yamaha CS1D-Bedieneinheit, Teil eines PM1D-Systems, sowie ein DM2000-Digitalpult für Produktionsaufgaben. Von hier aus verfolgen die Techniker auf zwei großen Plasma-Bildschirmen die Show auf der Bühne.
Das Team arbeitet außerdem in einem Videoedit-Bereich für Filme, die zwecks Dokumentation in das Theater-Archiv aufgenommen werden, und versorgt - falls nötig - das Fernsehen mit Aufnahmen in Rundfunk-Qualität.

Urru: "Im Audiobereich hatten wir eigentlich ursprünglich vor, das PM1D- System für das Bühnen-Recording zu verwenden. Aber nach sorgfältiger Abwägung merkten wir, dass das PM1D viel besser für die Steuerung der vielen verschiedenen Einsätze auf der Bühne geeignet ist. Also nahmen wir stattdessen das DM2000 für die Aufnahmen. Dennoch sind die Pulte miteinander verbunden. Die Mikrofon-Signale liegen über Glasfaser-Kabel an beiden Konsolen an, und die Signale, die vom PM1D kommen, können auch vom DM2000 mittels AES/EBU Verbindung kontrolliert werden. Wir haben also ein äußerst flexibles System."
Die Benutzung zweier Konsolen diesen Kalibers an einem Ort, wo man stolz darauf ist, dass die Darbietungen, also in erster Linie Opern beziehungsweise Klassische Musik, traditionell ohne jegliche Verstärkung auskommen, könnte zunächst widersprüchlich erscheinen. Doch erklärt Urru gerne die Gründe dafür:
"Wir verstärken im Saal nicht, außer, wenn der musikalische Leiter ausdrücklich die Einspielung von Effekten wie zum Beispiel Wind und Donner wünscht, welche natürlich gern von allen Seiten aus kommen sollen. Daher montierten wir ein paar Lautsprecher. Stimmen und die Instrumente werden jedoch prinzipiell niemals verstärkt. Natürlich gibt es in einigen Opern eine Menge Soundeffekte - so zum Beispiel in der vor kurzem aufgeführten 'Idomenea'. Hier gab es unter anderem Wind, Donner, Stimmen aus dem Off und Glockenklänge. Das PM1D eignet sich fantastisch für solche Aufgaben. Wir können das System genau für unsere Zwecke programmieren und haben zudem die ganzen Szenenspeicher zur freien Verfügung. Folglich sind wir von diesem Standpunkt aus gesehen völlig unabhängig."
Urru erläutert, wie er auf das PM1D gestoßen ist. "Vor ein paar Jahren war ich bei Gianni Volonterio von Yamaha Italien, der das System vorführte. Später arbeitete ich zusammen mit dem Ballett-Tänzer Roberto Bolle in Japan am italienischen Expo-Stand und sah das Pult ein zweites Mal. Tatsächlich waren es sogar zwei Systeme, die sich den FOH-Job teilten, plus zwei DM2000 und einem anderen PM1D, das als Monitor-Pult eingesetzt wurde. Es sind wirklich wundervolle intuitive Konsolen."
In strategisch günstigen Positionen wurden Mikrofone für die Archiv-Aufnahmen der Sänger und des Orchesters aufgebaut. "Zudem verwenden wir Mikrofone gepaart mit Monitor-Lautsprechern", so Urru. "Diese wurden auf der Bühne, an den Bühnenseiten und an den Laufwegen der Techniker platziert. Mit dieser Technik unterstützen wir jene Mitarbeiter akustisch, die während der Aufführung am weitesten vom Orchester weg stehen. Alle diese Aufgaben werden ausnahmslos vom PM1D erledigt."
Obgleich Urru schwer damit beschäftigt ist, die neue Abteilung zu organisieren, studiert der AV-Chef bereits PM1D-Funktionen, die mehr in die Tiefe gehen - und zieht Bilanz: "Das System zeigt jetzt bereits, dass es sein Geld wert ist. Es erlaubt uns zum Beispiel, alle Parameter einer jeden Opernszene zu speichern und wieder aufzurufen - und das, wann immer wir wollen. Bei unserem Riesen-Programm mit zahlreichen verschiedenen, zeitgleich gespielten Inszenierungen und weiteren parallelen Proben ist eine solche Funktion ein wahrlich unbezahlbares Feature."