Yamaha sticht in See


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Ein PM1D-System auf der Costa Concordia

112.000 Bruttoregistertonnen, 290 Meter Länge und eine Aufnahmekapazität von 3780 Passagieren: die Costa Concordia, das neueste Flaggschiff von Costa Cruises, ist ein echter Koloss unter den Kreuzfahrtschiffen. Seine gigantischen Ausmaße machen es nicht nur zum größten Passagierschiff Italiens - auch im europaweiten Vergleich ist es, was die Aufnahmekapazität betrifft, unschlagbar.

Die 13 Passagierdecks verfügen über nicht weniger als 1500 Kabinen, drei Swimmingpools, eine 2140 Quadratmeter große Wellness-Zone, eine 170 Meter lange Joggingbahn und 25 verschiedene Veranstaltungsräume, zu denen unter anderem das Athen-Theater mit 1.400 Sitzplätzen zählt.

Ihre moderne Technik haben diese Säle Nautilus Entertainment Design (NED) zu verdanken: Die Firma aus dem sonnigen Kalifornien übernahm die Entwicklung, das Projektmanagement und die Installations-Leitung für die so genannten LE-Systeme (Local Entertainment Systems).

NED arbeitete wiederum eng mit HMS Italien zusammen. Diese Firma hat sich schon vor vielen Jahren auf die Lieferung von Veranstaltungstechnik für Schiffe spezialisiert und konnte sich seitdem immer wieder erfolgreich bewähren. Eine der Innovationen, die NED auf der Costa Concordia einführte, ist die Verwendung eines PM1D-Mixing-Systems von Yamaha im Theatersaal des Schiffes, wie uns NEDs Audiodesigner Alan Edwards verrät.

Costas AV-Technik-Chef Paolo Campanelli befuhr schon als Kind mit seinen Eltern auf Costa-Passagierkreuzern die Meere. Und hierbei wurde auch sein Interesse für die TV- und Videotechnologie auf Schiffen geweckt. Schritt für Schritt eignete sich der junge Mann detaillierte Kenntnisse in diesen Bereichen an. Campanelli studierte noch an der Universität Telekommunikation, als man ihm anbot, das Costa-Team in Zukunft zu begleiten. In der Gewissheit, endlich seinen Traum verwirklichen zu können, sagte er sofort zu. Fortan sammelte Campanelli Erfahrungen in allen technischen Bereichen der Schiffe und stieg zum "Technical Manager Costa Entertainment" auf. Heute ist er verantwortlich für sämtliche Audio-, Video- und Licht-Techniker der ganzen Flotte.

"Auf Schiffen wie der Concordia arbeiten insgesamt elf Fachleute", erklärt Campanelli. "Hierzu zählen ein Toningenieur, ein Lichttechniker, ein Bühnen-Inspizient, ein Bühnentechniker, ein Bühnen-Assistent, drei Techniker für die Veranstaltungs-Säle, eine Person, die für die TV-Technik in der Sende-Regie verantwortlich ist, ihr Assistent und ein DJ."

Zu den ganz großen Neuerungen auf der Concordia gehöre ein vollautomatisierbares Hardware-Setup, fügt der Fachmann hinzu. "Der Toningenieur muss nur die 'Play'-Taste auf der Mehrspurmaschine in der Audio-Regie drücken, um einen Ablauf in Gang zu setzen, bei dem alle Komponenten der Show einem Test unterzogen werden, bis diese am Ende den Startbefehl erhält. Dank der detaillierten Automations-Vorrichtungen kann sich der Toningenieur des Athen-Theaters voll auf die Arbeit am PM1D konzentrieren und stets angepasst an die Zuschauerzahl den bestmöglichen Sound gewährleisten. Um ein Höchstmaß an Betriebssicherheit zu gewährleisten, verfügt das PM1D-System über zwei gleiche DSP-Module und ist dank PM1D-Manager sogar in der Lage, die Shows von einem PC aus zu fahren, falls es irgendwelche Probleme mit dem Kontrollpult geben sollte."

Paolos Bruder, Sounddesigner und Audio-Programmierer Corrado Campanelli, arbeitet ebenfalls seit mehreren Jahren für Costa. Zu seinen Fachgebieten im professionellen Audiosegment gehört auch der Live- und Rundfunk-Bereich. "Ich begann mit 18 Jahren als Backliner auf Passagierschiffen", so Corrado. "Außerdem konnte ich auch Erfahrungen bei mehreren UKW-Radiostationen sammeln. Doch wo auch immer ich arbeitete, ich habe meinen Job immer sehr geschätzt."

