
Sagen Sie nicht, die Beschallung einiger Konferenzräume sei eine triviale Aufgabe. Die vollständige Neuinstallation einer aufwändigen Audio- und Medientechnik im Konferenzzentrum des Swissôtel Zürich ist ein gutes Beispiel für die beeindruckende Flexibilität der Digital Mixing Engine DME64N - und dafür, wie einfach die Steuerung hochkomplexer Systeme heute für den Anwender sein kann, wenn bei der Konzeption und Programmierung vorher alle Register gezogen wurden...
Das Swissôtel Zürich ist ein großes Top-Hotel mit 347 Zimmern auf 31 Stockwerken im Zürcher Quartier Oerlikon. Im Jahre 2007 wurde das Convention Center im ersten Stockwerk umgebaut und mit einer vollständig neuen Technik bestückt, so dass das Hotel heute über das wohl modernste Kongresszentrum Zürichs verfügt. Hier sind Deutschschweiz und Westschweiz jeweils nur einige Hundert Quadratmeter groß - besser gesagt die beiden gleichnamigen Konferenzbereiche, deren Räume jeweils nach Städten in diesen Gebieten benannt wurden. Ein großzügiges Foyer mit edlem Ambiente verbindet die beiden Sektionen mit drei großen und fünf kleineren Räumen. Das ausgesprochen flexible Raumkonzept ermöglicht das Kombinieren oder Teilen der einzelnen Räume auf vielfältige Art und Weise - vom kleinen Konferenzraum, der völlig unabhängig von den Events in anderen Räumen funktioniert, bis zum Saal mit 650 m² für maximal 800 Personen. Gleichzeitig stellt dieses Konzept eine echte Herausforderung für die dort installierte Medientechnik dar, die sich der gewählten Raumkonstellation natürlich nahtlos anpassen muss - und zwar im Normalfall ohne technisches Fachpersonal.

Auftragnehmer für die Konzeption, Planung und Realisierung der gesamten Audio- und Videotechnik sowie die Programmierung der Raumsteuerung (AMX) war der Kommunikationstechnik-Spezialist Kilchenmann Telematik, ein Unternehmen mit rund 140 Mitarbeitern an drei Standorten in der Schweiz. Für die anspruchsvolle Programmierung der insgesamt fünf installierten DME64N-Systeme holte man sich externe Unterstützung: Andreas Baumann, Geschäftsführer der Mediensystemhaus GmbH in Zürich, hatte die Aufgabe, die von Kilchenmann Telematik für alle denkbaren Raumkonstellationen konzipierten Szenarien bereitzustellen. Diese lassen sich im täglichen Konferenzbetrieb über AMX-Touchpanels mühelos abrufen. Der Anwender muss dazu nur eine simple Schaltfläche berühren - im Hintergrund aktiviert er jedoch ein komplexes Signalbearbeitungs-Setup aus Routing, Entzerrung, Laufzeitkompensation, Dynamikbearbeitung und vielen anderen Komponenten, das vollständig innerhalb der DME64N-Einheiten realisiert wird.

Räume und Technik
Für Bern, Basel und Zürich, die drei Räume der Deutschschweiz mit zusammen rund 650 Quadratmetern, ist im Technikraum jeweils eine eigene DME64N-Einheit zuständig; die fünf Räume der etwa 300 Quadratmeter großen Westschweiz werden von zwei weiteren DME64N bedient. Die geballte DSP-Leistung der fünf DMEs, die via EtherSound-Audionetz miteinander und mit den übrigen Audiokomponenten verbunden sind, sorgt dafür, dass die akustischen Gegebenheiten in jeder Situation optimal sind - egal, ob in einem Raum gerade eine Konferenz mit komplexer Mikrofoninstallation oder eine Video-Präsentation stattfindet.

Das gesamte Setup umfasst vier achtkanalige Mikrofon-Frontends des Typs MLA8 und sechs Digitalmischpulte von Yamaha - ein LS9-16, ein LS9-32 sowie vier 01V96 V2. Dazu kommt unter anderem umfangreiche Drahtlostechnik von Shure. Und natürlich ist auch die übrige Konferenz- und Medientechnik vom Feinsten: Beamer mit bis zu 10.000 ANSI-Lumen, Leinwände mit 35 m², Plasma-Großbildschirme, Video-Conferencing, W-LAN, Kabinen für Simultan-Dolmetscher sowie eine mit LEDs realisierte 360°-Lichtprojektion stehen auf der Liste der Technik, die das Hotel seinen Gästen auf Wunsch bereitstellt.

Einfachheit für den Anwender
Eine professionelle Audiolösung für ein Konferenzzentrum muss heute in Standard-Situationen auch dann perfekt funktionieren, wenn kein Techniker am Pult sitzt. Dafür sorgt im Swissôtel Zürich Convention Center eine von Kilchenmann ausgefeilte Programmierung der AMX-Raumsteuerung, bedient über Touchscreens, die in jedem der acht Räume installiert sind, sowie der DME-Einheiten, die über RS232 von den Touchpanels gesteuert werden. Die für das Ergebnis wesentlichen Entscheidungen trifft das System dabei in Abhängigkeit von der aktivierten Raumkonstellation und dem gewünschten Szenario. So "weiß" die Anlage beispielsweise selbst, auf welcher Raumseite der Sprecher steht, steuert Priorität und Laufzeitverzögerung der einzelnen Lautsprechergruppen entsprechend und ordnet die auf dem Touchpanel verfügbare manuelle Lautstärkeregelung den richtigen Signalausgängen zu. Ebenso werden beispielsweise Beamer, Leinwand, Licht und Klima passend zur gewählten Konfiguration in den Zugriff des Bedieners gestellt.
Komplexität im Hintergrund
Die von Andreas Baumann mit Hilfe von Yamahas "Designer"-Software durchgeführte Programmierung der insgesamt fünf DME64N-Einheiten für das Swissôtel Zürich Convention Center nahm mehrere Wochen in Anspruch und gehört vermutlich zu den bisher anspruchsvollsten ihrer Art - wie so oft werden die Dinge gerade dann komplex, wenn am Ende alles ganz einfach gehen soll. Die Lösung für die Deutschschweiz war dabei vergleichsweise leicht zu realisieren, da jedem Raum eine eigene DME64N zur Verfügung steht, die über passende Presets mit der jeweilig erforderlichen Matrizierung gesteuert wird.

