Im Rahmen eines großartigen Erneuerungsprojektes, angeführt vom legendären Beatles-Produzenten Sir George Martin, wurde das hochmoderne Kulturzentrum Montserrat eingeweiht. Die neue Einrichtung dient den Inselbewohnern von nun an als sozialer Treffpunkt sowie Kultur- und Ausbildungszentrum.
Die Idee, ein Kulturzentrum auf Montserrat zu errichten, entstand im Zuge verheerender Zerstörungen. Im Jahre 1989 wütete Hurrikan "Hugo", der rund 90 Prozent der Infrastruktur der Karibikinsel zerstörte. Nur sechs Jahre später folgte der Ausbruch des Vulkans Soufrière Hills, bei dem die gesamte Südhälfte der Insel inklusive der heute menschleeren Hauptstadt Plymouth mit Asche bedeckt wurde. Das Kulturzentrum öffnete im Mai 2007 seine Pforten.
Sir George initiierte und förderte das Projekt aufgrund einer tiefen Liebe zu Montserrat, die bereits seit 30 Jahren währt. "Ich besuchte die Insel erstmals 1977", erklärt der Produzent. "Der Friede und die Gelassenheit waren herrlich im Vergleich zu London und allen anderen hektischen Musikmetropolen, die ich auf diesem Planeten kennen lernen durfte. Was für ein Kontrast! Innerhalb von zwei Jahren bauten wir die Air-Studios auf, wo in den nächsten elf Jahren viele Alben von einigen sehr bekannten Künstlern entstanden sind. Nach den schlimmen Naturkatastrophen konnten wir gar nicht anders, als die Insel und ihre Bewohner zu unterstützen. Also haben wir einen Standort geschaffen, wo die sich Leute treffen, weiterbilden und vor allem ein neues Gemeinschaftsgefühl entwickeln können."
Die Anschubfinanzierung wurde über eine hochkarätig besetzte Charity-Veranstaltung in Londons berühmter Royal Albert Hall ermöglicht. Viele der auftretenden Künstler hatten zuvor in den Studios auf der Insel Musik aufgenommen. Weitere finanzielle Mittel wurden über den Verkauf von 500 durchnummerierten Lithographien von Sir Georges Partitur des Beatles-Songs "Yesterday" zusammengetragen, alle signiert von Sir George Martin und Sir Paul McCartney.
Das neue Mehrzweck-Kulturzentrum Montserrat verfügt mit dem Sir-George-Martin-Auditorium über einen Zuschauersaal mit 450 Plätzen. Hinzu kommen Konferenzsäle, Gastronomie mit Bar und Restaurant, Umkleideräume, Büros und ein Außenbereich für Open-Air-Vorstellungen. Alle diese Bereiche stellten das Projekt-Team in Hinblick auf die Audiosysteme vor große Herausforderungen.
Der bekannte britische Tour-Manager und Ton-Mann Chris Runciman wurde von Sir George früh in das Projekt einbezogen, um dieses zu managen. Er konnte in der fortschreitenden Bauphase Einfluss nehmen und einige Änderungen bei der Gestaltung durchsetzen. "Wir achteten stark auf gute Materialien für die abgehängte Decke, die Bodenbeläge und die Sitze, weil der Saal sogar noch im leeren Zustand gut klingen sollte. Als die Zeit reif war, über eine Audioanlagen-Installation nachzudenken, kam Yamaha mit einer unglaublichen Liste an, von der jeder Ton-Ingenieur kaum zu träumen wagt. Das war wie Weihnachten. Und da Yamahas Vita konkurrenzlos gut ist, lief alles auf einen Einkauf aus einer Hand hinaus", so Runciman.
Nach einem ersten Treffen, bei dem Sir George, seine Audio-Berater und Yamahas britischer Commercial-Audio-Chef Nick Cook anwesend waren, arbeitete man fortan eng zusammen an einem Audio-Lösungskonzept, das am Ende selbst die kühnsten Erwartungen übertraf.