Nach ersten schlichteren analogen Audiosystemen auf kleineren Schiffen der Flotte begann man bei Costa Cruises zunächst auf der Costa Atlantica, bestimmte Anwendungen vorzuprogrammieren. Dieses Schiff war also das erste mit einer Art von Automation.

"Abläufe, die regelmäßig wiederholt werden müssen, versuchen wir mit den Szenen-Recall-Snapshots zu automatisieren - die Steuerung des Surround-Systems, die Effekte - oder was auch immer", fährt Corrado fort. "Es ist zum Beispiel überhaupt nicht kompliziert, die Stummschaltungen der Mikrofone über Timecode zu steuern. So wird menschliches Versagen verhindert, und der Toningenieur kann sich voll dem eigentlichen Sound und den Einstellungen der Equalizer widmen. Solche Features waren wichtige Argumente für uns, in die Digital-Domain zu wechseln und ein Yamaha PM1D-System zu installieren."

"Auf der Concordia wurde die Leistungsfähigkeit der Automation um ein Vielfaches weiter ausgeschöpft", erklärt Corrado weiter. "Und das hat folgenden Grund: Wenn zum Beispiel ein Musical vier Jahre lang laufen soll, dann müssen die Vorstellungen immer exakt gleich ablaufen, und zwar selbst dann, wenn die Techniker wechseln. Es ist also ratsam, einen Standard festzulegen und diesen aufrechtzuerhalten. Die Show soll sich niemals verändern, außer vielleicht ein paar Elemente, die bewusst manuell bedient werden - wie zum Beispiel die Frequenzbearbeitung der Mikrofonsignale oder von den Playbacks."

Es wurde daher eine Preset-Bibliothek mit EQ-Einstellungen für die Kanäle der Sänger vorbereitet, die dann via Timecode aufgerufen werden.

Zu Beginn der Show werden diese Presets geladen, aber danach wird natürlich manuell gearbeitet. Während der Show selbst passieren ständig Veränderungen, sei es nur die Anzahl der Zuschauer im Theater. Also werden die Summen für die verschiedenen Zonen des Theaters manuell gesteuert. Die PA des Athen-Theaters verfügt über zwölf separate Surround-Kanäle, über drei Kanäle für L/C/R und über einen für die Subwoofer.

Besonders begeistert war Corrado von der Programmierarbeit für das System: "Das war ein toller Job, und zwar besonders dann, wenn Verpatchungen beteiligt waren. Immerhin hat die Konsole 96 Kanäle, und weil wir es mit einem Schiff zu tun haben, mussten eine ganze Menge Sachen miteinander verbunden werden. Wir schöpften hierfür den Komfort der Total-Recall-Funktionen und die Flexibilität einer komplett digitalen Patchbay bis zum Letzten aus."

Campanelli kennt sich mit diversen Konsolen der Yamaha-Produktpalette inklusive dem PM5D-Pult beachtlich gut aus. Zum PM1D bemerkt er: "Es lässt sich sehr intuitiv bedienen und ist nicht sehr schwer zu programmieren. Eine Funktion, die ich oftmals benutzt habe, war 'Selective Recall'. Ich entschied mich auch dazu, sämtliche MIDI-Out-Programmiermöglichkeiten des Systems zu nutzen. Ein anderes sehr gutes Feature ist, dass man alle Parameter der Effekte auf die Drehregler in der Mitte des Bedienpultes legen kann, um richtige Knöpfe zum Anfassen zu haben, statt sich mit Maus und Tastatur auseinanderzusetzen. Die gleiche Vorgehensweise funktioniert auch bei den Grafik-Equalizern, welche in die verschiedenen Zonen insertiert werden können. Das Theater hat eine ganze Reihe von Zonen, die über die Matrizen gesteuert werden. Bei der sehr beeindruckenden Leistung, die uns zu Diensten steht, so ungefähr 120.000 Watt in Class C, macht ein Grafik-EQ ausgesprochen viel Sinn. Man kann diesen hier also insertieren und die DCA-Fader so zuordnen, dass man über sie die Parameter des Grafik-EQs bedienen kann."

Was die Selective-Recall-Funktion anging, programmierte Campanelli die erste Szene der Shows auf eine Weise, dass alle Effekte, die Librarys für FOH-Links und -Rechts, der Anfangsmix für die Surround-Kanäle und die Mikrofone geladen wurden. "Für spätere Szenen programmierte ich das System so, dass eine ganze Reihe von Parametern vom Szenen-Recall ausgeschlossen wurden. Dazu zählen die EQs für Links und Rechts, die Mikrofon-EQs, die Mikrofon-Fader und die Aux-Sends - also einfach all das, was manuell bedient wurde. Wir verwenden fast 80 Kanäle für jede Show. Die Funktion ist also von entscheidender Wichtigkeit."