Um soviel wie möglich über den MSP10 STUDIO und seinen Werdegang zu erfahren, sprachen wir direkt mit Akira Nakamura, dem Leiter des MSP10 STUDIO Design-Teams. Nakamura war auch der Schöpfer des legendären NS10M und NS10M STUDIO. Hier sind einige seiner Aussagen:
Welche waren die ersten Projekte, mit denen Sie bei Yamaha befasst waren?
Nakamura: Es waren von Anfang an Lautsprecher, aber die ersten, an denen ich arbeitete, waren Lautsprecher für Musikinstrumente - Yamaha Electone-Orgeln, um genau zu sein. Wir erhielten bei Lautsprechern, die wir von anderen Herstellern kauften, nicht den Sound, den wir uns wünschten, deshalb begannen wir damit, unsere eigenen Lautsprecher zu entwickeln und zu konstruieren.
Waren Hi-fi-Lautsprecher damals schonaktuell?
Nicht zu Beginn. Um 1965 trat ich in die Firma ein und begann, an Musikinstrument-Lautsprechern zu arbeiten, eine ernsthafte Entwicklung von Hi-fi- Lautsprechern begann jedoch nicht vor ca. 1970.

An welchen Audiolautsprechern arbeiteten Sie vor dem NS10M?
An den meisten, aber der Namhafteste war vielleicht der Yamaha NS1000M. Ich glaube, er wurde in etwa 1974 ausgeliefert. Der NS1000M wurde einer der am längsten jemals verkauften Hi-fi-Lautsprecher. Wie ich mich erinnere, wurde der NS10M mehrere Jahre später – etwa 1978 – ausgeliefert.
War der NS10M ein unmittelbarer Erfolg?
Im Home-Use-Markt ja. Es war jedoch erst einige Jahre später, als Studios begannen, den NS10M für Nahfeld-Monitoring einzusetzen. Dies deswegen, weil er ursprünglich für den Hausgebrauch entwickelt und über entsprechende Läden vertrieben wurde. Aber sobald die Studioleute ihn entdeckten, mussten wir unsere Vertriebswege ausdehnen, um auch den Pro-Audio-Markt abzudecken.
Warum wurde der NS10M der Industriestandard für Audioproduktion?
Zu jener Zeit verwendeten die meisten Studios kleine würfelförmige Einzel-Lautsprecher für Nahfeld-Monitoring – tatsächlich wurden diese wahrscheinlich verwendet um zu hören, wie bestimmte Projekte auf einem Consumer-Kassettenspieler oder auf einem Autoradio klingen. Aber die Toningenieure hielten Ausschau nach einem kompakten Monitor mit ein wenig mehr an Leistung und einem größeren Frequenzbereich, und zugleich nach etwas was mehr nach dem Home-Audio-Sound der damaligen Zeit klang. Der NS10M entsprach dem vollkommen. Er hatte auch den Mittenbereich, den die Toningenieure für Rock- und Pop-Produktionen brauchten, und vielleicht wurde er das bevorzugte Werkzeug der Toningenieure für Sound-Kreationen und Mischung, anstatt einfach nur ein Hilfsmittel zu sein, um das Endergebnis auf einem “less-than-perfect”-System abzuhören. Es ist nicht lange her, und Sie konnten in jedes größere Studio gehen, um ein Paar NS10M auf der Mischpultkonsole stehen zu sehen. Dies war ein Vorteil für die Toningenieure, weil sie den NS10Msound kannten und die gleiche Qualität in jedem anderen Studio überall auf der Welt erwarten konnten.

Also begann Yamaha nicht von sich aus, einen Studiomonitor-Lautsprecher herzustellen?
Nicht wirklich. Wir waren nur daran interessiert, eine möglichst saubere, natürliche Wiedergabe zu erreichen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die professionellen Audioproduzenten genau das suchten, wonach wir strebten.
Der weiße NS10M Woofer-Konus war ziemlich auffallend, gibt es eine Geschichte hinter dieser Farbgebung?
Wir waren dabei, verschiedene Materialien für den Lautsprecher-Konus auszuprobieren, aber nichts ergab den Sound, den wir uns wünschten. Bei der Suche nach dem reinsten Konus-Papier das wir finden konnten, und das frei von Verunreinigungen sein sollte, stießen wir auf ein außergewöhnlich reines Rohmaterial, das ein Hersteller von photographischen Materialien verwendete. Das war dann das Ziel unserer Wünsche.
Der “NS10M STUDIO” wurde 1987 vorgestellt. Welche Geschichte gab es hinter dieser Entwicklung?
Zusätzlich zur Optimierung des Designs für die horizontale Aufstellung gab es diese “Seidenpapier”- Geschichte. Es gab damals eine Zeit, in der die Pro- Audio-Magazine voll waren mit Artikeln darüber, wie Toningenieure Lagen von Seidenpapier vor dem NS10M-Hochtöner platzierten, um die benötigte Balance zu erreichen. Es gab sogar Diskussionen darüber, wieviele Lagen von Seidenpapier das beste Ergebnis erzielten, wie weit vom Hochtöner entfernt es angebracht werden sollte, usw. So setzten wir uns mit den Lautsprechern – und einer Packung Seidenpapier – hin und begannen eine ausführliche Serie von Tests. Insgesamt war die Gesamt-Balance des NS10M-plus-Seidenpapier gut, aber einiges ging bei den hohen Frequenzen wie erwartet verloren. Wir fanden dann einen Weg, um die gesuchte Balance ohne Verlust an Detailauflösung zu erhalten, und das wurde der NS10M STUDIO.

