Acht Monate liebevolle Sanierung - mit großem Erfolg!
Fast ein Dreivierteljahr hat der Umbau der Victoria Hall in der Schweizer Metropole Genf gedauert. Für umgerechnet sechs Millionen Euro wurde das zwischen 1891 und 1894 vom Genfer Architekten John Camoletti erbaute Gebäude saniert. Der Name ist auf den damaligen britischen Konsul, Sir Daniel Barton, zurückzuführen, der das heute noch für seine ausgezeichnete Akustik geschätzte Konzerthaus seiner Queen, Königin Victoria von Großbritannien (1819-1901), gewidmet hatte. Bis heute wird der Saal unter anderem vom hochkarätigen britischen Klassik-Label Decca wegen seiner fantastischen klanglichen Eigenschaften für Konzertaufnahmen in Anspruch genommen.
In neuem Glanze erstrahlt der prunkvolle neospätbarocke Zuschauersaal. 125 Musiker finden heute bequem auf der neuen Bühne Platz. Aber auch die Zuschauer profitieren von den sorgfältig durchgeführten Sanierungsarbeiten. Eine neue Bestuhlung schafft auf den 1835 Plätzen hohen Sitzkomfort, während eine hochmoderne Belüftungsanlage für gute Luft und stets angenehme Temperaturen sorgt.

Abb.1: Prunkvolle spätbarocke Galerien in der Genfer Victoria Hall
Spätbarock in Harmonie mit modernster Technik? Kein Problem!
Auffälligstes Prunkstück des pompösen Saals ist mit Sicherheit die nach Bränden immer wieder liebevoll aufgebaute gigantische Orgel des niederländischen Orgelbauers Vandenheuvel. Aber auch im Herzen des Gebäudes befindet sich so manche unprätentiösere, aber beileibe nicht unwichtigere Kostbarkeit. Im Gegenteil: Da das Haus seine Pforten nicht nur für traditionell unverstärkte klassische Konzerte öffnet, sondern zunehmend auch Jazz und Weltmusik sowie Auktionen beherbergt, kam man nicht an der Einrichtung einer hochwertigen PA vorbei. Ihre Aufgabe ist es, ganz bescheiden für einen guten Ton zu sorgen, der auch allerhöchsten Ansprüchen gerecht wird.

Abb. 2: Kleine Menschen, große Orgel. Gigantisch ist gar kein Ausdruck!
Die Technik im Detail
So bewerkstelligen im vorderen Bereich des Saales 18 dezent arrangierte Lautsprechersysteme des französischen Herstellers Nexo eine ausgewogene und detailreiche Publikumsbeschallung (10 x Geo S805, 4 Geo S830 und 4 x Geo CD12 Subbass). Kleinere Nexo-Boxen vom Typus PS-8 unterstützen die Geos in Form von Delaylines auf den Galerien
und im hinteren Bereich des Parketts. Ein paar der insgesamt 14 Nexo-PS-8-Systeme können zudem bei Bedarf als Frontfills unter der Bühne für die Beschallung der ersten Zuschauerreihen hinzugenommen werden.
Gesteuert werden die Lautsprecher von Controllern, die ebenfalls aus dem Hause Nexo stammen. Für die großen Geo-Systeme wurden zwei digitale Nexo NX242 plus Ethersound-Karte NXtention ES-4 installiert. Die kleineren PS-8-Frontfills und Delaylines werden hingegen von vier kleineren Nexo-PS-8TD-Controllern angefahren.
Die Leistung für die Nexo-Lautsprecher liefern insgesamt acht Amps aus der deutschen Verstärkerschmiede Camco. Vier Leistungsverstärker vom Typus Tecton 22.2 speisen die PS-8-Lautsptrecher sowie weitere vier Tecton-Amps (32.4 und 32.8) die Geo-Systeme.
Bevor die Audiosignale die Controller, Verstärker und Lautsprechersysteme erreichen, passieren diese eine Yamaha Digital Mixing Engine DME24N, die als schaltbare digitale Matrix fungiert. Die DME bildet die Schnittstelle zwischen dem Mieter der Halle und der hauseigenen PA. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die Eingangssignale via Kompressor und EQ zu bearbeiten, gegebenenfalls zu verzögern und auf beliebige Lautsprechersysteme zu routen.

Abb3:Fastunsichtbar:die dezenten Nexo-Systeme
Zap Audio - Geballte Kompetenz hinter großartiger Technik
Das große Kunststück, diese aufwändige Anlage perfekt, ja fast unsichtbar in die Victoria Hall zu integrieren, ohne dabei klangliche Einbußen zu akzeptieren, ist auf die fantastische Arbeit von Zap Audio zurückzuführen. Das Unternehmen wurde 1977 von René von Arx gegründet und hat seinen Sitz in Genf und Winterthur. Zap Audio ist in der Schweiz einer der wichtigsten Händler für Yamaha-Equipment und vertreibt dort außerdem exklusiv Top-Marken wie Nexo, AuviTran oder Camco. Während sich René von Arx in den 80er-Jahren zunächst auf den Verleih und die Herstellung von Flightcases konzentrierte, kamen 1991 der Vertrieb und ausgewählte Installationen dazu, durchgeführt von Renés damals neuem Partner Frédéric Walder.
Frédéric Walder von Zap Audio im Gespräch mit Yamaha

