L’Autre! (Silence!) - Drei DM2000-Pulte in einem mobilen Studio


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Die Firma Silence! ist einer der wichtigsten Audio-Anbieter in der französischen Hauptstadt Paris. 1996 gegründet, hat sich das Unternehmen auf Beschallung und Aufnahmen von Musiksendungen im Fernsehen spezialisiert. Dank umfassender Referenzen ("Victoires de la Musique", "Musicale de Canal" + "l’Album de la Semaine", "La Nouvelle Star" oder auch Michel Druckers Sendungen) genießt Silence! bei Rundfunk- & Fernseh-Anstalten sowie diversen Produktionsfirmen einen exzellenten Ruf.

Die Urbesetzung der Firma, bestehend aus den Toningenieuren Gilles Hugo und Daniel Dollé (alias "Shitty"), hat schon immer eine Affinität zu Equipment von Yamaha gehabt. Zum Gerätepark des Unternehmens, der sich in Saint-Denis nördlich von Paris befindet, gehören diverse Pulte von Typus PM1D, PM5D, M7CL, DM2000 und 02R96. Außerdem zählen drei PM5000-Modelle und mehrere DME-Digital-Engines dazu.

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Im Jahre 2001 kaufte Silence! mit "Slade" eine andere Tontechnik- und Verleih-Firma auf und erlangte auf diese Weise ein mobiles Tonstudio rund um eine "Dolby Surround"-kompatible 48-Spur-SSL-8000HG-Konsole. Mit diesem Wagen konnte Silence! das Tonsignal zur Fernseh-Regie übertragen, Mehrspur-Aufnahmen von Livesendungen durchführen und für Fernseh-Dreharbeiten die Tontechnik machen. Kunden aus dem Rundfunk- & Fernseh-Segment ziehen seither einen ungeheuren Nutzen aus den zusätzlichen Leistungen der Firma. Wegen des großen Erfolges neuer Musiksendungen wie "Star Academy" oder " La Nouvelle Star" war das mobile Tonstudio pausenlos in Betrieb.

Doch mit der Zeit kam die Ausstattung des Wagens in die Jahre. Die Analog-Konsole hatte kein "Total Recall", eine der wertvollsten Funktionen bei Digitalkonsolen - und obgleich zusätzliche Sub-Mixer hinzugefügt wurden, mal ein Sony DMX-R1000, mal ein M7CL, mal beide, war die SSL sowohl eingangs- als auch ausgangsseitig immer wieder am Limit. Einige Sendungen verlangten nach über 140 Inputs, sodass 48 Aufnahmespuren nicht mehr ausreichen sollten. Auch war wegen der Größe des Containers der Zugang zu manchen Geländen versperrt. Andererseits bestand eine steigende Nachfrage seitens der Kunden von Silence!. Zunächst mieteten Gilles und Shitty fremde Mobilstudios (so zum Beispiel den "Voyageur" von Dispatch oder einen Wagen von der Firma De Preference). 2004 aber entschied man sich für die Anschaffung eines weiteren eigenen mobilen Studios!

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Verschiedene Varianten wurden durchdacht, bis Gilles Hugo erfuhr, dass der frühere Voyageur III (das ehemalige SFP-Mobilstudio, fast 30 Jahre alt) zum Verkauf stand. Der Wagen war so gut wie leer, aber die Schalldämmung perfekt (ein sehr wichtiger Punkt für ein mobiles Studio). Innen verfügte das Fahrzeug für einen 19-Tonner über sehr viel Raum. Das Geschäft ging also über die Bühne.

Benoît Bertheau, der Projektmanager für das neue Fahrzeug, welches von nun an auf den Namen "L'Autre" ("Das Andere") hörte, erzählt aus dem Nähkästchen: "Die Anforderungen an das Mobilstudio waren recht einfach. Es sollte einfach alles können. Der LKW war quasi nackt, aber wir bauten ihn wieder auf - rekonstruierten die Dekoration, die Verkabelung, die abgehängte Decke und den größten Teil der Kabine, die mit dem hinteren, noch intakten Teil verbunden war. Unser großes Mobilstudio war Vorbild für den Aufbau des Innenlebens. Abhörseitig war ich froh, dass Genelec 1038 in die vorbereiteten Aussparungen passten. Später fügten wir noch Genelec 1030er- und Avantone-Boxen hinzu."