"Angesichts der vielfältigen Anforderungen für das Veranstaltungsprojekt kamen wir zu dem Schluss, dass wir die nötige Systemflexibilität, Betriebssicherheit und Klangqualität nur dann gewährleisten konnten, wenn wir eine komplette Anlage liefern", so Nick Cook. "Wir waren uns außerdem der Tatsache bewusst, das dies der erste Zuschauersaal auf der Welt sein würde, der für den großen Namen von Sir George steht. Außerdem musste das System schnell und einfach zusammengehen sowie sehr übersichtlich sein, damit es auch Laien beherrschen können."
Geld aus Initiativen sowie einige großzügige Einzelspenden sorgten dafür, dass Yamahas Angebot auch in finanzieller Hinsicht vollständig realisiert werden konnte. Es wurde Equipment zur Verfügung gestellt, das zwar alle Anforderungen erfüllte, aber welches das notwendigerweise limitierte Budget nicht sprengte. Die finale Anlage verfügte über unglaublich flexible Mix-Funktionen und sogar über echten Surround-Sound.
Das MCC (gängige Abkürzung für "Montserrat Cultural Centre") ist als zentrales Anlaufzentrum für Montserrat gedacht. Es eignet sich für die unterschiedlichsten Anlässe - Parlaments-Sitzungen, Hochzeiten, Schönheitswettbewerbe, Kinovorstellungen, Konzerte, Clubnächte mit DJ und natürlich die alljährlichen Feierlichkeiten zum Geburtstag der britischen Queen. Außerdem sind weitere Wohltätigkeitskonzerte zugunsten des MCCs geplant, bei denen unter anderem weltberühmte Musiker, die zuvor in Montserrats Air-Studios aufgenommen haben, aber auch einfach nur persönliche Freunde von Sir George auftreten.
Zu den wichtigsten Zielsetzungen des MCC-Projekts gehört auch, dass Insulaner hier ausgebildet und geschult werden können. Scott Fraser von Yamaha Commercial Audio, der das Audiosystem designt hat, erklärt: "Die Möglichkeiten für junge Leute in Montserrat halten sich in Grenzen. Das MCC eröffnet ihnen eine Chance, in der Veranstaltungstechnik zu lernen und Fähigkeiten zu erlangen, von denen sie auf der Insel aber auch an anderen Orten leben können. Wir wollten Montserrat wirklich auf die Beine helfen und nicht einfach nur Almosen verteilen."
Scott weiter: "Um unseren Zielen näher zu kommen, mussten wir zeitgemäße Audio-Komponenten verwenden, die auf dem allerneusten Stand der Technik waren. Aber wir mussten auch ein System präsentieren, das junge Leute mit wenig Erfahrung in Beschallungstechnologie nicht gleich erschlägt. Also war es wichtig, dass die Anlage Neulingen zwar keine Angst einflößt, aber dass diese auch gleichzeitig über ausreichend Umfang und Vielseitigkeit verfügt, damit mit allen Wassern gewaschene Profis sich ebenfalls wohl fühlen. Diese sollten sich nicht über fehlende Funktionen ärgern müssen. Das war eine ziemlich große Herausforderung."

Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, designte Scott ein durchaus umfangreiches, aber auch ein sehr gut konfigurierbares System mit mehreren vorbereiteten Presets für die meisten Szenarien. Je nach Veranstaltung können diese "Szenen"-Voreinstellungen von der Belegschaft umgeschaltet werden, um das gesamte System mit einem Knopfdruck neu einzurichten.
Im Herzen der Anlage befinden sich zwei digitale Mixing-Engines vom Typus Yamaha DME64N, ausgestattet mit vier MY8-ADDA96-Analogkarten (8 Ins/8 Outs), drei MY8-DA96-Analog-Karten (8 Outs) und einer MY8-AD96-Analog-Karte (8 Ins).
