ZDF mit Yamaha PM1D-System bei der Fussball-Europameisterschaft 2004


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Als weitaus zuverlässiger als die Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der Euro 2004 in Portugal hat sich die Produktionstechnik des zweiten deutschen Fernsehens erwiesen. Pünktlich zu den technischen Vorbereitungen in Mainz lieferte sono Studiotechnik GmbH aus München zwei betriebsfertige Sendeton-Regiesysteme von Yamaha an die Abteilung der mobilen Produktionstechnik des ZDF aus. Für die zentrale Sendeabwicklung im IBC in Portugal entschied man sich für ein PM1D-System und in der Studioregie des Hotel VIP Eden in Lissabon kam eine DM2000 Konsole zum Einsatz.

Die Systementscheidung für Yamaha fiel aufgrund der Zuverlässigkeit der bereits vor einigen Jahren ausgelieferten PM1D-Systeme, die regelmäßig bei Großproduktionen wie „Wetten dass...“ ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Auch sind die meisten Schnittplätze und Mischregien beim ZDF mit Yamaha-Pulten ausgestatten, die wegen der Flexibilität und Funktionalität sowohl bei Benutzern als auch der Messtechnik einen guten Ruf genießen.

Ausstattung

Das PM1D-System im IBC wurde mit insgesamt 5 Eingangs- und 3 Ausgangs-Units ausgeliefert (2xAI 8-ML8AB, 3xAI 8-ML8F, 3xAO 8-DA8). Die Schnittstellen wurden hier durchgehend analog gewählt, um in die bereits bestehende Video-Systemtechnik integriert werden zu können. Nachdem die Signalverteilung für die diversen Sendestrecken, Schnittplätze und Aufzeichnungsgeräte über eine 256x256 SDI-Videokreuzschiene mit embedded-audio realisiert wurde, sollte die Integration der Tonsignale über die analogen Ein- und Ausgänge der bereits vorhandenen Embedder/Deembedder erfolgen. Auf eine Audio-Kreuzschiene wurde in Hinblick auf das ohnehin vorhandene interne Routing des PM1D-Systems verzichtet. Die DSP-Unit sowie sämtliche Wandler-Units waren im zentralen Geräteraum untergebracht. Nicht nur die kurzen Wege zu den De-/Embeddern und den Aufzeichnungsgeräten waren dafür der Grund, auch das Ein-Raum-Konzept der Regie mit der Platzierung der CS1D Bedien-Oberfäche direkt neben dem Bildmischer machte eine Trennung erforderlich: Die Units hätten bei voll besetzter Regie-Mannschaft einfach keinen Platz gefunden. Außer einem Jünger d02 Summen-Limiter und einem Audio-Zuspieler kamen übrigens keine zusätzlichen externen Prozessoren zum Einsatz. Die Verbindung der Konsole mit der DSP wurde über eine Distanz von 75m mit zwei Halfpitch-Kabel und redundanten Steuerleitungen hergestellt.

Die DM2000 Konsole im Hotel VIP-Eden übernahm die Vormischung der Interviews für die Sendeabwicklung im IBC. Neben einer kompletten Case-Lösung mit Meterbridge und Seitenteilen wurden drei AD824 und zwei DA824 inklusive einer flexiblen, sono eigenen Systemverkabelung ausgeliefert. Ein AD824 und ein DA824 installierte man im benachbarten ZGR zur Verbindung mit Zuspielern und Embeddern, zwei AD824 und ein DA824 setze die technische Abteilung über AES/EBU zum Studio auf dem Hoteldach ab. Zusätzlich verlegt wurde eine RS422 Steuerleitung, um vom Pult aus die Vorverstärkung für die dort an die Pre-Amps angeschlossenen Mikrofone zu regeln.

