Ein Interview mit dem Entwicklungsteam der PM Serie


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Im Jahr 2003 feierte die PM-Serie Jubiläum. Genau 30 Jahren zuvor hatten Yamahas berühmte Live-Konsolen zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt.
Seit der Veröffentlichung des legendären PM200, der erste in Massenproduktion hergestellte professionelle Mixer, nahm die PM-Serie fortan eine führende Rolle im Beschallungs-Genre ein. Man darf sogar unverblümt behaupten, dass die Entwicklung von Live-Konsolen durch Yamaha nachhaltig bestimmt wurde.

Tetsuo „Ted“ Wakamatsu

Kam bereits 1967 zu Yamaha und arbeitete von Beginn an für die Beschallungs-Abteilung. Als Chefingenieur war er für die Produktion vieler legendärer Mixer, zu denen natürlich auch die auf dem PM200 aufbauende PM-Serie gehört, verantwortlich.

Kenji Ikeya

Kam 1981 zu Yamaha und wurde vorwiegend mit der Entwicklung großer Mischpulte betraut. Zudem war er an der Entwicklung des digitalen Mixers/Recorders DMR8 beteiligt. Ikeya ist ein innovativer, in die Zukunft blickender Ingenieur, der mit seinem profunden Fachwissen über Digitaltechnik maßgeblich an der Entwicklung des PM5000 beteiligt war.

Koji Aoyama

Der Elektrotechnik-Ingenieur arbeitet seit 1975 bei Yamaha. Er war sowohl an der Entwicklung der Konsolen PM170 und 180 als auch an der des Verstärkers P2002 beteiligt.
Aoyama ist ein echter Könner unter den Ingenieuren, der im Wesentlichen in die Entwicklung analoger Mischpulte involviert war..

Wann wurde die erste Konsole der PM-Serie herausgebracht?

Wakamatsu: Die erste Konsole war das PM200. Ich glaube, es kam im November 1972, vor mehr als 30 Jahren, heraus.

Was führte zur Entwicklung des PM200?

Wakamatsu: Yamaha organisierte damals hier in Japan eine Vielzahl von Musikevents wie u.a. das NEMU – Jazz Inn, den Popular Music Contest oder das World Popular Song Festival.
Die Geschichte der PA-Produktion bei Yamaha begann mit der Entwicklung spezieller Ausrüstung für diese Veranstaltungen.
Und weil die Events zunehmend größer wurden, musste neues Equipment entwickelt werden, um den veränderten Anforderung gerecht zu werden. Zunächst entstanden die Powered Mixers der EM-Serie (EM= Ensemble Mixer), später die PM-Konsolen.

Diese waren so konzipiert, das auch verschiedenste Instrumente leicht gemixt werden konnten, und besaßen zu diesem Zweck spezielle Gitarren-Inputs und sogar eingebaute Rhythmusgeräte. Wir verkauften Komplettsysteme mit Lautsprechern, so genannte "Yamaha Ensemble Systems“, die vor allem wegen ihrer einfachen Bedienung sehr beliebt waren. Aber als sich die Bedürfnisse der Nutzer änderten, musste sowohl die Ausgangsleistung als auch die Zahl der Zusatzfunktionen erhöht werden.
Um aufs PM200 zurückzukommen – es war genau in der eben beschriebenen Phase, als wir anfingen, Mischer und Verstärker für PA-Anwendungen voneinander zu trennen und uns darauf konzentrierten, eine bessere Performance zu erreichen.
Hatte das PM200 noch unsymmetrische Inputs und Outputs sowie einen Mono-Output-Bus, verfügte sein Nachfolger, der PM400, bereits über symmetrische Inputs und Outputs sowie über einen Stereo-Bus. Damals entwickelten sich die PAs von kleinen, einfachen Anlagen zu sehr viel größeren Systemen.

Welche Konsolen verwendeten die großen internationalen Künstler in den frühen 70er Jahren?

Wakamatsu: Die meisten benutzen Studiokonsolen bekannter Marken, welche für die Live-Beschallung modifiziert wurden. Wurden Geräte aus heimischen Bestand verwendet, so waren dies meistens teure Spezialanfertigungen, wie man sie z.B. in Rundfunkstudios verwendete.
Wann immer ausländische Künstler kamen, besuchten wir deren Konzerte, um zu sehen, was sie benutzen und wie sie es benutzten.

Das PM1000 kam 1974 heraus. Wie war es möglich, eine derartige Performance und derartig fortschrittliche Features zu so einem derart Bahn brechenden Preis anzubieten?

