Nicéphore Cité (Chalon sur Saône), Frankreich
Am 2. März 2006 organisierte die französische Forschungs- und Veranstaltungstechnik-Firma Irelem zusammen mit den Digital-Audio-Herstellern Yamaha und Auvitran eine zweitägige Präsentation zum Thema "Digital-Audio in einer Netzwerk-Umgebung". Die Teilnehmer setzten sich vor allem aus professionellen Audiospezialisten zusammen, die potenziell an Ethersound-Netzwerklösungen interessiert waren - und zwar mit einem Fokus auf stationäre Veranstaltungstechnik. Als Veranstaltungsort wurde die Nicéphore Cité im französischen Chalon sur Saône (Burgund) gewählt, bekannt als Zentrum für exzellente Technologie und zudem mit einer Vielzahl von Yamaha-Gerätschaften ausgestattet.
Irelem (www.irelem.fr), vor 30 Jahren als Forschungs-Konzern für Audiotechnik gegründet, ist heute eine der größten Audio- und Video-Veranstaltungstechnik-Firmen (Installation/Integration) in der Region Burgund. Hier einige der letzten Aufträge:
-Médiapôle in Chalon sur Saône
-Vorführraum im Parc Vulcania
-Mémorial in Oradour-sur-Glane
-Chalon, Institut für technische Ausbildung/IUT
-Dijon, Medizinischer Fachbereich, etc.
Seit zehn Jahren arbeitet Irelem sehr eng mit Yamaha France zusammen. Die installierten Anlagen der Firma bestehen aus einer beachtlichen Anzahl von Yamaha-Digitalkonsolen und DSP-Engines (erst DME32, später DME24N und DME64N). Derzeit werden bei einem Umsatz von 2,5 Millionen Euro 18 Personen beschäftigt.
Nicéphore Cité
Nicéphore Cité (www.nicephorecite.com), eine ehemalige Zuckerfabrik, widmet sich heute der digitalen Bild- und Tonverarbeitung. Betrieben wird das Haus von der staatlichen Kunst- und Design-Akademie École Nationale Supérieure des Arts et Métier, die sich im nahe gelegenen Cluny befindet. Das rasend schnelle Wachstum im Computer- und IT-Bereich resultierte in der Einrichtung eines Kurses für digitale Bildbearbeitung und virtuelle Realität - und fünf Jahre gesammelte Erfahrung sorgten dafür, dass man selbst begann, Erzeugnisse rund um diese Technologien zu entwickeln. Unterm Strich steht heute eine interessante Mischung aus reiner Forschungsarbeit und angewandter kommerzieller Konzernarbeit. Auf dem Gelände von Nicéphore hat sich inzwischen ein Interessenverband von Firmen gebildet, die Nicéphore Partenaires. Von diesem Konstrukt profitiert auch oben erwähnte Firma Irelem, die natürlich wiederum auch ihren Beitrag dazu leistet. Die Forschungsarbeit wird von Nicéphore Labs durchgeführt, und genau hier fanden auch die zwei Präsentationstage von Irelem, Auvitran und Yamaha statt.
Der Vorführkomplex der Nicéphore Labs wird verwendet, um Simulations- und "Virtual Reality"-Programme zu präsentieren, unterstützt von einer Soundanlage im 5.1-Surround-Format. Der Bereich ist sehr flexibel gebaut: Die abgestufte Bestuhlung (ungefähr 50 Plätze) kann weggeklappt werden, sodass der Boden frei wird. Die 5.1-Anlage verfügt über Dolby-Digital-Decoder und DTS. Ein mit einem Touchscreen ausgestattetes Automatisierungssystem ist mit einer Yamaha DSP-Engine DME24N und einem Yamaha 02R96 verbunden und koordiniert mit Hilfe von Voreinstellungen Bild und Ton. Das DME-Netzwerk sorgt dafür, dass die Audiowiedergabe von jedem Raum aus im Komplex gesteuert werden kann.
Der Projektions- und Vorführbereich wird durch ein 5.1.-Aufnahme- und Mixdown-Studio ergänzt. Im Zentrum befinden sich ein Yamaha-DM-2000-Digitalmixer und eine Pyramix-Audioworkstation. Abgehört wird über ein 5.1-Genelec-8050-Lautsprechersystem. Das Studio wird sowohl für unabhängige Projekte (DVD oder SACD-Mixe) als auch für die Erstellung von Soundtapes verwendet, die zusammen mit visuellen Projekten präsentiert werden.
