Radio France ist seit einer Weile dabei, die Übertragungswagen des Senders auf den neuesten Stand zu bringen. 2002 war das erste Fahrzeug, die "Regie 1", an der Reihe - mit moderner Technik rund um ein Studer-D950-Digitalpult. Dieses Jahr im März 2007 folgte die "Regie 2", deren Zentrum eine SSL-C100-Digitalkonsole im "Mix"-Bereich und eine EtherSound/AD8HR/DM1000-Kombination im "Sende"-Bereich bildet.

Die öffentlich-rechtliche französische Hörfunkanstalt Radio France hat schon immer seine eigenen Übertragungs- und Aufnahmewagen ausgestattet, unabhängig von der Größe. Ü-Wagen, die man bei ganz großen Events sieht, tragen stets die Worte "Radio France" - egal, ob es um die "Tour de France", das "Francofolies Festival" in La Rochelle, Konzerte beim "Cité de la Musique"-Musikzentrum in Paris oder das "La Roque d’Anthéron Piano Festival" geht. Die eigenen Programme "France Inter" (Talk-Sendungen), "France Musique" (Klassik-Radio), "FIP" (Metropolenprogramm von Paris, Straßburg, Nantes, Bordeaux und Montpellier) und das "France Bleu"-Mantelprogramm der Regionalsender verwenden ebenfalls "Radio France"-Übertragungswagen.
Die großen LKWs sind für gewöhnlich in zwei Bereiche aufgeteilt: Zum einen gibt es hier den "Mix"-Bereich für Live-Stereo-Mischungen (und Mehrspuraufnahmen, falls notwendig) des jeweiligen Konzertes selbst, die eher unabhängig von der hauseigenen Beschallungsanlage sind. Und es gibt den "Sende"-Bereich, wo verschiedenste Signalquellen auflaufen werden - so zum Beispiel der Stereo-Out vom Haus-Mischpult oder die Signale von den Moderatoren und ihren Gästen - also all das, was sich normalerweise im Bühnenbereich befindet. Hinzu kommen hier weitere Signalquellen wie CD-Player, Tapedecks für Kommentar-Einspielungen oder automatisierte Rundfunk-Spezialgeräte (von Herstellern wie Nétia). Die im Fahrzeug produzierte Sendung wird ausstrahlungsbereit via Audio-Codec zu Radio France geschickt.
Die 19 Tonnen schweren LKWs waren in den 80ern und 90ern mit Analog-Konsolen ausgestattet. In den letzten Jahren wurden sie nach und nach gegen Fahrzeuge ausgetauscht, die mit digitalen Konsolen und anderem digitalem Mix-Equipment bestückt sind. Die Verbindung mit den Stageboxen erfolgt seitdem über Glasfaserkabel. Nach der "Regie 1", die 2002 eingeführt wurde und über ein Studer-D950-Digitalpult verfügt, wurde im März 2007 die "Regie 2" in Betrieb genommen. Wieder hat man sich für einen 19-Tonner entschieden, diesmal aber ausgestattet mit einer SSL-C100-96-Kanal-Konsole für den "Mix"-Bereich. Im "Sende"-Bereich hingegen wählte man ein Yamaha-DM1000-Digitalmischpult, einen Yamaha-AD8HR-Preamp, ein EtherSound ES8Out von Digigram und ein AVRed-ES von AuviTran zum verschicken der EtherSound-Signale.

Michel Rangon, System-Ingenieur bei Radio France, erklärt: "Das DM1000 ist bei Radio France weit verbreitet. Das Modell hat nach und nach alle Yamaha 02Rs, 01Vs und anderes Equipment für kleinere Tonmischungen in der Sendeanstalt ersetzt. Wir haben inzwischen mehr als ein Dutzend solcher Pulte. In diesem Fall aber werden sie für den Sendebetrieb eingesetzt, also anders als sonst. Für die ersten Touren hatten wir eine reinrassige Rundfunk-Konsole in der Sendekabine eingeplant, aber dies erwies sich als ziemlich kompliziert und wäre auch viel teurer gewesen. Das einzige preislich angemessene und unproblematische Equipment, das wir gefunden haben, um die auch Pegel der verschiedenen Mikrofon-Preamps nahe der Bühne (für Moderatoren und Gäste) vom Übertragungswagen aus fernzusteuern, bestand aus Yamaha/EtherSound-Kombination mit einer AVY16-ES-AuviTran-Karte in der Konsole und einem AVRed-ES/ ES8out-Gespann, das mit dem AD8HR-Preamp verbunden wurde."
"Wir stellten fest, dass bis zu fünf, für gewöhnlich nahe der Bühne positionierte Mikrofone für die Moderatoren und deren Gäste/Musiker benötigt werden würden. Da die Verbindung über acht Kanäle verfügt, benutzen wir die noch freien Leitungen, um den Main-Stereomix vom Mischpult der Haus-Anlage abzugreifen, falls er über diese läuft. Diese Signale erreichen dann das DM1000 im 'Sende'-Bereich des LKWs über ein eigenes Netzwerk, das komplett unabhängig vom 'Mix'-Bereich ist. Falls es ein Problem im 'Mix'-Bereich des Fahrzeugs geben sollte, schalten wir dann einfach auf das Mischpult der Beschallungsanlage und haben die Moderatoren nahtlos wieder auf der Konsole. Wir benutzen ein Elmann-Talkback.

Und was gibt es über die Leistungsfähigkeit des DM1000 im Sendebetrieb zu sagen, was ja eine eher ungewöhnliche Anwendung für das Pult ist? "Toll! Man kann damit automatisch das Playback starten, wenn der Fader des entsprechenden Kanals hochgezogen ist. Es kann eine rote 'On Air'-Lampe via GPI (General Purpose Interface) einschalten, um unseren Moderatoren Bescheid zu geben, dass sie auf Sendung und die Mikrofone scharf sind. Und die ergonomische Bauart des Pultes ist hervorragend. Es nimmt im 'Sende'-Bereich kaum Platz ein und verarbeitet alle Signalquellen, die benötigt werden." Und EtherSound? "Diese Technologie wurde von Radio France vor ein paar Jahren für eine Aufnahme der Oper 'Carmen' im 'Stade de France' ('Frankreich-Stadion' im Norden von Paris mit 80.000 Zuschauern Fassungsvermögen) zum ersten Mal benutzt. Alle Signale wurden über das Netzwerk verschickt. EtherSound ist ein sehr praktisches System, dass seitdem sehr populär wurde. Auch dort hatten wir es im Übertragungswagen." Man sollte übrigens auch erwähnen, dass die A17-2-Abhörmonitore in der Produktionskabine vom Schweizer Hersteller PSI über eine sehr akkurate Wiedergabe verfügen, obgleich sie wenig Platz einnehmen.
"Das Equipment hier in der Regie 2 reicht für 90 Prozent der Aufgaben, die bei Radio France anfallen. Wir brauchen das Studer D950 nur, wenn bei Veranstaltungen mehr als 100 Mikrofone benötigt werden." Direkt nach diesem Gespräch machte sich der LKW auf den Weg zum "Cité de la Musique"-Musikzentrum in Paris. Danach ging es weiter in die französische Stadt Bourges, dann nach Le Mans - und die meisten Veranstaltungen des französischen Festival-Sommers werden ebenfalls in den Genuss der "Regie 2" kommen - und Sie ebenfalls, zumindest, sobald Sie sich Sendungen von Radio France anhören.