Wakamatsu: Wir haben alle Bauteile und die Schaltkreise selber entworfen, um eine größtmögliche Zuverlässigkeit zu erreichen, während es uns die Massenproduktion erlaubte, die Gesamtkosten zu reduzieren.
Beispielsweise benutzten wir bei der Herstellung des Prototyps zunächst Fader eines anderen Herstellers, entwarfen und produzierten aber letztendlich doch unsere eigenen. Im Gegensatz zur modernen linearen Bauart verwendeten wir spezielle Drehpotentiometer für die damaligen Regler. Um eine hohe Leistung und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, verwendeten wir eine Lautstärkeregelung mit Karbon-Kontakten sowie Duraluminium für den Schaft. Indem wir unsere eigenen Hochleistungs-Bauteile schufen, konnten wir die Produktionskosten senken.

Das gleiche trifft auch auf die Transformatoren zu. Sowohl die Technik in Hochleistungs-Audioschaltkreisen als auch die Fertigung hochwertiger Übertrager machte rasche Fortschritte, die wir umgehend für unsere PA-Ausrüstung in Anspruch nahmen. Wir verfügten bereits über maßgeschneiderte Transformatoren, die akkurat nach unseren Spezifikationen gewickelt waren, um die gewünschte Leistung zu erzielen.

Woher rührt die hohe Akzeptanz des PM1000?

Wakamatsu: Weil es den Bedürfnissen der Zeit entsprach. Es war beispielsweise das erste Model, in das unser Matrix-Mixsystem eingebaut war. Das Matrix-System wurde entwickelt, um den Erfordernissen an Kanalkapazität gerecht zu werden, denen wir auf unseren eigenen Musikveranstaltungen begegneten. Wir benötigten ein PM200 nur für das Schlagzeug, ein zweites für Gitarre, Bass und andere Instrumente sowie ein drittes, um die Outputs dieser zwei Mischpulte mit dem Gesang zu kombinieren. Es war klar, dass wir ein Mischpult benötigen würden, das irgendwie mehrere Mixer in einem bereitstellte. Offensichtlich sahen das viele unserer Kunden genauso.
Wir haben dann in jedem weiteren Modell der PM-Serie neue Ideen und Features umgesetzt: Das Matrixsystem im PM1000, eine stabile Unterbodenkonstruktion im PM2000, VCA-Fader und Mute-Gruppen im PM3000 usw.

Wie war die Resonanz im Ausland?

Wakamatsu: Auf den ausländischen Märkten, insbesondere in den USA, stieg das Ansehen der Yamaha-Konsolen rapide. Eine der bedeutendsten Westküsten-Bands der damaligen Zeit benutzte das PM2000 auf ihrer USA-Tournee.

Warum, meinen Sie, haben führende Profis in der ganzen Welt das PM2000 übernommen?

Wakamatsu: Ich glaube, dass die Zuverlässigkeit der wichtigste Faktor war. Teure, maßgeschneiderte Konsolen, aber auch viele andere Bestandteile des Equipments sind Unikate, die man nicht einfach rigorosen Zuverlässigkeitstests unterziehen kann.

Dagegen erlaubt die Massenproduktion die Durchführung von Falltests, extreme Temperaturtests und andere Prozeduren, welche die Haltbarkeit des Endproduktes garantieren. Und da in Serie produzierte Konsolen unter vielfältigen Bedingungen auf der ganzen Welt verwendet werden, erhalten wir reichhaltiges Feedback, das wir bei der Qualitätsverbesserung berücksichtigen. Yamahas weltweites Service-Netz ist ein anderer wichtiger Faktor.

Zur Zeit des PM2000 wurden die Konsolen ziemlich groß und die Stabilität des Unterbodens wurde zu einem wichtigen Thema. Einer der Tests, die wir nach wie vor verwenden, ist unser so genannter "Flightcase-Test". Während der Konstruktion des Prototyps bestellen wir ein passendes Flightcase – noch nicht mal einen besonders robusten – und platzieren die Konsole darin. Das Flightcase steht auf der Seite und wird dann in beide Richtungen zu Boden geworfen. Wenn die Konsole danach sofort startet und problemlos arbeitet, hat sie den Test bestanden. Eine solche Stabilität ist notwendig, um die Härten einer Tournee zu überstehen, die möglicherweise sechs Monate oder länger dauert.

Eine sehr berühmte Rockgruppe schickte uns damals einen Dankesbrief, da Ihnen tatsächlich eine unserer Konsolen die Treppe heruntergefallen war und immer noch perfekt funktionierte.

Mit dem PM3000 wurden das erste Mal VCAs (Voltage Controlled Amplifiers) in einer Sound-Reinforcement-Konsole verwendet. Wie war die Resonanz?

Wakamatsu: Damals wurden VCAs in einer Reihe von Recording-Konsolen verwendet, aber die vorherrschende Meinung über VCAs war, dass sie einfach nicht gut klingen.

Aoyama: Unsere Vertriebsmitarbeiter baten uns sogar, keine VCAs zu verwenden.

Und warum wurden sie dann letztendlich doch verwendet?