Nach dem Verkauf von über 200.000 Exemplaren wurde die Produktion des NS10M STUDIO 2001 eingestellt, was bei den Toningenieuren und in der Branche einen großen Schock auslöste. Weshalb wurde ereingestellt?
Die weißen Konusse. Wegen einer Reihe von unvermeidlichen Gründen war es unmöglich geworden, die Produktion dieser Konusse fortzusetzen. Ohne diese Konusse kann es keine NS10M geben. Glücklicherweise konnten wir genügend Ersatzteile herstellen, um die damaligen Anwender über Jahre hinaus zu versorgen. Es war auch zu jener Zeit, in welcher der NS10M weithin eingesetzt wurde, als wir mit der Arbeit an den Lautsprechern der MSP-Serie mit dem Ziel begannen, einen größere Leistung beim Frequenzgang und erweiterte Tiefen zu erreichen. Nun, da der MSP10 STUDIO vervollkommnet wurde, gibt es wirklich keine bessere Wahl.
Erzählen Sie uns etwas über den neuen MSP10 STUDIO: Was waren die wichtigsten akustischen Ziele bei seiner Entwicklung?
Es gibt andere bekannte aktive Monitor-Lautsprecher auf dem Markt, die einen hübschen “angenehmen” Sound haben, aber wir kamen zu dem Schluss, dass diese nicht präzise genug für kritische Monitoring-Anwendungen waren. Wir wollten einen Monitor herstellen, der die Klangquelle wiedergibt, ohne diese in irgendeiner Weise zu “beschönigen”. Toningenieure müssen eine Frequenz heraushören können, sie müssen die Dynamik hören, das Klangbild, die Auflösung … es gibt so viele Parameter, die geprüft werden müssen. Der MSP10 STUDIO war von Anfang an darauf ausgelegt, dem Hörer jeden einzelnen Aspekt des Klanges so klar wie möglich darzustellen, sodass er oder sie die effektivsten kreativen Entscheidungen treffen und akustischen Einstellungen vornehmen kann. Wenn auf einer einzelnen Spur eine EQ-Einstellung nur gering verändert wurde, so muss dies hörbar sein. Wenn die auf einer Vokalspur verwendete Raumhallzeit nur um den Bruchteil einer Sekunde verändert wird, so muss dies ebenso hörbar sein. Sobald wir wussten, was wir erreichen wollten, war es unsere Aufgabe, diese Konzepte in greifbare Design-Parameter und Verbesserungen umzusetzen – Driver, Verstärker, Frequenzweichen, Gehäuse, Lackierung – alles ist von Bedeutung.
Der Original MSP10 und der neue MSP10 STUDIO sehen ziemlich ähnlich aus - wie können wir sie unterscheiden?
Der einzige sichtbare Unterschied ist die Platzierung des Yamaha-Logos (beim MSP10 STUDIO befindet es sich es unterhalb des Tieftonlautsprechers), und die Tatsache, dass der Radius der Gehäusekanten in der neuen Version etwas kleiner ist. Die Hauptunterschiede befinden sich jedoch im Inneren. Es ist der Unterschied zwischen dem Sound, der für das Anhören geschaffen wurde und dem Sounddesign für Monitoring. Und dies bedeutet, dass im Mittelton-Bereich entscheidende Verbesserungen vorgenommen wurden, auch bei den Parametern der Frequenzweiche sowie bei der Präzision der Teileund Endfertigung.