Der Front-Of-House- und der Monitor-Mix werden von einer M7CL-48-Digitalkonsole übernommen, die mit einer MY8-ADDA96-Karte für zusätzliche analoge Inserts ausgestattet wurde.
Für die PA wurden ausschließlich Lautsprecher von Yamahas Installation-Serie sowie Yamaha-Endstufen verwendet. Das Hauptsystem (L/R) besteht aus jeweils drei IF2115/64 pro Seite für die Mitten und Höhen, zwei IS1218-Subwoofern pro Seite sowie einem IS1118-Sub pro Seite. Zwei IF2112/64-Systeme fungieren als Delayline im Hauptsaal, sechs IF2108 als Fills über und unter dem Rang. Die Verstärkung übernehmen vier T5ns, drei PC2001Ns, ein PC6501N und ein PC9501N.

Weitere sechs IF2208, vier IF2112/AS und ein Paar IF2108 bilden die Surroundanlage - verstärkt von vier PC2001Ns und zwei PC6501Ns.
Überdies stellte Yamaha sieben IF2112/AS (Mitten/Höhen) und einen IS1118-Sub für das Bühnenmonitoring zur Verfügung - verstärkt von vier PC9501-Amps.
Hausaufgaben
Als das Equipment endlich am Veranstaltungsort angekommen war (an sich schon kein logistisches Kinderspiel), wartete mit der Anlagen-Installation die nächste Herausforderung. Es gab keineswegs zu wenig willige Helfer, aber da viele unerfahren waren, war das Studium von Yamahas Bedienungsanleitungen entscheidend.
Scott: "Skype ist fantastisch. Ich weiß nicht, ob wir die Installation ohne Skype hätten durchführen können. Angesichts der Entfernungen konnte ich während der Installation nicht so oft vor Ort auftauchen, wie es nötig gewesen wäre."
Das Montserrat-Team verbrachte mehrere Tage damit, die Bedienungsanleitungen zu lesen, um sich damit vertraut zu machen, wie das Equipment funktioniert, und wie man die Geräte miteinander verbindet. "Wenn jeder in Großbritannien seine Hausaufgaben so gut machen würde wie diese Leute, wäre der Qualitätsstandard bei unseren Anlagen-Installationen um einiges höher", fügt Scott mit einem schiefen Lächeln hinzu. Um das von Dave Williams geleitete Team vor Ort zu unterstützen, wurden mehrere britische Helfer einbezogen. Unter ihnen: Dave Harries und Dave Black, der schon recht früh dabei war, und der bereits mit Chris die Lichtanlage installiert hatte, bevor die Yamaha-Geräte ankamen.
Obgleich das MCC vor allem aus schallhartem Beton besteht, konnten viele akustische Probleme durch die Akustik-Decke vermieden werden, die Chris Runciman hatte einziehen lassen. Nachdem die Anlage erfolgreich installiert worden war, begannen die Tests mit mehrere Nächte andauernden Einweisungen für die einheimischen Toningenieure. Und von Beginn an stellte das Yamaha-Equipment eindrucksvoll seine Zuverlässigkeit unter Beweis. Es arbeitete fehlerlos und übertraf alle Erwartungen des MCC-Teams.
Chris: "Als das Soundsystem abgefeuert wurde, kam bei mir echte Freude auf! Es funktionierte genau so, wie es auf der Verpackung versprochen wurde."
"Die Anlage ist sehr leistungsstark", fügt Scott hinzu. "Sie erreicht an der Rückseite der Mixposition im Saal durchschnittlich 104 dB mit Signalspitzen von +18 dB über dem Durchschnittspegel bei noch 6 dB Headroom in der Anlage."