Kniffliger wird die Aufgabe dann, wenn wie in der Westschweiz eine DME64N-Einheit für mehrere Räume zuständig ist - werden diese nämlich unabhängig voneinander und parallel für verschiedene Aufgaben genutzt, so ist das einfache Umschalten von Presets keine Option mehr, da dies in einem anderen, von der gleichen Engine gesteuerten Raum beispielsweise zu unerwünschten Signalunterbrechungen führen könnte. Andreas Baumann: "Die größte Herausforderung bestand bei der Programmierung der Westschweiz darin, den Abruf aller gewünschter Szenarios zu ermöglichen, ohne dabei die Parameter für die nicht betroffenen Säle zu verändern. Wir haben dieses Problem über Matrizen gelöst und dabei die Rechenleistung der beiden DME64N möglichst effizient genutzt."
Auch die Zuordnung der einzelnen Signalverarbeitungs-Prozesse auf die einzelnen DSP-Bausteine des DME64N war für die Westschweiz nicht ganz trivial, so dass diese Aufgabe nicht wie üblich durch einen automatischen Compiler erledigt werden konnte.
Andreas Baumann hat bei der Programmierarbeit im Designer zahlreiche User-Module verwendet, um das Layout möglichst übersichtlich zu halten. Diese User Module sind eigenständige Schaltungsblöcke, die im Gegensatz zu den zahlreichen fest vorgegebenen Signalverarbeitungs-Komponenten im Designer vom Anwender frei mit den gewünschten Modulen etwa für Entzerrung und Dynamikbearbeitung "befüllt" werden können. Da sie viele Einzelmodule in einer "Blackbox" zusammenfassen und ihr Innenleben erst nach einem Doppelklick offenbaren, tragen sie wesentlich zu einem leichter überschaubaren Gesamt-Layout bei. Auf diese Weise hat Andreas Baumann beispielsweise für jeden Saal ein Input-Modul vorgesehen, das Komponenten wie die Mikrofon-Signalbearbeitung, einen Ducker, die Matrizierung sowie die Summierung enthält. Ausgangsseitig stellen die Eingangsmodule dem System eine Stereosumme der beteiligten Medien sowie eine Monosumme der Mikrofonsignale zur Verfügung.

Ein weiteres User-Modul definiert, welche Medien- und Mikrofonsummen der fünf Säle in den verschiedenen Szenarien miteinander verkoppelt sein müssen: Sind beispielsweise drei Säle für eine Veranstaltung miteinander verbunden, dann müssen genau die Pegel dieser Säle beim Zugriff durch den Anwender gemeinsam geregelt werden, während die der übrigen Räume unbeeinflusst bleiben. Über Ausgangs-Matrizen für jeden Saal sowie einen Source Selector für jede der drei Summen werden die Ausgangssignale dann einem individuellen, ebenfalls im DME64N realisierten Speaker Processing für die verwendeten Lautsprecher zugeführt. Insgesamt umfasst allein die DME-Programmierung der Westschweiz mehr als 250 Einzelmodule.
Und alles das für ein - allerdings sehr erstrebenswertes - Ziel: Unverständliche Ansprachen, pfeifende Mikrofone sowie akustische Überraschungsangriffe mit Diskotheken-Pegel gehören zu den Dingen, die den Gästen des Swissôtel Zürich Convention Center in Zukunft zuverlässig erspart bleiben werden...
Kilchenmann AG Telematik

Die Schweizer Kilchenmann AG beschäftigt an ihren drei Standorten in Kehrsatz, Arlesheim-Basel und Zürich insgesamt rund 140 Mitarbeiter, von denen etwa 80 im Bereich Telematik tätig sind. Das Unternehmen realisiert audiovisuelle Gesamtlösungen in den Bereichen IT und Kommunikationstechnik, wobei das Spektrum von Schulungs- und Konferenzräumen über Breitband-Kabelnetze bis hin zu Großbildprojektionen und Präsentationssystemen reicht. Allein für die Programmierung von Touchpanels zur Mediensteuerung beschäftigt Kilchenmann fünf Mitarbeiter. Neben der Telematik betreibt das Unternehmen einen Event- und Mediaservice für Veranstaltungstechnik sowie einen Fachhandel für gehobene Multimedia-Technik in Privathaushalten.
www.kilchenmann.ch
Mediensystemhaus GmbH, Zürich
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Die von Andreas Baumann und Christoph Jäger gegründete Mediensystemhaus GmbH projektiert und realisiert Teil- und Gesamtsysteme für die Übertragung, Bearbeitung, Überwachung und Steuerung von Audio- und Videosignalen. Diese Systeme werden unter anderem in Broadcast-Häusern, Tonstudios und Kinos genutzt. Zu den Spezialgebieten des Unternehmens zählt die Programmierung und Konfiguration von DSP Systemen.
www.mediensystemhaus.ch