Wie fügt sich der MSP10 STUDIO in die moderne Monitoring-Praxis ein?
Heutzutage hören viele Toningenieure bei niedrigen Pegeln ab. Paradoxerweise ermöglicht ihnen dies Details herauszuhören, welche bei höheren Pegeln “ausgewaschen” würden. Als wir andere aktive Monitor-Systeme testeten, entdeckten wir, dass diese bei solch geringen Pegeln an Auflösung verloren. Deshalb verwendeten wir große Anstrengungen darauf, dass der MSP10 STUDIO sauber und präzise bis hinunter zu den niedrigsten Pegeln klingt.
Was ist mit Surround-Monitoring?
Selbstverständlich ist der MSP10 STUDIO ein idealer Monitor für Surround-Anwendugen. Die 120°- Verteilung der Hochtöner-Schallführung macht ihn zu einer perfekten Wahl für Surround-Aufbauten – zusätzlich zur Tatsache, dass es sich um einen hervorragenden Monitor-Lautsprecher handelt.
Gab es irgendwelche größere Hindernisse bei der Verwirklichung der gewünschten Leistung?
Viele. Aber die Bereiche, welche die meiste Zeit und Energie beanspruchten, waren wahrscheinlich die aktuellen Herstellungsprozesse. Um die gewünschte hohe Qualität konsequent bei allen Geräten zu garantieren, mussten wir die Maßpräzision bei allen Einzelteilen dramatisch erhöhen, ebenso bei den Montagevorgängen im Zusammenbau.
Was ist anders bei der neuen “hochentwickelten Magnetschaltung”?
Lautsprecher-Ingenieure, die großen Wert auf Klangqualität legen, wissen schon seit langem über die Probleme bei der magnetischen Abschirmung Bescheid. Magnetisch abgeschirmte Lautsprecher haben eine “Dämpfungsschaltung”, die im Prinzip aus einem an der Rückseite der normalen Magnetspule angebrachten Magneten mit umgekehrter Polarität besteht. Konventionelle Dämpfungsschaltungen bestehen lediglich aus einem Magneten und einem äußeren Bügel – eine solche Anordnung erzeugt bei der Magnetisierung ein unregelmäßiges Flussmuster. Dies beeinträchtigt das Magnetfeld des Hauptmagneten und hat einen negativen Einfluss auf den Klang. Mittels der neuen “hochentwickelten Magnetschaltung” wird im “Abschirm”-Magnet ein äußerst konsistentes Flussmuster erzeugt, indem dieser während des Magnetisierungs-Prozesses zwischen den Innen- und Außen-Bügeln angebracht wird. Das Ergebnis ist eine bedeutend höhere Klangqualität.

Warum ist der MSP10 STUDIO so schwer? (Der MSP10 STUDIO wiegt 20 kg, verglichen mit den etwa 12 kg des führenden Mitbewerbers).
Nun, das größere Gewicht ist nicht etwas, das wir herausstellen wollen, aber bei der Optimierung der Gesamtleistung ergab sich einfach ein schwereres Gehäuse, schwerere Tieftöner und schwerere Transformatoren in den Verstärkern. Wir waren nicht bereit, wegen eines geringeren Gewichtes Kompromisse bei der Leistung einzugehen.
Wie groß ist die Verringerung des Kantenradius beim Gehäuses des MSP10 STUDIO?
Die Veränderung ist gering, aber sie macht einen signifikanten Unterschied beim Klang aus. Durch eine einfache Verringerung des Kantenradius um einige Millimeter erreichten wir eine erkennbar bessere Auflösung und Zeichnung des Klanges. Dies mag zum Teil auf externe Diffraktion durchzuführen zu sein, ist aber wahrscheinlich eher ein Ergebnis des veränderten Aufbaus und der Festigkeit der Eckverbindungen, welche die Gesamt-Performance des Gehäuses beeinflussen.
Und was ist mit der 9-stufigen 5-Lagen- Lackierung? Ist sie wirklich so wichtig?
Sehr wichtig. Was sich auf der Oberfläche des Gehäuses befindet, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Klangwiedergabe. Eine geeignete Lackierung kann unerwünschte Resonanzen im Holz unterdrücken. Der daraus resultierende Vorteil ist besonders bei sanften Decays und Hallfahnen wahrnehmbar – beim MSP10 STUDIO klingen diese sehr natürlich aus, ohne jede Spur von Verfärbung. Die Lackierung, die wir verwenden, hat eine große Ähnlichkeit mit der Lackierung, die bei Klavieren verwendet wird. Es gibt zwar keine Möglichkeit, Gehäuseresonanz vollständig zu eliminieren, aber es ist uns gelungen, den Klang des Gehäuses so transparent und “musikalisch” wie möglich zu machen.