Yamaha DME: Aufbruch zu den Sternen


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Das Planetarium in der Cité des Sciences in Paris La Vilette


Interieur

Planetarien wurden zwar in Europa erfunden, und es gibt zahlreiche Einrichtungen in Deutschland oder Großbritannien. Aber obgleich diese aufwändigen Astronomie-Vorstellungen inzwischen selbst nach Nordamerika vorgedrungen sind, wurden Sie im sonst so fortschrittlichen Frankreich lange eher stiefkindlich behandelt. Dennoch gibt es heute in fast allen großen Städten des Landes Planetarien verschiedenster Größen. In Paris wäre natürlich zunächst die Anlage im Palais de la Découverte zu nennen. Jedoch ist das Planetarium in der berühmten Cité des Sciences (Stadt der Wissenschaften) die neuere und auch modernere Einrichtung. Vor allem seit einer umfassenden Modernisierung im August 2006 ist sie auf den neusten Stand der Technik gebracht worden und verfügt nun unter anderem über eine nagelneue Audioanlage, die von komplett von einer Yamaha DME64N gesteuert wird.


Das DME-Rack

In einem modernen Planetarium ist die kuppelförmige Decke für die Projektion des Sternenhimmels noch immer unentbehrlich. Die Anordnung der Plätze im Raum aber hat sich verändert. Während die Zuschauer früher rund um die in der Mitte des Raums positionierte Projektsanlage herumsaßen, erlaubt heute moderne, übergangslos arbeitende Videotechnologie (InSpace System™), die Lichtquellen anders im Raum zu verteilen. Die Zuschauer können nun frontal auf die Projektionsfläche blicken, und die acht Projektoren für wesentlich mehr verschiedene Inhalte verwendet werden, so zum Beispiel für Himmelsprojektionen, Mond- und Sonnenfinsternissen, Flüge über die Marsoberfläche, Beobachtungen der Jupitermonde, die Bewegungen der Sterne oder die Betrachtung der Milchstraße.

Die neue Anordnung der Sitze, die der in einem IMAX-Kino ähnelt, erlaubt die Verwendung eines 5.0-Systems (drei Front-Kanäle, zwei Rear-Kanäle, kein LFE) plus eines Zenit-Kanals (in der Höhe). Es handelt sich jedoch nicht um eine Kino-Soundanlage mit drei Boxen hinter einer Leinwand, von denen aus der Sound nach vorn ausgestrahlt wird, sowie einer Doppelreihe Boxen für die Beschallung von hinten. Hier wird vielmehr der Eindruck von einem alles umhüllenden Soundteppichs zum tiefen Eintauchen in das Geschehen angestrebt. Eine Ortung einzelner Lautsprecher darf nicht möglich sein. Die 256 Plätze müssen möglichst gleichmäßig beschallt werden, aber mindestens bei 80%. Da der Vorführsaal auch für andere Anwendungen benutzt werden kann, mussten auch im Hinblick auf eine größtmögliche Flexibilität Vorkehrungen getroffen werden (z.B. die Möglichkeit des Abspielens von DVDs oder SACDs). Überdies wurden die Pegel angepeilt, die im Kino Standard sind, obgleich der gesetzlich erlaubte maximale Schalldruckpegel von 105 dBSPL in weiter Ferne bleibt. Vielmehr wird die Anlage mit Rücksicht auf das Publikum selten lauter als 70 dBSPL gedreht.

An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Kuppel im Cité-des-Sciences-Planetarium, also die Projektionsfläche, aus perforierter Leinwand besteht, die über eine Schalldurchlässigkeit von nur 10% verfügt. In anderen Worten: 90% der akustischen Energie, die von den dahinter versteckten Schallwandlern kommt, erreichen das Publikum nicht. Außerdem hat der Saal Probleme mit einer Raummode im 100-Hz-Bereich.

Die Audioanlage des Cité-des-Sciences-Planetarium wurde von der Firma Taylor Made System entworfen und installiert. Das Unternehmen war hier in der Cité des Sciences schon für eine andere Audioanlage verantwortlich, und zwar in der zentralen Eingangshalle der Cité des Sciences, wo enorm schwierige akustische Bedingungen vorherrschten. Man entschied sich dort für ein eigens angefertigtes System mit sehr speziellen, zylindrisch abstrahlenden Boxen.