Wakamatsu: Mittels hybrider Schaltkreise (diskret und integriert) schufen wir Yamaha-eigene VCAs. Wir waren von deren Qualität absolut überzeugt und wollten zudem einige neue Ideen realisieren.

Aoyama: Zusätzlich zum Sound war auch die Benutzerfreundlichkeit ein Entscheidungskriterium. Im PM3000 konnten alle acht VCA-Gruppen in jeder Kombination unterschiedlich zugeordnet werden.

Wakamatsu: Dennoch habe ich im ersten Jahr nach dem Erscheinen der Konsole niemanden gesehen, der die VCA-Fader benutzte. Es dauerte eine Weile, bis sie angenommen wurden, aber uns war klar, dass in Zukunft auch andere Hersteller ganz selbstverständlich VCAs in ihren Konsolen verwenden würden. Wir waren überzeugt, das Richtige zu tun.

Was war das Neue beim PM4000?

Wakamatsu: Stereo-Aux-Busse und vollparametrische EQs.

Aoyama: Zunächst vermarkteten wir drei Versionen: Eine Saal-Variante (nur für den japanischen Markt), eine für FOH und eine für Monitor. Und es war möglich, Mono-Inputmodule durch Stereomodule zu ersetzen (bis zu max. 64 Eingangskanälen). Die Leute begannen, mehr Stereosignale zu verwenden, und es gab eine große Nachfrage nach Stereomodulen.

Warum, meinen Sie, wurde das PM4000 zum Standard in Sachen Beschallung?

Aoyama: Das PM4000 machte endgültig Schluss mit den aus dem PM3000 bekannten Defiziten. Wir hatten außergewöhnliches Glück, dass wir viel Feedback von führenden Künstlern und Ingenieuren bekommen haben, denn dies floss in unser Know-how mit ein. Dies ist ein weiterer Vorteil der Massenproduktion: Wir können eine große Zahl von Nutzern in aller Welt erreichen, die durch ihr Feedback zur Weiterentwicklung nachfolgender Modelle beitragen. Darum hatten wir uns vom PM200 an gegen maßgeschneiderte Modelle entschieden.
Infolgedessen erreichte das PM4000 ein nie da gewesenes Niveau an Qualität, Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit.

Und nun das PM5000. Erzählen sie uns vom Entwicklungskonzept.

Wakamatsu: Unser Ziel war der beste Sound, den es je in der PM-Serie gegeben hatte. Der Ausdruck „Soundqualität“ allein reicht nicht aus, um eine wirklich großartige akustische Performance zu definieren. Der Signal-Rausch-Abstand und die Übersprechung sind ebenfalls extrem wichtige Faktoren. Im digitalen Bereich sind Signal-Rausch-Abstand und Übersprechung nicht das Problem, aber bei einem analogen Mixer muss man alle drei Faktoren sorgsam Beachtung schenken. Im analogen Bereich ist die Hürde viel höher, und im gewissen Sinne war dies eine Herausforderung.

Ikeya: In Bezug auf die Soundqualität erreichten wir die gewünschten Resultate durch den Aufbau der Schaltkreise, die Selektion der Bauteile und wiederholte Überprüfung durch professionelle Ingenieure. Den optimalen Signal-Rausch-Abstand und minimale Übersprechung erreichten wir durch den Aufbau der Schaltkreise, ein Erdungsschema, das Störungen durch das Netzgerät oder externe Quellen beseitigt, sowie durch einen sorgfältigen Neuentwurf der Schablonen für die Platinen.

Was bietet das PM5000 bezüglich Benutzerfreundlichkeit?

Wakamatsu: Das Scene-Recall ist ein wichtiges Feature. Nicht nur ein einfaches Scene-Memory, sondern eine umfassende Implementierung derer digitaler Kontrollsysteme, die sich in der volldigitalen PM1D-Konsole als nützlich erwiesen haben, worunter die Recall-Safe- und Fader-Safe-Funktionen fallen. Es gibt noch eine Reihe weiterer Innovationen, darunter die neuen "Summing"-Gain-Regler.

Und schließlich – warum eine analoge Konsole?

Wakamatsu: Für uns hier gibt es nicht wirklich einen Unterschied zwischen analogen und digitalen Mixern. Unser Ziel ist es einfach, den wählerischen professionellen Toningenieuren das Tool zu geben, welches sie wollen und brauchen, um jederzeit den besten Job zu machen.

Aoyama: Die PM-Serie ist seit 30 Jahren immer in einer Spitzenposition gewesen und dort wird sie auch bleiben.

Ikeya: Wir haben das Glück, sowohl in der analogen als auch in der digitalen Domain über profundes Know-how zu verfügen. Aus beiden Gebieten haben wir das Beste genommen und die bestklingende PM-Konsole alle Zeiten erschaffen: das PM5000.