"Es gab am Anfang ein paar Bedenken, weil es bis heute keine Klimaanlage im Gebäude gibt. Aber wir haben das ganze System jeden Tag acht Stunden ordentlich ausgefahren, während die Umgebungstemperatur 32°C im Schatten betrug. Obgleich die Amps knallheiß wurden, arbeiten sie noch in einem sicheren Temperatur-Bereich (grüne Zone). Der Einzige, der unter der Hitze wirklich litt, war ich!", so Scott weiter.
Und was die Vielseitigkeit angeht, wären viele Dinge, die das System hier kann, mit Analog-Konsolen und tatsächlich auch mit so mancher anderen Digitalkonsole so gar nicht möglich gewesen.
Momentan finden im MCC freitags und samstags Kinovorstellungen statt. Das System lässt sich für solche Zwecke auf 5.1-Surround erweitern. Die Audiosignale gelangen vom DVD-Player in die Kanäle 33-38. Die einzelnen Kanäle werden dann direkt auf die Matrix-Sends des Pultes geroutet - nicht über Busse - und danach auf die Outputs des M7CLs. Von dort werden sie weiter auf eine DME64N geschickt, wo das Standard-5.1-Format in einer noch größeren Matrix aufgeht, um die Größe des Raums voll zu unterstützen. Wird statt der Kino-Szene die Konzert-Szene aufgerufen, werden dieselben M7CL-Outputs als Monitor-Sends verwendet.
Die Flexibilität und die einfache Bedienung der Anlage sorgen dafür, dass bei den Kinovorstellungen kein gelernter Toningenieur anwesend sein muss. Das System berücksichtigt die unterschiedlichen Wissensstände potenzieller User und richtet sich danach aus.
Scott erklärt: "Wir haben drei verschiedene User-Ebenen am M7CL eingerichtet. Die erste ist die Gast-Ebene, bei der vorbereitete Mischszenen aufgerufen und nur in engen Grenzen editiert werden kann. Bei der zweiten, der "Gig"-Ebene, können Szenen aufgerufen und eigene Szenen gespeichert, nicht aber Output-Zuweisungen oder ähnliches verändert werden. Zu guter Letzt gibt es eine Administrator-Ebene, wo man machen kann, was man will. Jede Ebene ist über ein Passwort und/oder über einen USB-Stick zugänglich.
Jeder, der involviert war, ist zu Recht stolz auf das Erreichte. Was keiner für möglich gehalten hat, ist wahr geworden. Das MCC wurde im Herzen der Gemeinde Montserrats errichtet und bietet den Insulanern endlich einen zentralen Anlaufpunkt.
Chris Runciman: "Das Yamaha-System bildet das Sahnehäubchen auf der Torte. Ich hätte nie gedacht, dass der Saal so gut aussehen und so gut klingen würde. Wir haben den Leuten auf Montserrat etwas hinterlassen, das ihnen sowohl als Vergnügungszentrum als auch für kulturelle Anlässe gute Dienste leisten wird. Die jüngere Generation profitiert davon, weil sie hier lernen und an den Fähigkeiten feilen kann, die sie in der Entertainment-Branche benötigt."
Das letzte Wort hat natürlich Sir George Martin: "Es war eine gute Erleichterung, dass wir uns bei einem Großteil der Soundanlage auf die Kompetenz von Yamaha stützen konnten. Es hat mich außerdem erfreut, dass Yamaha die Wichtigkeit des Ausbildungs-Aspektes klar erfasst hat und ein System gestaltete, das einerseits einfach in der Bedienung und andererseits umfassend genug ist, allen Anforderungen dieses Veranstaltungsorts gerecht zu werden."

"Ich hoffe sehr, dass unser Zentrum beim Regenerationsprozess der Insel eine positive Rolle spielen kann. Wir sind unseren Freunden von Yamaha alle sehr dankbar, und zwar nicht etwa nur wegen der Fachkenntnis und des guten Equipments, sondern wegen der ganz offensichtlichen Begeisterung, mit der man uns geholfen hat, unsere Ziele zu realisieren."