Für welche Konsole haben sie sich entschieden? "Wir wollten unseren Kunden gleich alle Möglichkeiten offen lassen und haben uns letztendlich für den Einbau von drei Yamaha DM2000 entschieden. Die Solofunktion und die Busse aller Konsolen sind dabei verbunden." Und warum diese Konsole? "Das Preis/Leistungsverhältnis war gut, wir kannten die Pulte schon, da wir bereits einige zu unserem Equipment zählten, und die Anschluss- und Erweiterungs-Möglichkeiten über MY-Karten passten genau zu der von uns geplanten Anwendung. Das Potenzial stimmt und der Support von Yamaha ist bestens", erklärt Gilles Hugo. "Wir statteten das Mobilstudio außerdem mit neun Yamaha-AD8HR-Preamps aus, deren AES/EBU-Ausgänge mit den DM2000-Pulten verbunden sind. Außerdem installierten wir TDIF-Ausgangs-Karten für den Anschluss von Tascam-Mehrspurrekordern (mehrere DA-98 und X-48) für die Aufnahme der Sendungen. So bekamen wir eine richtig gute Audioqualität hin, und da unsere Toningenieure die DM2000-Pulte schon kannten, klappte alles wie am Schnürchen."

Benoît Bertheau ist derselben Meinung: "Am Anfang gab es ein paar Toningenieure, die Analogtechnik bevorzugten und von daher gar nicht sehr begeistert waren. Aber nach nur wenigen Sessions gab es keine Beschwerden über die Digitaltechnik mehr. Jeder hat seine eigene Mix-Methode. Einer unserer Tonleute zieht es zum Beispiel vor, gar nicht auf die Bildschirmanzeigen zu achten, sondern nur über sein Gehör wie bei einer Analog-Konsole zu mischen. Aber er ist sehr zufrieden mit der Signalverarbeitung vom DM2000. Selbst bei Gruppen wie Archive oder Muse, die einen markanten Analog-Sound haben, hat L’Autre! eine Klangqualität zu bieten, die sich weit vom Standard-Digitalsound abhebt."

In der "einfachen" Konfiguration mit zwei Pulten (nebeneinander angeordnet) verarbeitet L’Autre! bereits 96 Inputs auf 48 Spuren. Schaltet man die dritte Konsole, die im rechten Winkel zu den anderen positioniert ist, hinzu, kommt man auf 144 Inputs (4x36 Paare). Das ist für normale Aufträge im Prinzip genug (obwohl Benoît auch schon inklusive Submix, Subgruppen und Recording-Modus 160 Spuren in Pro Tools aufgenommen hat, was weit über der Kapazität des großen Silence!-Studios liegt.)

Benoît erklärt die Signalverteilung auf die Konsolen: "Das erste Layer der Pulte, 1 bis 24, nimmt die analogen Inputs auf. Trotz der AD8HRs müssen wir diese internen Mic-Preamps benutzen, wenn wir mehr als 96 Kanäle anliegen haben. Das zweite Layer, 25 bis 48, nimmt die AES/EBU-Digital-Inputs auf, in anderen Worten, die AD8HR-Outputs. Das dritte Layer widmet sich den Effekt-Returns etc. Natürlich verfügt das L'Autre! über ein paar externe Effekt- und Dynamikprozessoren. Wir haben Sachen wie das t.c. System 6000, ein Lexicon PCM70, einen Presonus-ADL600-Preamp, einen SSL-Stereo-Analogkompressor und einen t.c. Finalizer. Die Dynamikverarbeitung auf Kanal-Ebene wird von der Konsole selbst übernommen, sodass diesbezüglich keine externen Peripherie-Racks benötigt werden.

Nach einem Jahr Vorbereitung wurde das " L’Autre!"-Mobil zu Beginn der 2006er-Saison in Betrieb genommen. Und anstatt sich im Schatten des ersten Fahrzeugs auszuruhen, ist es seitdem quasi permanent auf Achse. Benoît Bertheau erwägt bereits, einige Verbesserungen vorzunehmen. So sollen zusätzliche CAT5- und Glasfaser-Verkabelungen, ein Audio-Monitoring-Kalibierungs-System von Trinnov und eine Erweiterung für 5.1-Mischungen kommen, um den steigenden Ansprüchen der Kundschaft gerecht zu werden.

www.silence.fr

Fotos:

Abb. 1: Das L’Autre! im Einsatz (von außen)
Abb. 2: Die beiden "Haupt"-DM2000-Pulte
Abb. 3: Das dritte DM2000 mit den Silence!-Toningenieuren Fabien Chanier (links hinten) und Guy Lacoste.