Ein Tag voller interessanter Vorträge
Im Projektions- und Vorführbereich hatten Irelem, Auvitran und Yamaha eine komplette digitale Audioanlage eingerichtet, unter anderem mit einer M7CL-Konsole, einem AD8HR-Remote-Preamp, einer DME und portabler Auvitran-Ethersound-Technik. Dahinter stand die Idee, Technikern, die noch keine Berührungen mit digitalen Audionetzwerken hatten, zu zeigen, was die Technik kann, und wie sicher sie ist.
Jean Vient begann gleich am Morgen mit einem brillanten Vortrag über die Fortschritte, die im Audio- und Video-Bereich in den vergangenen zwei Jahrhunderten gemacht worden sind. Fabien Saadoun, Abgesandter der Proaudio-Abteilung von Yamaha Musique France, brachte die Marke Yamaha in diesen Kontext ein, und zwar unter besonderer Beachtung der Digitalkonsolen und der DMEs, die sich alle in klanglich optimierten Räumen befanden. Er wiederum übergab an Yves Ansade von Auvitran (www.auvitran.com), der eine lange Liste von verschiedenen aktuellen digitalen Netzwerk-Formaten aufstellte und auf grandiose Weise die Grundprinzipien von Ethersound-Netzwerken darlegte, die er vor ein paar Jahren bei der Firma Digigram mitkreiert hatte. Beim Vergleich der verschiedenen Systeme ging er besonders ausführlich auf die Begriffe Audio-Output, Verbindungslängen, Synchronisation und Servicedaten ein.
Profis von vergleichbarem Ansehen wie Yves Ansade gaben wertvolle Tipps und Einblicke. Dinge, die Netzwerk-Spezialisten ganz offensichtlich erscheinen, sind bei Tonleuten häufig unbekannt. Zum Beispiel die Tatsache, dass in einem Ethersound-Netzwerk jenes Gerät die Master-Clock ist, bei dem nur noch Eingangssignale ankommen. Dabei wird jemand, der ein System aufbaut, und an Synchronisationsketten von ADATs gewöhnt ist, dazu tendieren, das Signal vom letzten zum ersten Gerät zu "loopen".
Zahlreiche Profi-Toningenieure und Techniker, die an den Vorträgen teilnahmen, waren fasziniert von den Möglichkeiten, die der Audiosignaltransfer über Ethersound-Netzwerke zu bieten hat. Vor allem die Aussicht, schwere und sperrige Multicore-Kabel durch ein oder zwei CAT5- oder Glasfaserkabel zu ersetzen, fanden die Spezialisten hochinteressant. Yves Ansades Demonstrationen machten Ethersound anschaulicher denn je. Olivier Gastoué von Yamaha Commercial Audio France durfte noch viele neugierige Fragen beantworten, wobei Themen wie das M7CL, die Steuerung der AD8HR-Preamps, die DSP-Engines DME24N und DME64N sowie die Fernsteuerung von Yamaha-Produkten im Zentrum des Interesses standen. Mit Leichtigkeit setzte Yves Ansade seine Worte in die Tat um, indem er Equipment hochfuhr, das viele nur vom Papier kannten. Zum Beispiel verdeutlichte er live den Sicherheitsgewinn durch zwei Netzwerke und das daraus resultierende Backup durch redundante Daten. Für viele Teilnehmer war der Vortrag die erste Chance, aus erster Hand zu erfahren, was für Möglichkeiten die Digitaltechnik überhaupt zu bieten hat. Viele waren sehr beeindruckt, dass keine Interferenzen feststellbar waren, als von einem Glasfaserkabel auf das andere geschaltet wurde - und zwar selbst dann, wenn eines gar nicht angeschlossen war.
Viele verließen die Veranstaltung und wussten nun erheblich mehr über Ethersound-Netzwerke und deren Integration in Yamaha-Systeme. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sie ihr Wissen weitergeben und sich der Maßstab so in Frankreich und im Rest der Welt zur ersten Wahl für Veranstaltungstechniker entwickelt.