Technisches Konzept

Die Regie im IBC in Lissabon wurde als Ablaufregie konzipiert. Hier wurden alle senderelevanten Signale gemischt und entsprechende Rückversorgungstöne an die Außenstellen verteilt. Während der Euro 2004 waren 4 Fernsehübertragungswagen (2 vom ZDF und 2 von der ARD) im Wechsel an den jeweiligen Spielorten, um die Signale aus den Stadien vorzumischen und über Satellitenstrecke an die Sendeabwicklung in Lissabon zu übergeben. Lokale Signale wie IT, Kommentar und Interviews wurden also am entsprechenden Stadion als sendefertiges Signal produziert.

Im VIP Eden wurden die Gesprächssituationen auf dem Hoteldach mit den lokalen Zuspielungen gemischt und ebenfalls über Satellitenstrecke an die Ablaufregie übergeben, wo die Programmverantwortlichen über Ablauf, Timing und Gestaltung der ZDF-Sendung zu entscheiden hatten. Zusätzliche Peripherie wurde nicht benötigt, die Signalbegrenzung der Sendesumme wurde mit dem pulteigenen Limiter realisiert.

Ablaufregie

Zur Versorgung aller Außenstellen mit dem Programmton der ZDF-Sendung wurden über die insgesamt 40 ISDN-Codecs N-1 matrizierte Rücktöne an die Außenstellen gesendet. So konnte ein Reporter im Stadion eine Gesprächssituation auf dem Hoteldach in quasi Echtzeit mitverfolgen und auf eine Anmoderation Bezug nehmen. Für die Bildung der n-1 Rückwege wurde die bereits im Pult integrierte Funktion verwendet, bei der auf Kopfdruck Mixbusse automatisch n-1 matriziert werden. Zur Vermeidung von Leitungsechos empfingen die Subregien also alle senderelevanten Töne, außer der eigenen, lokal produzierten Vormischung.

Die Kommunikation für inhaltliche und technische Absprachen wurde über den zweiten Audio-Kanal der Codecs realisiert. Die 4-Draht-Verbindungen wurden über digitale Intercom-Systeme von Riedel unterverteilt.

Um die vielen Signale und Zuspielungen aus der Ablaufregie im schnellen Zugriff zu haben, wurde die CS1D-Konsole im „vertikal pairing“-Mode betrieben. „Gepairte“ Kanäle haben den Kanal-Fader des rechten Signals in der unteren Ebene, was mehr unterschiedliche Signalquellen auf der ersten Ebene erlaubt. Insgesamt lag die stolze Zahl von knapp 48 Stereo-Quellen am Pult auf. Einige davon waren zwar Backup-Signale, doch musste zum Beispiel für kurzfristige Sendeplanänderungen auch eine Sendefähigkeit der 4 AVID Schnittplätze im IBC ermöglicht werden. Die hohe Anzahl erklärt sich in der konsequent 4 kanaligen Verarbeitung der Signale. So wurde die Sendung nicht nur in Stereo gemischt, sondern zusätzlich zu Archiv-Zwecken eine Stereo-IT-Fassung produziert. Spielszenen aus den Stadien wurden mit Kommentar live gesendet, eine zusätzliche Atmo-Mischung ohne Kommentar wurde parallel nach Mainz gesendet und auf die Schnittmaschinen aufgezeichnet, um archiviert oder in gekürzter Form noch einmal in die Sendung eingespielt zu werden.

Ein Dolmetscher, der fremdsprachige Spielerantworten übersetzte, saß übrigens nicht vor Ort, sondern in einem Sprecherraum in Mainz. Das fremdsprachige Signal wurde über Codec zum Dolmetscher, die Übersetzung wieder zurück nach Lissabon und dort auf Sendung gegeben, welche dann über eine Satellitenleitung direkt zur Sendetechnik des ZDF nach Mainz gesendet und von dort verteilt wurde.

Die Technik des ZDF bereitet sich nach der Euro 2004 auf die olympischen Spiele in Athen vor. Horst Dünchem, Verantwortlicher für die Tontechnik, sieht den Veranstaltungen in Griechenland nach dem reibungslosen Einsatz der neuen Technik in Portugal jedenfalls gelassen entgegen.