Beim Planetarium verließen sich Jacques Fuchs und Patrick Thévenot auf Markenware, um zu erreichen, dass vor allem das Ohr (und nicht zwingend die Messegeräte) die Boxen als identisch klingend wahrnimmt. Aber es musste auch sichergestellt werden, dass die Lautsprecher nicht geortet werden können. Sie sollten über eine akustische Signatur verfügen, die innerhalb des Abstrahlbereichs so gut wie identisch bleibt. Dies erforderte gründliche Vorüberlegungen und eine große Disziplin.

"Wir besannen uns auf die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Stereophonie, und damit meinen wir nicht einfach nur, wie oftmals fälschlicherweise angenommen wird, zwei Boxen", erklärt Audiofachmann Jacques Fuchs. Bei der Stereophonie handle es sich vielmehr um eine Technologie, die auf Laufzeit- und Pegelunterschieden basiert. "Sie erlaubt uns, aus einer endlichen Anzahl tatsächlicher Signalquellen unendlich viele virtuelle Signalquellen zu kreieren - im Panorama wie in der Tiefe. Ursprünglich wollten wir wieder ein System mit speziell angefertigten zylindrischen Boxen wie in der zentralen Eingangshalle einsetzen. Aber das Lösungskonzept war zu teuer. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, Boxen mit einer asymmetrischen vertikalen Richtcharakteristik zu nehmen, aber die Modelle am Markt waren nicht in der Lage, alle Plätze zu beschallen.

Die Lösung war, die Boxen in Clustern anzuordnen. Jeder Cluster hatte einen eigenen Subwoofer. Bei der Aufstellung wurden die Anforderungen an einen ITU-Kreis erfüllt: ±30° für Front-L und Front-R in Bezug auf C, ±110° für Surround-L and Surround-R.


Die DM1000-Konsole in der zentralen Regie

Für die Yamaha-DME-Engine hat man sich wegen ihrer Präzision und ihre Leistungsfähigkeit entschieden. Die DME kümmert sich via Preset-Verwaltung um die verschiedenen Höreinstellungen, das Bassmanagement und um die Equalizer (mehr als 250 Parametrische EQs wurden sehr präzise eingestellt - ein Beispiel: +4,5 dB bei 2150 Hz mit einer Q von 0,08). Außerdem dient sie als aktive Frequenzweiche für die Signale, die zum Subwoofer und zu den Mitten/Höhen-Lautsprechern gehen und liefert die Limiter für alle Outputs. Sie ist konstant zu über 80% ausgelastet.

Mit der DME64N wird außerdem die Gesamtlautstärke bestimmt, und die ganze Anlage kann über sie stumm geschaltet werden. Ihre Ausgänge wurden mit fünf 4-Kanal-Endstufen verbunden, die insgesamt 14000 Watt liefern. Eine im hinteren Teil des Raums positionierte Yamaha DM1000-Digitalkonsole verwaltet alle benötigten Signalquellen und ist digital mit der DME verbunden. Die Installation (Equipment und Verkabelung) wurde von der Firma IEC durchgeführt.

Der Eindruck, vom Klang umgeben zu sein, ist dabei sehr gut gelungen. Der Sound verschmilzt buchstäblich mit dem Bild. Aber auch das reine Abspielen von SADC oder DVD-Audio in 5.1. klingt großartig. Auch wenn man sich durch den Raum bewegt, bemerkt man weder Veränderungen bei der Klangfarbe noch bei der Balance. Das System hat ordentlich Kraft im Bass, ohne dass dieser zu aufdringlich wäre.

Etwas Geschichte:

Das erste "optische" Planetarium wurde von Carl Zeiss gebaut und 1920 in München eingeweiht. Der Himmelsprojektor bestand aus einer beweglichen Hohlkugel, die von innen kräftig beleuchtet wurde, und die über feine klitzekleine Löcher verfügte, um die Sterne anzuzeigen. Die Projektion fiel auf eine kuppelförmige Decke.

Dieses Prinzip hat man bis in die 80er-Jahre hinein weiterverwendet und verfeinert. Danach aber wurden die Projektor-Kugeln durch eine neue Technologie ersetzt, die zuvor im Rahmen von Militär-Simulationen entwickelt worden war: Videoprojektion mit Computerunterstützung. Heute können dank des unglaublichen Fortschritts bei Videoprojektoren, Grafikkarten und bei der Computer-Rechenleistung voll digitale Planetarien realisiert werden. Es gibt eine ganze Reihe von Gesellschaften, die sich der Unterstützung der Einrichtungen widmen, so zum Beispiel die IPS (International Planetarium Society) oder hier in Frankreich die APLF (Association des Planétariums de Langue Française). Diese Vereinigungen leisten einen wichtigen Beitrag zu den Produktionskosten für die Vorstellungen.