Abb. 4: Frédéric Walder von Zap Audio
Monsieur Walder war so freundlich, uns nach Genf einzuladen und nicht nur einen Blick hinter die Kulissen der wunderschönen Konzerthalle zu gewähren, sondern uns auch mit Informationen über die hier äußerst interessante Anwendung der DME24N zu versorgen. Zunächst aber offenbart uns Monsieur Walder, warum seine Wahl auf genau dieses Yamaha-Gerät gefallen ist:
"Natürlich haben wir uns auch für eine DME24N entschieden, weil wir seit langem eng und sehr gut mit Yamaha zusammenarbeiten. Die Produkte sind ausgesprochen zuverlässig und werden von Yamaha vorbildlich supportet. Aber es gibt natürlich noch viel mehr Gründe, die für eine Yamaha-DSP-Engine sprechen. Im Falle der Victoria Hall wollten wir ein absolut betriebssicheres, komplett digitales und möglichst unsichtbares Setup aufbauen und zwar ohne unnötige Wandlungen, die den Klang verschlechtern könnten. Mit der schaltbaren digitalen Matrix in der DME24N kamen wir schnell zum anvisierten Ziel", so Walder.
"Die DME24N ist dank einer AuviTran-Erweiterungskarte Ethersound-fähig", fährt Walder fort. "Das ist sehr praktisch, weil die gesamte Halle komplett mit Netzwerkverbindungen verkabelt ist, und auch die Nexo-Controller mit einer Ethersound-Erweiterung ausgestattet sind. Der Mieter der Halle, also zum Beispiel ein Konzertveranstalter, kann selbst entscheiden, ob er sein Mischpult analog oder digital über Ethersound an die Haus-PA anbindet."
Auf letzterem Wege könne das Signal verlustfrei und sehr unkompliziert über ein einziges Patchkabel von einem Ethersound-kompatiblen Mischpult über die DME-Matrix und die Nexo-Digital-Prozessoren in die Haus-PA eingespeist werden. Die Victoria Hall profitiert dank DME und Ethersound von der modernsten und praktischsten Signalübertragungs-Technik überhaupt. Riesige, optisch störende und zudem anfällige Audio-Multicore-Kabel sind hier nicht mehr nötig.
Doch das waren beileibe noch nicht alle Argumente bei der Entscheidung für eine DME. Audio-Spezialist Walder, der bei der Installation stets die Bewahrung des einzigartigen Ambientes der Victoria Hall zum Ziel hatte, zieht noch weitere Asse aus dem Ärmel:
"Wir konnten in der ziemlich großen Victoria Hall natürlich keine riesigen Boxentürme aufstellen. Da hier aber auch Jazz- oder Weltmusik-Konzerte stattfinden, erreichten wir eine flächendeckende Beschallung über zahlreiche Delaylines. Die kleinen Nexo-PS-Boxen auf den Galerien und im hinteren Bereich des Saals werden so gepegelt und verzögert, dass der Sound nach wie vor von vorne zu kommen scheint - und natürlich keine störenden Echos entstehen können. Der Sound ist also überall laut genug und bleibt trotz der großen Nachhallzeit des Saals von 3,5 Sekunden (RT60) sehr definiert. Mit wenigen Mausklicks lassen sich die nötigen Digital-Delays über die völlig unkomplizierte DME-Designer-Software in den Signalweg vor den Outputs insertieren."

Abb. 5: Showroom bei Zap Audio
Der eigentliche Clou aber seien die Speicherfunktionen der DME: "Wir haben verschiedene Presets vorprogrammiert, und zwar inklusive entsprechend eingestellter Kompressoren, Equalizer und Delays im Signalweg", erklärt Walder. "Die Belegschaft des Konzertsaales muss je nach Anwendung lediglich das entsprechende Preset aufrufen. Zum Beispiel 'Sprache' bei Auktionen oder 'Konzert', falls eine Jazzcombo anreist. Nach jedem Knopfdruck wird quasi die gesamte Anlage neu eingestellt, inklusive aller Routings und Prozessor-Parameter. Es ist kein Fachmann nötig, um die DME und damit die gesamte Anlage einzurichten, nur ein einfacher Knopfdruck." Dank der Sicherheitsfunktionen könne natürlich auch kein Laie das System versehentlich wieder verstellen.
Auf unsere augenzwinkernd gemeinte Frage hin, ob das nun endlich alles wäre, der Rahmen des Artikels würde langsam gesprengt, antwortet Monsieur Walder lachend: "Nein, noch nicht, es tut mir leid, pardon. Die DME hat einen internen Signalgenerator, den ich noch erwähnen möchte. Er kann über die Matrix auf alle Ausgänge geroutet werden. So ist es möglich, die Signalwege der gesamten Anlage mit wenigen Handgriffen zu testen. Sehr praktisch!"
Wir danken Monsieur Walder von Zap Audio für das sehr nette und höchst informative Gespräch!

Abb. 6: Ein Knopfdruck, Anlage bereit! Die DME24N im Rack der Victoria Hall.
Weitere Informationen, Bilder, Downloads:

Zap Audio wurde 1977 gegründet und hat seinen Sitz in Genf und Winterthur. Das Unternehmen ist in der Schweiz einer der wichtigsten Händler für Yamaha-Equipment und vertreibt dort außerdem exklusiv zahlreiche Top-Marken wie Nexo, AuviTran oder Camco. Außerdem hat sich ZAP Audio als Dienstleistungsfirma beim Verleih und der Installation von Soundanlagen einen sehr guten Namen gemacht. Zudem werden in der Genfer Zentrale seit vielen Jahren sehr stabile Flightcases gefertigt.
Bei allen Aktivitäten der Firma wird sehr viel Wert auf einen professionellen Support und eine akkurate Durchführung der Dienstleistungen gelegt. Die hohe Qualität all dieser Leistungen wird von qualifizierten Mitarbeitern getragen, die alle über eine langjährige Erfahrung im Pro-Audio-Bereich verfügen.
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